Gautier (Theophile), franz. Dichter und Kunstkritiker, geb. 31. Aug. 1811 zu Tarbes, wurde, drei Jahre alt, von seinen Eltern nach Paris mitgenommen, wo er seine Schulstudien im College Louis-le-Grand begann und in Charlemagne beendigte. Um sich zum Maler auszubilden, nahm er Unterricht bei Rioult, gab aber infolge des Mißlingens seiner ersten Versuche diesen Beruf auf und wandte sich zur Poesie. Eifriger Anhänger Victor Hugos und der romantischen Schule, veröffentlichte er 1830 einen ersten Band Gedichte, worauf die versifizierte Legende von Albertus folgte. Hierauf lieferte er der France littéraires Artikel über die franz. Dichter des 17. Jahrh., die später unter dem Titel Les Grotesquesd (2 Bde., 1844) gesammelt erschienen. In den J. 1832—34 war G. Mitarbeiter am Figarop, an der Revue de Pariso, am Artister, endlich seit 1836 an der Pressey, für welches Journal er 20 Jahre lang die Kunst⸗ und Theaterkritiken lieferte. Der Romantismus hatte noch nicht gesiegt, als G. im Feuilleton der Pressey mit allem Feuer und aller Heftigkeit eines jungen Romantikers auf den kritischen Kampfplatz trat; seine geharnischte Polemik ging nicht bloß gegen die klassische Tragödie, sondern auch gegen die damals im Lustspiel und Vaudeville herrschende Scribesche Schule, welche er die Philisterschules (Ecole de Part bourgeois) nannte und unausgesetzt bekämpfte. Im J. 1838 ließ er ein neues Gedicht, La comédie de la morto, eine seiner originellsten Produktionen, erscheinen; ferner schrieb er Novellen und Romane, so Les Jeunes-Erancep (1833), Mademoiselle de Maupin (2 Bde., 1835), eins seiner Hauptwerke, womit er sich aber die Möglichkeit seiner Aufnahme in die Französische Akademie verscherzte; ferner Fortuniop (1838), Le Capitaine Pracasses (1864) u. s. w. Seine mit andern gemeinschaftlich bearbeiteten Dramen und Vaudevilles machten wenig Glück; dagegen schrieb er den Text zu berühmten Balletten: Giselles (1841), (La lichen Gedichte, mit Ausnahme der 1852 herausgekommenen «Emaux et caméeso, wurden 1845 in einem Bande gesammelt veröffentlicht. G. machte weite Reisen und hat seine Ausflüge in Spanien, im Orient und in Italien geschildert in KTra los 4Constantinoples (1854), wozu später noch die (Trésors d'art de la Russies (1860) hinzukamen. Seit 1856 leitete G. das litterarische Feuilleton des (Moniteuro und schrieb für dasselbe die Kunst⸗ und Theaterkritiken, nebenbei auch Reisebilder, Novellen u. s. w. Bei viel maßvollerm Urteil behielt sein Stil doch die pikante Eigentümlichkeit der frühern Zeit. Er starb 23. Okt. 1872 zu Neuill bei Paris. Seine Theaterkritiken erschienen teilweise gesammelt als «Ilistoire de Part dramatique en France „ (6 Bde., Par. 1858-59) und (Histoire du romantisme (Par. 1872 u. 1874). Aus seinem Nachlaß erschien Portraits et souvenirs littéraireso (Par. 1875). Vgl. Feydeau, Théophile G. Souvenirs intimeso (Par. 1874).