FeedGarn
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Garn (frz. fil, engl. yxarn) nennt man den durch den Spinnprozeß aus tierischen Haaren oder vegetabilischen Fasern gebildeten Faden, der entweder ohne weiteres zur Weberei verwendet, oder, zwei⸗, drei⸗ und mehrfach zusammengedreht, als Zwirn, teils für die Zwecke der Weberei, teils zum Nähen, Stricken, Sticken, Wirken oder als Bindfaden, Schnüre, Stricke, Taue benutzt wird. Nach dem verwendeten Material unterscheidet man Woll⸗, Baumwoll⸗, Flachs⸗, Hanf⸗, Jute⸗, Seidengarn u. s. w., außer den genannten werden z. B. G. aus Kokosfaser, Kuh⸗ und Ziegenhaaren verwendet. Die Wollengarne werden mit Rücksicht auf die Herstellungsmethode in Streich- und Kammgarne unterschieden. Unter Seidengarn versteht man das Gespinst aus gekrempelten oder gekämmten Seidenabfällen (Florettseide), nicht den von Cocons abgehaspelten Faden (Rohseide). Die G., welche vom Spinner entweder in Form von Strähnen (Schneller) oder als Kötzer oder auch auf Spulen in den Handel gebracht werden, unterwirft man nicht selten einem Appreturverfahren, durch welches dieselben entweder verschönert, oder für bestimmte Zwecke verwendbar gemacht werden und das im Bleichen, Sengen, Knotenabstreifen oder im Einreiben von glanzgebenden Mitteln (Lüstrieren) bestehen kann; die Manipulationen weichen hierbei je nach der Art der G. mehr oder weniger voneinander ab. Das Bleichen der Baumwoll-Ienden⸗ namentlich der als Strickzwirn zu verwenenden, wird vorteilhaft in Kesseln ausgeführt, in welche, nachdem aus denselben die Luft ausgepumpt worden, die Bleichflüssigkeit durch den äußern Luftdruck eingetrieben wird. Das Bleichen der Flachsgarne geschieht teils auf chemischem Wege in offenen Gefäßen mittels Chlorkalks und schwefelsauren Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VII. Natrons, teils als Rasenbleiche; bei Woll⸗ und Seidengarnen findet dasselbe in Bleichkästen statt, in welchen die feuchten Strähne Dämpfen von schwefliger Säure ausgesetzt werden. Das Sengen der G., namentlich der Chappeseide, wird mit Sengmaschinen ausgeführt, in denen die einzelnen Fäden durch Gasflammen streichen. Zum Abstreifen der Knoten zieht man das G. durch einen Spalt feiner Metallblättchen. Beim Lüstrieren, besonders der Baumwollgarne und Zwirne, wird auf die über rotierende Walzen gelegten Strähne das Appreturmittel aufgetragen und durch rotierende, der Bewegungsrichtung des G. entgegenarbeitende Bürstenwalzen nahezu trocken gebürstet, wodurch das G. Glanz erhält. Als Appreturmittel wird dünnes Stärkewasser mit einem Abguß von Flohsamen oder mit Seife u. s. w. verwendet. Infolge der außerordentlichen Entwickelung des Spinnereibetriebs hat gegenwärtig der G arnha ndel eine früher nicht gekannte Wichtigkeit erlangt. Seitdem das Spinnen die Beschäftigung meist großartiger Fabrikanlagen, nicht wie sonst die Aufgabe einer Menge einzelner Handarbeiter bildet, hat dieser Handel eine vollständig neue Gestalt gewonnen. Während ehemals die Grundlage desselben in einem im kleinsten Detail betriebenen Aufkauf bestand, findet jetzt der Regel nach ein Engroshandel in kolossalem Umfang statt. In Großbritannien, dem hierin am Erentes Korungeder e Lande, ist durchaus keine direkte Lieferung der Spinnereien an die Konsumenten mehr üblich; der Garnhandel ist vielmehr ganz in den Händen von Zwischenhändlern (Kommissionären), welche weit vollständigere Assortiments bieten, als es einer einzelnen Spinnerei möglich wäre. Um die G. in einer bequemen, zuleich die Kontrolle der Quantität und Feinheit ereichternden Form in den Handel zu bringen, werden sie auf dem Garnhaspel (s. unter Haspelh) in Strähne von bestimmter Länge und Fädenzahl gewunden. Die Feinheitsgrade bezeichnet man in der Regel durch die Angabe, wie viele Strähne von bekanntem Maß auf die landesübliche Gewichtseinheit gehen, woraus sich die Garnnummer ergibt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 545Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

In anderen Lexika 2

Alle Lexika nebeneinander →

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Sitten & Mode 6