FeedGewehrfabrik
TechnikBrockhaus 1882

Gewehrfabrik (frz. manufacture d'armes) ist eine Anstalt zur Herstellung der Handfeuerwaffen und gewöhnlich auch der Gegenstände ihrer Munition (namentlich der Patronenhülsen und Geschosse); häufig wird in den G. zugleich die Anfertigung der blanken Waffen betrieben. Die G. sind entweder Staatsinstitute oder Privatetablissements. In den größern Staaten wird der Bedarf an Kriegsgewehren vorherrschend durch staatliche G. gedeckt, die Privatindustrie hauptsächlich nur bei umfangreichen und beschleunigten Neube⸗⸗ schaffungen zu Hilfe genommen. Die privaten G. beschäftigen sich im übrigen mit Anfertigung von Jagd⸗ und andern Luxuswaffen. Die G. beziehen den Stahl zu Läufen, Schloßteilen u. s. w. aus Stahlfabriken und stellen durch Schmieden unter Dampf⸗ oder Fallhämmern die Formen der Teile im ehör dar, wonach dann die Ausarbeitung auf die gehörigen Formen und Dimensionen mittels eines ausgedehnten Maschinenbetriebes erfolgt. Die Schäfte werden mittels Holzbearbeitungsmaschinen hergestellt. Es erfolgt dann die Zusammenstellun der Gewehre, ihre Untersuchung und Prüfung dur Anschießen. Die staatlichen G. stehen unter militärischer Direktion, im Betriebe kommen in der Regel bürgerliche Techniker, sowie bürgerliche Arbeiter zur Verwendung, während das Revisionsgeschäft durch Kommissionen von Offizieren geleitet wird. Im Deutschen Reiche besteht für Preußen und die übrigen Staaten ohne Bayern eine Inspektion der G. als oberste technische Behörde unter einem Generalmajor; königliche G., mit Munitionsfabriken verbunden, sind in Spandau, Danzig und Erfurt. Bayern hat eine G. in Amberg. Von privaten G., welche auch zu Erzeugung von Kriegs-Drepej eingerichtet sind, verdienen Erwähnung: eyse (s. d.) in Sömmerda, wo seinerzeit ein Teil der Zündnadelgewehre, sowie der Gewehre M/7T hergestellt wurde, Haehnel, V. Chr. Schilling u. Sauer in Suhl, Gebr. Mauser in Oberndorf in Württemberg; die Kramer-Klettsche Maschinenfabrik in Nürnberg fertigte seinerzeit einen ansehnlichen Teil der Werder-Gewehre für Bayern. Bei der in einem Zeitraume weniger Jahre zu bewerkstelligenden Ausrüstung der deutschen Armee mit dem Gewehr M/71 wurden außer den Staatsfabriken und der inländischen Privatindustrie auch die G. von Werndl in Steier (Oberösterreich) und die G. von Birmingham (England) mit namhaften Bestellungen bedacht. Osterreich-Ungarn hat eine ärarische G. im Arsenal zu Wien, iowie eine G. in Pest, die beide unter der Leitung von Werndl stehen. Die G. von J. Werndl zu Steier arbeitet sowohl für das k. k. Arar als fur zahlreiche Besteller im Auslande. Frankreich hat staatliche G. in Chatellerault, St.⸗Etienne und Tulle, Rußland in Sseßtroriask, Tula und Jjewßki, Italien in Brescia, Terni, Torre-Annunziata und Turin, Großbritannien in Enfield, Spanien in Oviedo, Nordamerika in Springfield. Großbritannien hat eine blühende Gewehrindustrie in Birmingham, Belgien in Lüttich. Für die Schweiz arbeitet die G. der Schweizerischen Industriegesellschaft in Neuhausen G. sind schon sehr alten Datums. Gu Frankreich entstand eine solche schon 1469, Gustav Adolf legie solche 1618 in Schweden an, 1626 diejenige zu Norrtelje, Rußland 1646 zu Tula, Preußen 1722 in Potsdam und Spandau. In Italien hat Brescia einen sehr alten Ruf in der Gewehr⸗ und Waffenfabrikation. Gewehrmantel, zeltartiger überzug, wie man ihn früher über die zu Pyramiden zusammengesetzten Gewehre im Lager deckte, um sie gegen Regen und gegen Staub zu schützen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 941Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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