FeedGendebien (Alexandre Joseph Celestin)
GeschichteBrockhaus 1882

Gendebien (Alexandre Joseph Celestin), belg. Staatsmann, geb. 4. Mai 1789 zu Mons, studierte Jura und ließ sich 1811 als Advokat in Brüssel nieder, wo er mit zur Gründung der gegen das holländ. Regiment gerichteten kath. Liberalen Union wirkte und nach dem Ausbruch der franz. Julirevolution anfänglich den Reunionisten förderlich war. Nach den ersten Ruhestörungen zu Brüssel im Aug. 1830 war er Mitglied der Kommission, welche nach dem Haag reiste, um König Wilhelm die Beschwerden des belg. Volks vorzutragen, aber unbefriedigt nach Brüssel zurückkehrte. Hier suchte G. gleichfalls vergeblich den Prinzen von Oranien zu bestimmen, sich zum König der Belgier erwählen zu lassen. Während der Septemberkämpfe, am 25., bildete er mit Vandeweyer, Rogier und d'Hooghvoorst die erste provisorische Regierung und begab sich nach der Befreiung Brüssels 199 Paris, um beim Kabinett des Palais-Royal für den Fall preuß. Invasionsgelüste die Wahrung des Nichtinterventionsprinzips zu befürworten. Von einer bald darauf wiederholten Reise, die zum Zwecke hatte, die Gesinnung des Den be Kabinetts für eine eventuelle Anerbietung er belg. Königskrone an einen Sohn Ludwig Philipps auszuforschen, kam er mit der Überzeugung urück, daß Talleyrands Einfluß hemmend auf den Ranz. Monarchen gewirkt habe. Am 19. Okt. trat er in das Komitee der Exekutivgewalt als Chef des Justizdepartements. Im Nationalkongreß vertrat er den Bezirk Mons, stimmte für die Unabhängigkeit Belgiens, die monarchische Staatsform und für beständigen Ausschluß der Oranien-Nassauischen Dynastie. Im Dezember und Januar verhandelte er in Paris mit dem dortigen Kabinett wegen der Anerkennung des neuen Staats und der Königswahl, lehrte jedoch unverrichteter Dinge zurück. Nach Einsetzung des Regenten wurde er zum Ersten Präsidenten des brüsseler Appellhofs und zum Justizminister ernannt, legte jedoch diese Amter bald wieder nieder und setzte sich fortan in entschiedene Opposition gegen den Gang der belg. Politik, beteiligte sich mit zwei Söhnen als Freiwilliger an der unglücklichen Campagne des Monats August 1831 und war eine Reihe von Jahren hindurch in der Kammer der Abgeordneten als Deputierter von Mons der Leiter der gegen das herrschende Justemilieu-System ankämpfenden kath.⸗liberalen Opposition. Nach der Annahme des Traktats der 24 Artikel (19. März 1839) entschloß sich G., vom polit. Schauplatz abzutreten. Er starb als Generaleinnehmer der brüsseler Spital⸗ und Wohlthätigkeitsverwaltung 6. Dez. 1869. Ein Standbild von Ch. nalaft au Drö wurde ihm 1874 vor dem alten Justizpalast zu Brüssel errichtet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 748Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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