FeedEnte
TierreichBrockhaus 1882

Ente (Anas) ist eine Gattung der Schwimmvögel, deren Oberkiefer wie der aller Siebschnäbler (Lamellirostra) an den übergreifenden Rändern mit schmalen, senkrechten, parallelen Plättchen besetzt ist, und deren Beine nach hinten gerückt sind. Man hat diese artenreiche Gattung neuerlich in zahlreiche Gattungen zersplittert und als Typus einer besondern Familie aufgefaßt, in welcher die Schwimmenten und die Tauchenten die beiden Hauptgruppen ausmachen. Zu den erstern, welche eine gerundete, oft verkümmernde Hinterzehe ohne Hautlappen besitzen und gern in seichtem Wasser gründeln, gehört die gemeine Wildente, Stockente (A. boschas J.), welche fast alle Länder der nördl. Halbkugel vom Polarkreise bis zum 28. bis 30. nördl. Br. bewohnt. Ihr Fleisch ist geschätzter als das der zahmen E., weshalb man ihr sehr nachstellt. Das Männchen hat ein weißes Halsband, einen violetten, weiß und schwarz eingefaßten Spiegel, gelben Schnabel und rote Fuße. Von ihr stammt die —— Hausente ab, welche zum Haustier gemacht worden ist. Als besonders schmackhaft gilt das Fleisch der Schnatterente (A. strepera), die ebenfalls dieser Gruppe angehört, wie auch das der Bisamente (A. moschata), die aus den Urwäldern des tropischen Amerika abstammt, in den Hühnerhöfen Deutschlands aber merkwürdigerweise unter dem Namen der türkischen E., doch fast nur zur Zierde gehalten wird. Auch die kleinern Wildenten (frz. Cercelles), wie die Knäkente (A. querquedula) und Krikente (A. crecca), sind als Braten sehr geschätzt. In den Tiergärten züchtet man jetzt wohl über 50 Arten, unter welchen einige leichtfliegende und im wilden Zustande gern auf Bäumen nistende Arten, wie die Brautente (A. sponsa) und die Mandarinente (A. galericulata), der wunderschönen Zeichnung ihres buntgefärbten Gefieders wegen stets die allgemeine Bewunderung erregen. Auffallende Charaktere besitzen einerseits die Löffelenten 315 clypeata) durch den breiten Schnabel, die den äbergang zu den Gänsen bildenden, in Erdhöhlen brütenden Fuchsenten (A. rutila) und Brandenten (A. tadorna), sowie die schlanken, auf Bäumen nistenden Baumenten (Dendrocygna) der Tropengegenden. Zur zweiten Gruppe, den Tauchenten, welche eine starke, mit einem breiten Hautlappen gesäumte Hinterzehe besitzen, gehören unter andern die Eiderente 0 d.), die Trauerenten (Oidemia), Tafelenten (4. ferina) und die amerik. Canvasente (A. Valisneria). Die letztere bewohnt Nordamerika vom 50. bis 60. nördl. Br. in großer Menge. Sie hat eine Länge von 60 em und wird eifrig geiagt, da ihr Fleisch das aller übrigen E. an Zartheit und Schmackhaftigkeit weit übertrifft. Die Schell-, Moor-⸗ und Eisenten werden ebenfalls dieser Gruppe zugezählt. Die Enteals Haustier. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die zahme Hausente von der gemeinen Wildente, März-oder Stockente (Anas boschas L.) abstammt. Die so hochentwickelte Rouen-E. gleicht derselben fast ganz in der Zeichnung des Gefieders, und auf den Teichen der Landwirte sieht man häufig gewöhnliche Landenten mit ähnlichem Gefieder. Die E. hat einen großen wirtschaftlichen Wert. Schon früh hat darum der Mensch die E. gezähmt und sich dienstbar gemacht. Das Fleisch ist äußerst schmackhaft; die Federn stehen kaum denen der Gans nach und die Eierproduktion ist beträchtlich. Die jährliche Zahl der Eier beläuft sich auf 80 — 90 mit einem Durchschnittsgewicht von 90 g das Stück. Die schon erwähnte Rouen-Ente verdankt ihren Namen der alten Hauptstadt der Normandie, in welcher Provinz sie in großen Mengen gezüchtet wird. Auch in Deutschland hat sie bereits durch die Bestrebungen der Geflügelzuchtvereine, auf deren Ausstellungen sie eine große Rolle spielt, eine bedeutende Verbreitung gefunden. Dasselbe läßt sich sagen von der Aylesbury-Ente, so benannt nach der Landstadt Aylesbury in Buckinghamshire. Sie ist ein Produkt uralter engl. Zucht. Das Gefieder derselben ist schneeweiß, Anflug von Gelb oder gar schwarze Flecken sind verwerfliche Eigenschaften. Tiere, deren Schnabel mit schwarzen Flecken behaftet ist, darf man zur Zucht nicht verwenden. Die eigentümliche rötliche Schnabelfarbe dieser E. schreibt man dem in den Gewässern im Aylesburythal befindlichen, mit kleinen Schalen untermischten Grand zu. In Deutschland verliert sich leicht diese Zierde und der Schnabel wird gelb. Die Augen sind schwarz, die Füße orange. In der Gegend von Aylesbury werden alljährlich viele Tausende dieser CE. für den londoner Markt groß gezogen. Aus