Garrison (William Lloyd), amerik. Philanthrop und einer der ersten und eifrigsten Vorkämpfer für Abschaffung der Negersklaverei in den Vereinigten Staaten von Amerika (Abolitionist), Maß⸗ 12. Dez. 1804 zu Newburyport im Staate Massachusetts, war zunächst bei einem Schuhmacher, dann bei einem Tischler, später bei einem Setzer in der Lehre. Kaum 17 J. alt erregte G. durch Artikel, welche er Zeitungen anonym zuschickte, Aufsehen in polit. Kreisen. Im J. 1826 gab er dann selbständig in seiner Vaterstadt ein Blatt Eree Presso heraus, hatte aber mit diesem Unternehmen kein Glück. Er war dann Zeitungsredacteur in Boston, später zu Bennington im Staate Vermont und in Baltimore und kehrte hierauf nach Boston zurück. Am 1. Jan. 1831 erschien die erste Nummer seines „Liberatoro, welcher furchtlos die Interessen der Abolitionistenpartei vertrat und erst nach Beendigung des Bürgerkriegs 1865 einging. G. wurde bald der bestgehaßte Mann in den Südstagaten. Schon im Dez. 1831 setzte die Legislatur des Staats Georgia einen Preis von 5000 Doll. auf seinen Kopf aus. G. begründete 1. Jan. 1832 die New England (später Massachusetts) Anti-Slavery Society, an welche sich die zahlreichen Vereine anlehnten, welche jahrelang die Agitation gegen die Sklaverei nährten. Bald darauf ging er als Agent der New England Anti-Slavery Society nach England, um dort für die Zwecke der Gesellschaft Propaganda zu machen. Er wurde hier sehr ehrenvoll aufgenommen, und es gelang ihm, sich seiner Mission mit Erfolg zu entledigen. Nach seiner Rückkehr nach den Vereinigten Staaten beteiligte sich G. an der Gründung der America Anti-Slavery Society in Philadelphia, in deren Auftrag er einen ausführlichen Aufsatz:«Declaration of Sentimentsv, uber die Grundsätze und Tendenzen des Vereins verfaßte. Die Thätigkeit des letztern verursachte den heftigsten Widerstand der Sklavenhalterpartei. Dieselbe verstand es sogar, indem sie den Pöbel in den großen Städten für sich gewonnen, selbst in den Städten des Nordens jahrelang jede Anti-Sklavereiversammlung zu vereiteln. G. entging bei einer solchen Gelegenheit 1835 in Boston nur mit knapper Not dem Tode. Im J. 1865 legte er sein Amt als Präsident der Anti-Slavery Society nieder und löste die Gesellschaft auf. Ebenso ließ er sein Blatt Liberatoro eingehen. Er starb 24. Mai 1879 in Neuyork. Außer einem 1843 zu Boston erschienenen Bändchen Gedichte: Sonnets and other Poemsso, sind G.s litterarische Arbeiten fast sämtlich Tendenzschriften, hervorgerufen durch die freiheitliche Bewegung, an deren Spitze er sich gestellt hatte. Eine Auswahl seiner Schriften erschien als „Selectionso (1852). Vgl. Döhn, William Lloyd G.» (in Unsere Zeito, 1880, I).