Geschützgießerei (früher auch Stückgießerei genannt) ist eine Anstalt zu Herstellung von Geschützrohren im Wege des Gusses und zu deren weiterer Bearbeitung. Gewöhnlich sind mit den G. auch Einrichtungen zur Herstellung von Artilleriegeschossen, sog. Geschoßfabriken, verbunden. Geschieht die Herstellung der Geschützrohre vorwiegend durch Ausschmieden, wie bei Verwendung von Stahl und von Schmiedeeisen, so spricht man von Geschützfabriken oder Geschützwerkstätten, wogegen in den eigentlichen G. nur Bronze und Gußeisen, als im großen schmelzbare und gießbare Stoffe, in Betracht kommen können. Bei der verhältnismäßigen Leichtigkeit, mit welcher solche Geschützrohre herzustellen sind, sind die eigentlichen G. in der Regel Staatsinstitute, welche zum Ressort der technischen Artillerie gehören, während die mit großen Schwierigkeiten verbundene Herstellung der Stahlgeschützrohre bis jetzt durchgängig der Privatindustrie überlassen geblieben ist, welche die kostspieligen Einrichtungen einer solchen Fabrikation ergiebiger auszunutzen vermag. Eine G. zerfällt der Hauptsache nach in die Gießerei und in die Bohrwerkstatt. In der erstern findet die Herstellung der Formen, soweit dieselben noch Lehmformen und nicht eiserne Schalen (s. Geschützbronze) sind, das Schmelzen der Rohstoffe im Cupolofen und der Guß der rohen Rohrkörper, ebenso wie das Formen und Gießen der Geschosse statt. In der Bohrwerkstatt geschieht die äußere und innere Bearbeitung der Rohre; zu letzterer ist in neuerer Zeit noch das Verdichten der Seele mittels Stahlkolben bei hartbronzenen Rohren getreten. Die fertigen Rohre werden einer Untersuchung und Schießprobe unterworfen. Das Deutsche Reich besitzt eine königl. preuß. Geschützgießerei und Geschoßfabrik in Spandau und eine königl. preuß. Geschoßfabrik in Siegburg, sowie eine königl. bayr. Geschützgießerei in Augsburg und königl. bayr. Geschoßfabrik in Ingolstadt. Von Privatunternehmungen, welche sich mit Herstellung von Stahlgeschützrohren beschäftigen, ist besonders das Etablissement von Fr. Krupp (s. d.) in Essen hervorzuheben. In Esterreich-Ungarn liegt der Artilleriezeugfabrik des Arsenals in Wien die Fabrikation der Geschützrohre ob, soweit dieselben nicht von der Privatindustrie bezogen werden. Rußland hat eine großartige Geschützfabrik in Petersburg. Frankreich hat eine G. für die Landartillerie in Bourges, für die Marine eine G. in Nevers⸗-Ruelle. Großbritannien fertigt seine Geschützrohre im königl. Arsenal zu Woolwich an. Ein hervorragendes Privatetablissement ist hier dasjenige von Sir W. Armstrong (s. d.) in Elswick. Italien hat G. in Genua, Neapel und Turin, Spanien in Sevilla und Trubia. In den ältern Zeiten des Geschützwesens wurde der Geschützguß durch die Büchsenmeister besorgt, welche von Fürsten und Städten in Dienst genommen wurden. Eine der ältesten G. war die des Deutschen Ordens in Marienburg. Augsburg und Nürnberg sind besonders durch den Geschützguß berühmt. Kaiser Karl V. legte eine größere Zahl von G. in Spanien, Italien und den Niederlanden an. Vielfach blieb der Geschützguß bis zur neuern Zeit in Privathänden; so wurde z. B. in Preußen erst um 1857 eine königliche G. angelegt.