Genee (Rudolf), Bruder des vorigen, Schriftsteller und Shakspeare-Vorleser, geb. 12. Dez. 1824 in Berlin, besuchte daselbst zunächst das Gömnasium um Grauen Kloster und erlernte dann bei Profes or Gubitz die Holzschneidekunst, wandte sich aber bald litterarischer Thätigkeit zu. Im J. 1847 veröffentlichte er ein republikanisches Trauerspiel cZiska vom Kelch». Die Bewegung des J. 1848 leitete ihn auf das Gebiet der Satire. Ein kleines dramatisches Genrebild Müller und Schulzer, welches die deutsch⸗-österr. Fehde von 1850 (Bronnzell und Olmütz) parodierte, Guns r großen Erfolg. Danach folgten mehrere kleine Lustspiele, die mit Beifall aufgenommen wurden ((Gesammelte Komödien», Berl. 1879), sowie die phantastische Komödie „Das Wundero und das Lustspiel Ein neuer Timon) (1858). G. trat 1859 in die Redaktion der kurz zuvor gegründeten Danziger Zeitunge und übernahm 1861 die Redaction der Coburger Zeitung, die er drei Jahre lang führte. Nachdem er schon in Danzig einige Vorlesungen über dramatische Frauencharättere gehalten, erschienen dieselben unter dem Titel «Frauenkranze (Berl. 1862). In Coburg begann er 1865 seine öffentlichen Shakspeare-Vorlesungen, die er zunächst in NRürnberg und München, dann in Dresden, Berlin u. s. w. fortsetzte und mit denen er glänzende Erfolge erzielte. Diese Thätigkeit verband er bald mit umfangreichen litterarischen Arbeiten über Shakspeare, in denen er gegen die herrschende willkürliche und ausschweifende Interpretationssucht opponierte und der objektiven histor. Kritik Geltung zu verschaffen suchte. Für eine Arbeit über Rhythmik der Sprache und Vortrag wurde ihm von Jena die philos. Doktorwürde zuteil. Im J. 1871 nach dem Kriege, während dessen zahlreiche — Gedichte von ihm erschienen, brachte er Kleists Hermannsschlachto in einer Bearbeitung auf die Bühne (Berl. 1871). Seit 1879 hat G. seinen ständigen Wohnsitz wieder in Berlin genommen, wo er seitdem im dortigen Victoria-Lyceum ausschließlich über Shakspeare liest. Seine litterarhistor. und dramaturgischen rke sind: (Geschichte der Shakspeareschen Dramen in Deutschlando (Lpz. 1870), Shakspeares Leben und Werke » (Hildburgh. 1871), Das deutsche Theater und die Reformfrager (Berl. 1877), Die engl. Mirakelspieles (Berl. 1878), . (V und Wanderjahre des deutschen Schauspielso (Berl. 1882); ferner schrieb er Poetische Abender (2. Aufl., Erfurt 1882).