FeedGarrick (David)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Garrick (David), berühmter engl. Schauspieler, wurde 20. Febr. 1716 in einer Schenke zu Hereford in England, wo sein Vater, ein engl. Kapitän, auf Werbung lag, geboren. Seine aus der Normandie stammende Familie, welche La Garrique hieß, hatte sich nach dem Widerrufe des Edikts von Nantes nach England geflüchtet. Schon in seinem 12. Jahre zeigte G. sein vorzügliches Talent in Farquhars Lustspiel „Der Werbeoffiziero, das er mit seinen Mitschülern 165Dhein Dann arbeitete er auf dem Comptoir seines Oheims, eines reichen Weinhändlers zu Lissabon, kehrte jedoch nach einem Jahre zurück, besuchte kurze Zeit Sam. Johnsons Schule zu Lichsield und ging im März 1737 mit seinem Lehrer nach London, wo er eine Zeit lang die Rechte studierte. Hierauf eröffnete er ein Weingeschäft, das er indes wieder aufgab, um sich der Laufbahn zu widmen, für welche die Natur ihn bestimmt hatte. Nachdem er zuerst unter dem Namen Lyddal in Ipswich gastiert hatte und einen Sommer lang mit einer wandernden Schauspielertruppe umhergezogen war, kehrte er nach London zurück, wo er, von Gifford, dem Eigentümer des Goodmansfield-Theaters, engagiert, im Oktober 1741 als Richard III. mit außerordentlichem Erfolge auftrat. Sein von der herkömmlichen Art ganz verschiedener natürlicher Vortrag machte einen außerordentlichen Eindruck. G. spielte 1742 in Irland, 1745 im Drury-Lane-Theater zu London, dann wieder in Dublin, bis er 1747 in Verbindung mit Lacy das Drury-Lane-Theater, an dem Fleetwood bankrott geworden war, mit erneuertem Privilegium kaufte und die Direktion desselben übernahm. Er verbannte die Anstößigkeiten der ältern engl. Lustspieldichter, brachte Shakspeares Dichtungen, an denen er indes dem damaligen Zeitgeschmack gemäß vieles änderte bei dem Publikum wieder in Ansehen und begrün dete so die glänzendste Periode der engl. Bühne Nach 35 Jahren der Thätigkeit und des Ruhms nahm er vom Theater Abschied. Er trat 10. Jun 1776 zum letzten mal auf und begab sich dann au sein Landhaus bei London, wo er 20. Jan. 177ʃ tarb. Sein Leichnam wurde in der Westminster Abtei am Fuße eines dem Andenken Shakspeares gewidmeten Denkmals beigesetzt. G. war klein von Person, aber wohl gebaut, hatte schwarze, lebhafte Augen und eine reine, melodische Stimme. Seine Gestalt, seine Mienen hatte er aufs bewundernswürdigste in seiner Gewalt; jede Leidenschaft stand ihm zu Gebote, alles war an ihm voller, treffender Ausdruck derselben. Daher war er berd groß im Tragischen wie im Komischen, wiewohl er im letztern die größten Triumphe feierte. Von seinen 27 Lustspielen haben sich einige, wie The lying valeto, «Miss in her teenso und das gemeinschaftlich mit Colman geschriebene Stück „The clandestine marriages, bis jetzt auf dem Repertoire gehalten. Sie sind sowohl in den Supplementbänden zu Bells «Britishetheatrer (Edinb. 1786) als auch besonders (3 Bde., Lond. 1798) gesammelt. Eine Sammlung seiner zum Teil trefflichen Prologe, Episteln und Gedichte enthalten die Poetical works of David G.v (2 Bde., Lond. 1785). Vgl. «The correspondence of David G. with the most celebrated persons of his timev (2 Bde., Lond. 1831—32); Davies, Memoirs of David (2 Bde., Lond. 1780; deutsch, Lpz. 1782); Murphy, „Life of G.» (Lond. 1799), und Fitzgerald, «Like of David G.v (2 Bde., Lond. 1868). G.s Gattin, Eva Maria Veigel, geb. 29. Febr. 1724 zu Wien, wo sie unter dem Namen Violette als Tänzerin auftrat und großen Beifall fand, wurde 1744 bei der Oper in London angestellt. G. heiratete sie 1749 und begleitete sie 1765 auf das Festland. Sie starb 16. Okt. 1822 zu London.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 551Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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