FeedFörster (Heinr.)
GeschichteBrockhaus 1882

Förster (Heinr.), Fürstbischof von Breslau, geb. 24. Nov. 1800zu Großglogau als Sohneines Malers, erhielt seine erste Bildung auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt, dann auf der Universität zu Breslau, wo der Einfluß Deresers für seine Bestimmung zum Kanzelberufe entscheidend ward. Er wurde, 17. April 1825 zum Priester dandahie erst Kaplan zu Liegnitz, dann Pfarrer zu Landshut. Seit 1837 als Domherr, erster Domprediger und Inspektor des Klerikalseminars nach Breslau berufen, begründete er in dieser Stellung seinen Ruf als einer der bedeutendsten Kanzelredner der kath. Kirche in Deutschland. Die in Schlesien beginnende sog. achristkatholisches Bewegung Lort gab ihm Gelegenheit, als ein entschiedener Vorkämpfer des röm.⸗ kath. Kirchentums aufzutreten. Dieselbe Haltung nahm er auch ein 4n der den polit. Kämpfen des J. 1848, sowohl in der Synode deutscher Bischöfe zu Würzburg als Vertreter seines Freundes Diepenbrock, als auch an dessen Seite in der Deutschen Nationalversammlung zu Frankfurt. Nach Diepenbrocks Tode wurde F. 19. Mai 1853 zu dessen Nachfolger im Bistum Breslau gewählt. Das Verdikt Roms gegen die Lehren Günthers brachte ihn in Konflikt zunächst mit Baltzer (s. d.), sodann mit der breslauer kath.⸗theol. Facultät und deren staatlich begründeten Stellung. Obgleich F. auf dem Vatikanischen Konzil zu Rom zu denjenigen Bischöfen gehört hatte, welche gegen das Dogma der päpstl. Infallibilität gestimmt hatten, so unterwarf er sich dennoch später den Forderungen Roms und schritt gegen die Opponenten der breslauer theol. Fakultät mit strengen Censuren ein. Beim Ausbruch des Kirchenkonflikts trat F., obgleich zuerst zur Versöhnung geneigt, doch später mit großer Energie der Ausführung der preuß. Maigesetze entgegen, indem er staatstreue kath. Priester exkommunizierte. Nachdem ihm daher eine Reihe von Geldstrafen auferlegt worden war, wurde durch den obersten kirchlichen Gerichtshof das Absetzungsverfahren gegen ihn eingeleitet und F. durch rechtskräftiges Urteil 6. Okt. 1875 seines Amtes entsetzt. Schon vorher, 6. Mai, hatte er sich nach Johannisberg, das zum österr. Teile seiner Diöcese gehört, heimlich begeben. Dort starb er 20. Okt. 1881. Als Schriftsteller hat sich F. populär gemacht durch sein Lebensbild Diepenbrochso (3. Aufl., Regensb. 1878). Außer zahlreichen einzelnen Predigten veröffentlichte er die Homilien auf die Sonntage des kath. Kirchenjahreso (3. Aufl., 2 Bde., Bresl. 1851), «Der Ruf der Kirche in die Gegenwarto (3. Aufl., 3 Bde., Bresl. 1852),Die christl. Families (4. Aufl., Bresl. 1854), «Predigten auf die Sonntage des kath. Kirchenjahreso (4. Aufl., 2 Bde., Bresl. 1857). Seine «Kanzelvorträges (6 Bde., Bresl. 1854) sind auch gesammelt re Vgl. anz, Heinrich F., Fürstbischof von Breslau. Ein

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 21Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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