Gefählsmenschen, die nicht zu verwechseln sind mit Menschen, die wohl auch starke und lebhafte G. haben, aber diese einer innern Kontrolle unterwerfen. Verstandesmenschen pflegt man dagegen die zu nennen, die nicht sowohl allen, sondern nur gewissen G., namentlich denen der Teilnahme, schwer zugänglich sind, oder ihnen wenigstens aus Rücksichten der Klugheit, des Eigennutzes u. s. w. keinen Einfluß auf ihr Handeln gestatten. Keine Seite dieses Gegensatzes einen wünschenswerten Charakter, und es pflögt sich daher auch in der Anwendung beider Ausdrücke auf bestimmte Personen ein leiser Tadel auszusprechen. Der Gefühlsmensch wird sich zu leicht hinreißen lassen; der Verstandesmensch wird alles, was er nicht begreift, sofort für nicht vorhanden erklären. Beide gehören daher zu den beschränkten Charakteren, Zu einem bch ene und männlichen Charakter gehört wesentlich eine Fähigkeit und Offenheit für alle Arten höherer G., verbunden mit dem Streben, sich uber die in ihnen enthaltenen Ideen durch Nachdenken die größtmögliche Deutlichkeit zu verschaffen. Der Mensch von stumpfem G. heißt gefühllos. Die Gefühllosigkeit hat entweder in natürlicher Roheit ihren Grund, wie sie harte Lebensart und ungebildete Sitten mit sich bringen, oder in einer durch übermäßige oder überfeinerte Genüsse bewirkten Abstumpfung, welche der Blasiertheit verwandt ist. Zu den interessantesten Gefühlserscheinungen gehören die G. der far euhen und Antipathie, welche auf der Fähigkeit beruhen, die durch G. und Begehrungen verursachten Mienen und Geberden fremder Personen auf unwillkürliche Art in der eigenen Phantasie zu wiederholen oder nachzuahmen, und zwar so, daß die G. und Begehrungen, denen sie entsprechen, zugleich mit ihnen ins Bewußtsein treten und sich dadurch als unzertrennlich und instinktartig mit ihnen verknüpfte Gemütszustände zu erkennen geben. Sind uns diese Gemütszustände genehm, sodaß wir sie uns gern aneignen, so entsteht Sympathie; erregen sie hingegen unsern Abscheu, Antipathie. Vgl. außer der allgemeinen Litteratur (s. Psychologie) hauptsächlich: Flemming, (Versuch einer Analytik des Gefühlsvermögens» (Altona 1793); Krug, «Grundlage einer neuen Theorie der G. v (Königsb. 1823); Richter, Küber das Gefühlsvermögen » (Lpz. 1824); Beneke, «Psycholog. Skizzeno (Bd. 1: „Skizzen zur Naturlehre der G.v, Gött. Schmidt, «Versuch einer Theorie des G. » (Berl. 1831); Braubach, «Psychologie des G.v (Wetzlar 1847); Nahlowsty, Das Gefühlsleben (Lpz. 1862); Dumont, Vergnügen und Schmerzy (Bd. 22 der „Internat. wissenschaftl. Bibliotheko, Lpz. 1876).