Gemät nennt man die Seele als Prinzip der Gefühle und Neigungen, gleichbedeutend mit Herz, dem Kopfe entgegengesetzt. Gemütlosigkeit ist deshalb der Mangel an regem Mitgefühl, an Wohlwollen, Dankbarkeit u. s. w. In die Verschiedenheiten, wie das G., d. i. Gefühle und Neigungen, sich ausbildet und darstellt, setzt man die Gemütsart des Menschen. Diese bezieht sich sowohl auf die Grade des Gefühls als auf die Arten der Gefühle, welche bei einem Menschen vorherrschend sind. In letzterer Beziehung gibt es eine finstere und trübe, oder eine heitere und muntere, eine furchtsame und eine wackere Gemütsart. Das G. ist schwach, wenn der Mensch äußern Einwirkungen und den dadurch hervorgerufenen Gefühlen keine innere Gegenkraft entgegenstellen kann, stark, wo dies der Fall ist. Unmittelbar mit der Stärke des G. hängt dessen Kraft zusammen welche sich in der Bestimmung des Willens zur That äußert. Im allgemeinen wird die Gemütsart durch den anzen Gang der individuellen geistigen Entwickeung bestimmt; sie drückt die vorherrschende Richtung aus, welche die Neigungen und Gefühle eines Menschen genommen haben. Gemütlichkeit legt man einem Menschen bei, der durch seine eigene Gemütsäußerung das G. eines andern Menschen in einen angenehmen Zustand versetzt. Gemütsäpbewegungen nennt man alle stärkern, oft rasch und plötzlich eintretenden Abänderungen der vorhandenen Gemütslage, also namentlich die stärkern Gefühle und Begehrungen, die Affekte und Leidenschaften, welche beide die Griechen mit dem Worte Pathos umfaßten. Das Gegenteil der Gemütsbewegungen bezeichnet das Wort Gemütsruhe, welches nicht einen gänzlichen Mangel aller geistigen Regsamkeit, sondern ein solches Verhältnis der den Seelenzustand zusammensetzenden Bewegungen bezeichnet, in welchem die Bedingungen der Besinnung und Uberlegung nicht aufgehoben sind. Heftige Gemütsbewegungen wirken oft lange nach und können dem Leben schädlich werden. Vgl. Jungmann, „Das G. und das Gefühlsvermögen der neuern Psychologier (Innsbr. 1869). (S. Gefühl, psychologisch.) Gemütsbewegungen, s. unter Gemüt.