FeedGastrollen
Sport & SpielBrockhaus 1882

Gastrollen (Gastspiel) sind Darstellungen einer dem Theater ren Vorban Persönlichkeit auf einer Bühne, zu deren Verband sie nicht gehört. Solche G. dienen entweder dem Zweck, den Gastierenden einem fremden Publikum vorzuführen, um dadurch ein Engagement an der betreffenden Bühne herbeizuführen (gastieren auf Engagement), oder sie werden veranlaßt durch die Verhinderung eines Mitglieds, seine Rolle zu spielen, an dessen Stelle dann der Gast tritt, oder sie finden endlich nur in der Absicht statt, einen bedeutenden Künstler dem Publikum überhaupt bekannt zu machen. Das Virtuosentum hat diese letztere Art der G. besonders ausgebildet und ist darin so weit gegangen, sich ganz von einem festen Engagement emanzipieren und mit wenigen, aber effektvollen Rollen von Bühne zu Bühne zu reisen. Während das Gastspiel auf Engagement seine volle Berechtigung hat, ist das Gastrollengeben der Virtuosen der ersten Forderung an dem Kunstwerk, der Harmonie, durchaus feindlich und auch materiell schädigend, weil es dem Publikum Ansprüche beibringt, die in der Folge nicht zu befriedigen sind. Das übertriebene Gastrollengeben engagierter Mitglieder erweist sich schädlich für die Bühne, deren Verband das Mitglied da dieses daheim sich von den Strapazen der Reise erholt. Die Honorare für G. sind außerordentlich gestiegen. Durch Vereinigung mehrerer Künstler zu gemeinsamem Gastrollengeben entstehen die Gesamtgastspiele, unter denen sich die der meininger Hoftheater-Gesellschaft in neuester Zeit am meisten hervorgethan haben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 587Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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