dem Erlös dieser Ware sollen, wie Wright in seinem Illustrated Booksof Poultrys berichtet, mehr als 20000 Pfd. St. jährlich in jene Gegend fließen. Das Geschaft wird von den kleinen Leuten, den cottagers, betrieben, die man nach diesem Gewerbe duckers (Enters) nennt. Man sucht möglichst früh im Jahre mit dem Ausbrüten zu beginnen, da die früheste Ware die besten — erzielt. Die Tiere werden im Alter von sechs Wochen geschlachtet und an den Markt gebracht; sie haben dann ein Gewicht von gegen 3 Pfd. und erzielen Preise von 10 — 20 Mark das Paar. In den ersten Tagen bekommen sie hartgekochte Cier, die fein gehackt und mit gekochtem Reis vermischt werden, später Gerstenschrot mit Talggrieben. In neuester Zeit ist eine E. von gleichem Gefieder in Deutschland eingeführt, die Pekingente. Sie unterscheidet sich von der vorigen in der Hauptsache nur durch die Farbe des Schnabels, der gelb ist. — In Amerika wird die Cayuga-Ente mit schwarzem Gefieder neben den genannten Rassen gezüchtet und hochgeschätzt. Sie ist benannt nach dem See dieses Namens in der gleichnamigen Grafschaft im Staate Neuyork. Die ersten Ansiedler trafen diesen See namentlich reich mit E. bevölkert an und sollen dort E. eingefangen und dann domestiziert haben. Wenn dies der Fall ist, so sind die Stammeltern wahrscheinlich eine Untersippe der Spiegelenten gewesen. Das Gefieder der Cayuga-Ente ist glänzend schwarz und hat namentlich bei dem Enterich einen grünen Schimmer. Der Schnabel ist dunkelhornfarbig oder schwarz, die Füße sind dunkelbraun oder schieferfarben. Der wirtschaftliche Wert dieser verschiedenen Rassen ist ziemlich gleich und es kann dem Geschmack des Züchters überlassen bleiben, für welche er sich entscheiden will. Sämtliche genannte Rassen sind 1. gute CEierleger und vor allen Dingen vorzügiche Fleischproduzenten. Das Durchschnittsgewicht der E. dieser Rassen beträgt 6—7 Pfd., einzelne Exemplare erreichen ein Gewicht von 10—11 Pfd. Außer den Swedi Schlägen oder Rassen ist noch die blaue Schwedische Ente zu erwähnen, die gleichfalls in Deutschland gezüchtet wird, und von Zierenten, die Schwarzeostindische Ente, die prachtvolle Brautente (A. sponsa), die Mandarinente (A. galericulata) und die Bisamente (A. moschata), auch Türkische Ente genannt, die auch übrigens ein bedeutendes Gewicht erreicht und deren Fleisch nicht unschmackhaft ist. (Hierzu Abbildungen auf Tafel: Geflügelzucht.) Die Entenzucht hat nur geringe Schwierigkeiten und kann bei geeigneten Verhältnissen einen beträchtlichen Nutzen abwerfen. Der Grad derselben hängt von der Freikost ab, welche der C. zu Gebote steht. Sie ist bezüglich ihrer Nahrung nicht wählerisch und nimmt, was an tierischen und pflanzlichen Stoffen nur einigermaßen als solche dienen kann, in sich auf. Die Brütezeit der E. dauert gegen 28 Tage. In vielen Landwirtschaften läßt man Enteneier durch Hennen, auch Truthennen, ausbrüten, die beim Ausschlüpfen der kleinen E. zwar etwas verwundert thun ob der seltsam aussehenden Kinder, aber sich doch als gute Mütter erweisen. Zu achten ist darauf, daß die von Hennen großgezogenen E. nicht vom Wasser entwöhnt werden, weil sie dies dann später meiden. In den Landwirtschaften ist das Futter der kleinen E. meist Kleie und Schrot in Milch angerührt; doch bringt es sie leichter vorwärts, wenn ihnen daneben etwas gehacktes Fleisch oder gehackte hartgekochte Eier gereicht werden, oder der Kleie etwas Futtermehl zugesetzt wird. Für Abwechselung in der Nahrung ist überhaupt zu sorgen. ute, im übertragenen Sinne, bezeichnet (wie das franz. canard) eine in Zeitungen verbreitete, gleichsam fortschwimmende, wieder auftauchende Fabel oder Lüge. Früher sagte man blaue CE., indem man blau in dem Sinne von nebelhaft, nichtig nahm. Diese Bedeutung von E. schwebte offenbar Luther vor, als er das Wort Legende in «Lügender 63. B. in der Zusammenstellung Da sind so viel Lügen in unsern Alkoranen, Dekretalen, Lügendeno) umdeutete. Später wurde daraus geradezu Lugente oder Lugente. (Vgl. auch Tatarennachricht und Zeitungsente.) * die gänzliche oder teilweise Entziehung der bürgerlichen Ehre. Entehrende Verbrechen sind diejenigen, welche einen Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte (s. d.) nach sich ziehen. (S. Ehre und Ehrenstrafen.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 192Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

In anderen Lexika 1

Alle Lexika nebeneinander →

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Tierreich 6