Gallatin (Albert), nordamerik. Staatsmann und Geschichtsforscher, geb. 29. Jan. 1761 zu Genf, ging, um für die Unabhängigkeit der brit. Kolonien mitzukämpfen, nach Amerika, landete im Juli 1780 in Boston und zeichnete sich kurz darauf in Maine als Soldat so aus, daß man ihm den Befehl über das Fort Passamaquoddy übertrug. Nach dem Frieden erhielt G. die Professur der franz. Litteratur an der Harvard-Universität, kaufte sich aber bald nachher Ländereien, erst in Virginien, dann in Pennsylvanien, wo er sich am Monongahela eifrig der Landwirtschaft widmete. Seine polit. Laufbahn begann 1789, als er zu dem Konvent abgeordnet ward, welcher die Verfassung für Pennsylvanien revidieren sollte. Er hielt zur streng republikanischen, selbst Washington feindlichen Partei und wurde 1793 in den Senat der Vereinigten Staaten gewählt, hier jedoch nicht zugelassen, weil er noch nicht neun Jahre lang Bürger gewesen war, und trat 1795 in das Haus ein, dem er bis 1801 angeörte. Von seinem Freunde Jefferson 1801 zum Ing seumm ne ernannt, leistete er in dieser Stel9 seinem neuen Vaterlande durch sein umsichti⸗ — und Im Niat 1519 Wirken die erheblichsten ienste. Im Mai 1813 ging G., weil Rußland sich zur Vermittelung des Friedens erboten, als außerordentlicher Gesandter nach Petersburg und nach⸗ — da England die direkte Verhandlung mit den reinigten Staaten verlangte, nach Gent, wo auch der Friede von ihm mitunterzeichnet wurde. Er unterhandelte 1815 mit Adams und Clay über einen Handelsvertrag mit England, und fungierte 1816—23 als amerik. Gesandter zu Paris. Seit 1826 lebte er in Neuyork vorzugsweise den Wissenschaften. Als Freihändler aus Adam Smiths Schule beteiligte er sich eifrig bei dem Freihandelskonvent in Philadelphia, wurde 1831 Präsident der Nationalbank und blieb dies bis 1839. Er starb 12. Aug. 1849 in Astoria bei Neuyork. Ges kleine polit. che Fra behandelten finan⸗ ** und staatsrechtliche Fragen, seine geschichtchen Studien dagegen betreffen die Verhältnisse der Indianer in Nord⸗ und Centralamerika und sind bahnbrechend gewesen. Die «Synopsis of the Indian tribes within the United States and in the Britisb and Russian possessions in North Americad, welche den zweiten Band der Transactions and collections of the American antiquarian Societys (Worcester 1836) bildet, sowie die Mitteilungen in Semi-civilized nations of Mexico, Vucatan and Central America, with conjectures on the origin of semi-civilisation in America in den „Transactionso der Ethnologischen Gesellschaft (Bd. 1—3, Neuyork 1845—52) sind besonders hervorzuheben. G.s Memoir on the North-Eastern Boundary (Neuyork 1843) bei Gelegenheit der Streitfrage über das Oregongebiet, sowie seine in 150000 Exemplaren verbreitete Schrift über den Krieg mit Mexiko, Musterstücke von Scharfsinn und liche Meinung.