Georg 1. (Christian Wilhelm Ferdinand Adolf), König der Hellenen und königl. Prinz von Dänemark, geb. 24. Dez. 1845, ist der zweite Sohn des Königs Christian IX. von Dänemark und der Königin Luise. Der Prinz führte bis zu seiner Thronbesteigung den Namen Wilhelm, erhielt seine Erziehung in Kopenhagen und widmete sich dann dem Seedienst. Als seine ältere Schwester Alexandra, von ihren Eltern und Geschwistern begleitet, nach England abreiste, um sich 10. März 1863 mit dem Prinzen von Wales zu vermählen, machte auch Prinz Wilhelm die Reise mit. Bei dieser Gelegenheit wurden die brit. Staatsmänner, welche damals einen Kandidaten für den erledigten griech. Königsthron suchten, auf ihn aufmerksam. Frankreich und Rußland nahmen G.s Kandidatur günstig auf, und bereits 23. März kündigte der engl. Gesandte in Athen der Provisorischen Regierung an, daß die drei Schutzmächte sich über den Prinzen Wilhelm als künftigen König von Griechenland geeinigt hätten. Demgemäß wurde derselbe 30. März 1863 von der griech. Nationalversammlung einstimmig zum Königerwählt, unter dem Namen G. I. Am 25.April traf eine Deputation, an deren Spitze der Admiral Konstantin Kanaris stand, in Kopenhagen ein, um den Prinzen nach Griechenland einzuladen. Doch verzögerte die Entscheidung sich, da der dän. Hof seine Einwilligung an gewisse Bedingungen knüpfte. Außer der Vereinigung der Jonischen Inseln mit Griechenland wurde insbesondere gefordert, daß dem neuen Könige neben der Civilliste von 1 Mill. Drachmen noch eine Leibrente von 12000 Pfd. St. aus den an die Schutzmächte zu zahlenden Zinsen der griech. Staatsschuld gesichert würde. Am 30. Mai genehmigte die griech. Nationalversammlung diese Forderung, und ein Protokoll der drei Schutzmächte zzu London 5. Juni) regelte die Sache endgültig. Tags darauf, 6. Juni, nahm Prinz Wilhelm die angebotene Krone an und wurde 27. Juni von der Nationalversammlung für volliährig erklärt. Am 12. Sept. unterzeichnete G. eine Akte, wodurch er für sich und seine Descendenz seinem jüngern 806 Georg Wilhelm (Kurf. v. Brandenb. Bruder Waldemar, sowie allen weitern Brüdern, die etwa noch aus der Ehe seiner Eltern entsprießen möchten, und ihrer Nachkommenschaft den Vorrang in der dän. Thronfolge einräumte. Dann reiste er 17. Sept. von Kopenhagen ab, landete 30. Okt. im Piräus und hielt seinen feierlichen Einzug in Athen, wo er tags darauf vor der Nationalversammlung den Eid auf die Verfassung leistete und damit die Regierung übernahm. (S. Griechenland./ G. hat bei der Thronbesteigung sein (luth.) Religionsbekenntnis nicht gewechselt. Doch müssen verfassungsmäßig seine legitimen Erben und Nachfolger sich zur orthodoxen griech. Kirche bekennen. Die an seine Thronbesteigung sich knüpfende Vereinigung der Jonischen Inseln mit Griechenland, seine 27. Okt. 1867 erfolgende Vermählung mit der russ. Großfürstin Olga, Tochter des Großfürsten Konstantin, und die Erziehung seiner Kinder in der griech.⸗kath. Kirche verschafften seiner Dynastie einen günstigern Boden. Seine Haltung als konstitutioneller Regent verdient als eine korrekte bezeichnet zu werden. Den nationalen Wünschen gegenüber, welche auf eine Vereinigung von Thessalien, Epirus und Candia mit Griechenland hinzielten, verhielt er sich weniger zurückhaltend und abweisend als sein Vorgänger. Diese veränderte Politik zeigte sich schon bei dem Aufstande der Candioten 1868. In der orient. Krisis von 1876 suchte er mit den Großmächten, mit deren leitenden Persönlichkeiten er auf seinen Reisen mehrmals persönlich verhandelte, in gutem Einvernehmen zu bleiben. Im J. 1878 drängten das Ministerium und die Kammern ihn zu einem Einfall in Thessalien, doch mußte, infolge der ungünstigen militärisch-politischen Lage, schon nach wenigen Tagen der Befehl zum Rückmarsch der Truppen gegeben werden. Da die Beschlüsse des Berliner Kongresses 1878 und der Berliner Konferenz 1880 von der Pforte nicht beachtet wurden, machte er 1880 aufs neue eine Reise nach den Hauptstädten der Großmächte, um diese für die Interessen Griechenlands zu gewinnen. Endlich wurde durch die Konvention von 1881 der größere Teil von Thessalien und ein kleiner Teil von Epirus an Griechenland abgetreten. Kinder seiner Ehe mit der Großfürstin Olga sind: Kronprinz Konstantin, Herzog von Sparta, geb. 2. Aug. 1868; Prinz Georg, geb. 24. Juni 1869; Prinzessin Alexandra, geb. 30. Aug. 1870; Prinz Nikolaus, geb. 21. Jan. 1872; Prinzessin Marie, geb. 3. März 1876; Prinzessin Olga, geb. 6. April 1880.