Gerlach (Andr. Christian), namhafter Tierarzt, eb. 15. Mai 1811 zu Wedderstedt bei Quedlinburg, tudierte von 1830 — 33 an der Tierarzneischule zu Berlin Tierheilkunde, war dann als praktischer Tierarzt in Hettstedt und von 1845 ab als Kreistierarzt im Kreise Halberstadt thätig, wurde 1846 zum Repetitor an die Tierarzneischule in Berlin berufen, 1848 als Lehrer an derselben angestellt, 1859 aber zum Professor ernannt und als Direktor an die Tierarzneischule 16 Hannover berufen. Nachdem G. 1869 zum Medizinalrat und Mitglied des Medizinalkollegiums in Hannover befördert worden war, wurde er 1870 als Direktor an die Tierarzneischule zu Berlin mit dem Titel eines Geh. Medizinalrats donomirkeicgl 1873 zum Mitglied des Landes-Okonomiekollegiums und 1875 zum Mitglied der neu errichteten technischen Deputation für das Veterinärwesen ernannt. Er starb 29. Aug. 1877. G. hat Rersua viele wissenschaftliche Untersuchungen und Versuche große Verdienste um die Entwickelung der Tierheilkunde erworben. Von seinen größern Schriften sind zu nennen: Krätze und Räude (Berl. 1857), „Lehrbuch der allgemeinen Therapie der Haustieren (2. Aufl., Berl. 1868), „Handbuch der gerichtlichen Tierheilkunder (2. Aufl., Berl. 1872), „Die Trichinen» (Hannov. 1866), «Die Rinderpesto (Hannov. 1867), «Die Fleischkost des Menschen vom sanitären und marktpolizeilichen Standpunkter (Berl. 1875). Seit 1875 gab G. auch ein Archiv für wissenschaftliche und praktische Tierheilkunde v heraus. „Gerlach (Ernst Ludw. von), konservativer Publizist und Abgeordneter, geb. 7. März 1795 zu Berlin, wo sein Vater 1813 als Oberbürgermeister starb, nahm mit seinem ältern Bruder, Wilhelm von G. (geb. 1789, gest. 1834 als Oberlandesgerichtspräsident zu Frankfurt a. O.), 1813 — 15 an dem Befreiungskriege teil, widmete sich dem Justizdienste und wurde 1823 Oberlandesgerichtsrat in Naumburg. Um diese Zeit trat er in den sog. Klub der Wilhelmsstraße und war Mitarbeiter des von demselben inspirierten «Polit. Wochenblattsv, welches die Prinzipien der feudalen und konservativen Partei vertrat. Polit. Rechte gesteht G. als I der Krone gegenüber nur den Ständen (Adel, Bürger, Bauern) und den ständischen Korporationen zu. Die Verfassung und Verwaltung der Kirche will er vom Staate völlig etrennt sehen. In diesem Sinne schrieb er für die Heuattenbergiche „Kirchenzeitungo. Im J. 1829 zum Land⸗ und Stadtgerichtsdirektor in Halle, 1835 zum Vizepräsidenten des Oberlandesgerichts in Frankfurt a. O. befördert, wurde er 1842 Geh. Oberjustizrat und bald darauf Mitglied des Staatsrats und der Gesetzkommission. Er soll den 1842 den Ständen vorgelegten Entwurf zu einer neuen Chegesetzgebung ausgearbeitet haben. G. wurde 18⁴⁴ Chespräsident des Oberlandesgerichts zu Magdeburg. Nachdem er im Juli 1848 bei der Gründung der Reuen Preußischen (Kreuz⸗) Zeitungo sich beteiligt hatte, war er die eigentliche Seele derselben und verfaßte namentlich die anfangs monatlich, später vierteljährig in derselben erscheinende Rundschauvo. Im J. 1849 Mitglied der Ersten preuß. Kammer, 1850 des Erfurter Parlaments, später Mitglied des Abgeordnetenhauses, trat er, stets einer der ersten Vorkämpfer der Reaktion, 185⁸ beim Beginn der rnch. Wnd. von diesem Felde polit. Thätigkeit zurück. In der Rundschaus hingegen lieferte er fortgesetzt seinen Gesinnungsgenossen den Kanon ihrer Politik. G. wurde im Sept. 1865 Wirkl. Geh. Oberjustizrat und damit Rat erster Klasse. In den J. 1870 und 1873 wählte ihn der Wahlkreis Mühlheim nochmals in das Abgeordnetenhaus, wo er 10 als Hospitant zur Centrumspartei hielt und im Kirchenkonflikt zu den heftigsten Gegnern der Regierung zählte. Wegen einer gegen die preuß. Regierung gerichteten Flugschrift wurde G. im Aug. 1874 unter Anklage gestellt, zu einer Geldbuße verurteilt und nahm seine Entlassung aus dem Staatsdienste. Von einem Wagen überfahren, starb G. infolge der erlittenen Verletzung 18. Febr. 1877 zu Berlin.