FeedGoßner (Johannes Evangelista)
ReligionBrockhaus 1882

Goßner (Johannes Evangelista), Prediger in Berlin und Begründer der Goßnerschen Mission, geb. 14. Dez. 1773 im Dorfe Hausen bei Günzburg in der Diöcese Augsburg, trat 1785 in das Salvator-Gymnasium zu Augsburg, das von Jesuiten geleitet wurde, bezog 1792 die Universität Dillingen und erhielt Sept. 1793 einen Freiplatz im Georgianum zu Ingolstadt. Ende 1797 erhielt G. die kath. Priesterweihe und trat sofort in die geistliche Amtsthätigkeit ein, welche er nacheinander in Stoffenried, Neuburg und Steeg mit Erfolg ausübte. Im J. 1801 kam G. als Hilfsgeistlicher nach Augsburg. Seine Wirksamkeit machte ihn den Obern verdächtig, er wurde 1802 zur Untersuchung gezogen und zu einer mehrwöchentlichen Strafe im Priesterkorrektionshaus Göppingen verurteilt. Als das Bistum Augsburg 1803 an Bayern fiel, wurde G. Pfarrer zu Dirlewang. Im J. 1811 siedelte er nach München über, wurde 1819 kath. Religionslehrer am Gymnasium zu Düsseldorf, 1820 Prediger an der Malteserkirche zu Petersburg, mußte aber 1824 der altruss. Opposition weichen. Mehrere Jahre hielt er sich alsdann in Leipzig auf, nur mit schriftstellerischen Arbeiten beschäftigt. Am 23. Juli 1826 trat G. in Königshayn öffentlich zum Protestantismus über, begab sich alsdann nach Berlin und wurde hier 1829 Prediger an der Bethlehemskirche. Hier hat er mit großem Segen gewirkt; nicht bloß als Prediger, sondern vor allem durch Begründung des Elisabeth-Krankenhauses, eines Männerkrankenvereins, mehrerer Kleinkinderschulen u. dgl. Mit großem Eifer widmete er sich auch dem Werke der Heidenmission und hat nicht weniger als 140 Missionare ausgesandt. G. legte 1846 sein Predigtamt nieder und widmete sich ganz den Werken christl. Barmherzigkeit, bis er 20. März 1858 starb. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: «Geist des Lebens und der Lehre Jesus (3. Aufl., 2 Bde., Tüb. 1823), «Schatzkästleinn (2 Bde., Lpz. 1825). Vgl. Prochnow, Johannes G. Biographie aus Tagebüchern und Briefeno (Berl. 1864); Dalton, Johannes G.v (2. Aufl., Berl. 1878).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 218Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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