Geberden sind alle äußern Bewegungen des menschlichen Körpers. Eine Unterart derselben sind die Mienen, unter denen die Veränderungen der Gesichtszüge, soweit sie der Ausdruck innerer Empfindung, verstanden werden. Gebraucht man G. und Mienen, um dadurch seine Gedanken und Empfindungen auszudrücken, so bedient man sich der Geberdensprache. Die natürlichen G. begleiten und beleben jede artikulierte Sprache, sie sind uberall gleich und werden überall verstanden. Jedermann erkennt die Mienen des Fröhlichen und des Traurigen, des Mitleidigen und des Schadenfrohen, des Liebenden und Hoffenden, des Zornigen, Neidischen und Verlegenen. Ebenso erkennt man sofort an den Mienen die Wirkungen des angenehmen oder widrigen Geruchs, des süßen oder sauern Geschmacks, den Ekel, das Wohlbehagen oder Mißbehagen. Scharf ausgeprägt ist die Geberdensprache bei allen Südländern, namentlich bei den Neapolitanern und Sicilianern. Von tiefer Bedeutung ist die Geberdensprache für die Taubstummen. Hier ist sie oft das einzige Mittel, sich verständlich zu machen, namentlich solchen gegenüber, die keine Schule besucht haben. Sie hat demnach in Taubstummenanstalten ihre höchste Ausbildung erreicht, da hier zur natürlichen Geberdensprache, die sich bloß auf die Anwendung solcher Zeichen beschränkt, die der Natur der betreffenden Sache entlehnt sind, die künstliche Geberdensprache tritt, welche es mehr oder weniger mit willkürlichen Zeichen zu thun hat. So bildet die natürliche Geberdensprache die erste Grundlage des Taubstummenunterrichts (s. d.). Je weiter aber der Schüler in der Ton- und Schriftsprache vorwärts schreitet, desto mehr tritt die Geberdensprache zurück, bis sie zuletzt auch hier nur als Begleiterin der Rede erscheint. Über die G. in der dramatischen Kunst s. Mimik.