Geißel (Johannes von), Kardinal und Erzbischof von Köln, wurde 5. Fehr. 1796 zu Gimmeldingen (in der jetzigen bayr. Rheinpfalz) geboren, erhielt seine erste Bildung auf der Lateinschule zu Edesheim, vollendete seine Studien seit 1813 auf dem kaiserl. Lyceum, seit 1815 auf dem Priesterseminar zu Mainz und erhielt 1818 die Priesterweihe. Nach kurzer Thätigkeit als Kaplan, ward G. 1819 als Professor und Religionslehrer ans Gymnasium zu Speier berufen, 1822 wurde er Mitglied des Domkapitels und Schulrat für die bayr. Pfalz. Außerdem war G. als Schriftsteller sehr thätig, und seine poetischen Arbeiten zogen die Aufmerksamkeit des Königs Ludwig von Bayern auf ihn. Dessen Gunst bewirkte es, daß G. 1836 Domdechant und 1837 Bischof von Speier wurde. Es war die Zeit, wo die röm. Kirche sich an allen Orten sammelte zu einem energischen Kampfe gegen den protest. Staat, und G. erwies sich als ein ebenso geschickter als entschiedener Vorkämpfer der ultramontanen Bestrebungen. Er gründete ein Knabenseminar, um die Erziehung des Klerus im Geiste des Jesuitismus zu fördern, und war auch sonst mit Erfolg bemüßt den Einfluß des Staats auf kirchliche Angelegenheiten zurückzudrängen. Als in Preußen nach dem Regierungsantritkt Friedrich Wilhelms IV. die sog. Kölner Wirren durch die Nachgiebigkeit des Staats in der Weise beigelegt wurden, daß der kölner Erzbischof einen Koadjutor erhielt mit dem Rechte der Nachfolge, wurde G. zu diesem Posten ausersehen. Am 4. März 1842 trat er sein Amt als Koadjutor an, 11. Jan. 1846 ward er Erzbischof von Köln und verwaltete dieses einflußreiche Amt bis zu seinem Tode, 8. Sept. 1864. Daß G. nicht geneigt war, von den weitgehenden Forderungen der röm. Kirche irgend etwas nachzulassen, sprach er deutlich genug aus, indem er gleich nach dem Antritt des neuen Amtes in einem öffentlichen Rundschreiben das Verhalten des Erzbischofs Clemens August rückhaltslos billigte. Die preuß. Regierung, indem sie dies Rundschreiben unbeanstandet ließ, erklärte dadurch, daß sie ihren frühern Widerstand gegen die röm. Forderungen aufgegeben habe. Nur in der Form seines Auftretens war G. etwas feiner und rücksichtsvoller als sein Vorgänger. Bei der Energie des Erzbischofs und der Nachgiebigkeit der Staatsregierung t die Wirksamkeit G.s in hohem Grade zu der festigung des Ultramontanismus in Preußen beigetragen. Gegen die Anhänger von Hermes erwirkte G. eine verurteilende päpstliche Bulle; den Vortrag der Philosophie Günthers untersagte er und wußte in beiden Fällen Unterwerfung zu erzwingen. Als 372 Mitglieder des niedern Klerus sich mit der Bitte um die kirchenrechtlich ihnen zustehende feste Anstellung und Sicherung ihrer Rechte wandten, wußte sie G. durch mancherlei Mittel zur Zurücknahme dieses Schrittes zu bewegen. Die Bewegung des J. 1848 benutzte G., um auf einer Versammlung deutscher Bischöfe in Würzburg (Okt. 1848) den Kampf einzuleiten für die sog. Freiheit der Kircher im Sinne des Ultramontanismus. Durch Begünstigung der Jesuiten, durch und gathol zahlreicher Ordensniederlassungen und Katholischer Vereine wußte G. die Kreise des Volks für seine Bestrebungen zu gewinnen. Die preuß. Regierung legte ihm kein Hindernis in den Weg und der Papst belohnte ihn am 30. Sept. 1850 durch die Ernennung zum Kardinal. G. schrieb: Der Kaiserdom zu Speierv (3 Bde., Mainz 1826—28; 2. Aufl., Köln 1876). G.s „Schriften und Redeno wurden herausgegeben von Dumont (4 Bde., Köln 1869—76). Vgl. Remling, «„Kardinal von G., Bischof von Speier und Erzbischof von Kölno (Speier 1873); Baudri, «Der Erzbischof von Köln Johannes Kardinal von G. und seine Zeite (Köln 1882).