Gesteinsarten, s. Gebirgsarten. Gesteinsbildung. Um die verschiedenen Modalitäten, unter welchen die die Fele Erdkruste zusammensetzenden Gesteine oder Felsarten entstanden sind, zu ermitteln, ist es am zweckmäßigsten, zunächst diejenigen Wege festzustellen, auf denen vor unsern Augen Gesteine gebildet werden. Weitaus der größte Teil der G. heutiger Tage erfolgt in der Weise, daß Wasser dabei im Spiele ist, indem das Gesteinsmaterial meistens als ein Bodensatz aus dem Wasser ab zelagert wird. Ein anderer Teil der Gesteine hingegen dringt (in einem feurig erweichten Zustande) als Lava aus den Tiefen der Erde an die Oberfläche, wo sie alsdann abgelagert werden und erstarren. Danach unterscheidet man im allgemeinen sedimentäre Gesteine, solche, welche sich als Sediment, als Bodensatz aus Gewässern darstellen, und Eruptivgesteine, deren Material auf dem Wege einer Eruption beschafft worden ist. Die Bildung der Sedimentgesteine geht auf verschiedene Weise vor sich: einesteils dadurch, daß aus dem Wasser Sand, Schlamm, Gerölle u. s. w., welche darin suspendiert waren, zu Boden sinken, oder daß gröbere Gesteinsfragmente mit Hilfe desselben irgendwo deponiert werden; so Hongkon z. B. Sandsteine, Lehmablagerungen, Konglomeratschichten. Es sind dies also mechan. Ablagerungen aus dem Wasser, und diese werden auch als eigentliche Sedimentärbildungen bezeichnet. Andernteils werden G. derart vermittelt, daß sich durch irgend einen Prozeß, sei es Verdunstung, sei es Entweichen eines lösenden Gases, Stoffe aus dem Wasser abscheiden, welche sich darin gelöst befanden; auf diese Weise geht der heutige Absatz von Kalktuff, von Kieselsinter, von Salzschichten, von Raseneisenstein u. s. w. vor sich. Diese Bildungen erweisen sich demnach als chem. Sedimente. Außerdem bilden sich noch unter dem Einfluß des Wassers Ablagerungen vermittelst organi11 Vorgänge, welche man ebenfalls zu den Seimentärbildungen im weitesten Sinne des Begriffs rechnet. Man unterscheidet dabei: zoogene Ablagerungen, solche, welche durch die Lebensthätigkeit der Tiere vermittelt werden, wie z. B. Muschelbänke und Korallenriffe; die eigentliche Anhäufung der Organismenteile ist in sehr vielen Fällen ein Vorgang, welcher den mechan. Sedimentbildungen sehr nahe steht. Daneben bezeichnet man als phytogene Ablagerungen diejenigen, welche aus pflanzlichen Wesen hervorgegangen sind, z. B. Torf, sog. Infusorienschichten, Kieselguhr. Oft erweisen auch diese sich als eigentliche Sedimente, indem die Pflanzenkörper durch das Wasser zusammengeschwemmt werden. Für einige mechan. Gesteinszusammenhäufungen ist übrigens nicht das Wasser, sondern die Luft das Medium des Absatzes, z. B. für die Schichten von ausgeworfenem vulkanischen Sand und Asche rings um die Vulkane; auch die Schnee- und Eisablagerungen bilden sich durch Niederschlag aus der Atmosphäre. Die Sedimentärgesteine pflegt man auch neptunische oder hydatogene, die Eruptivgesteine vulkanische zu nennen. Die glutflüssige Schmelzmasse unserer heutigen Eruptivgesteine ist indessen keineswegs mit derjenigen etwa der künstlichen Hohofenschlacken zu vergleichen. Abgesehen davon, daß sie bei ihrem Hervorquellen vielfach schon eine anze Menge erstarrter Krystalle oder fester krystalch du Partikel in sich ausgebildet enthält, ist sie auch in beträchtlichem Maße mit überhitztem Wasser oder Wasserdampf beladen, welcher während der Japammften ausgeschieden wird, sodaß die erkaltete avamasse sich als völlig wasserfrei erweist. Die Beobachtung lehrt, daß da, wo die Erstarrung sehr rasch erfolgt, z. B. an der Oberfläche der Ströme, an den Wänden von Spalten, auf denen die Lava empordringt, sich aus der Schmelzmasse eine reichliche Menge von Glas bildet, während bei langsamerer Erkaltung, in der Mitte mächtiger Ströme und Gänge, die Lava einen steinigen Charakter annimmt, indem sie zu einem Aggregat von individualisierten Mineralpartikeln erstarrt. Wenn nun mit größter Wahrscheinlichkeit angenommen werden darf, daß in frühern geolog. Perioden die gleichen Prozesse der G. vor sich gegangen sind, so gibt es in der That eine große An⸗ — von ältern Gesteinen, welche in allen ihren eziehungen, ihrer Substanz, ihren Lagerungsverhältnissen so vollkommen denjenigen analog sind, deren Bildung heutzutage verfolgt werden kann, daß die Entstehung derselben nicht zweifelhaft ist. So ist offenbar den Sandsteinen der verschiedenen geolog. Formationen derselbe sedimentäre Ursprung zuzuschreiben, welcher die in der Jetztzeit sich bildenden Sandsteine besitzen, für die Rhyolithe, Basalte, Trachyte, Porphyre, Melaphyre u.s. w. kann die eruptive Natur nicht füglich in Frage gestellt werden. (S. Eruptivgesteine.) Doch muß aus vielen Wahrnehmungen geschlossen werden, daß die Masse dersenigen Eruptivgesteine, welche in den frühern geolog. Zeitepochen an die damalige Erdoberfläche emporgebrochen sind, in einem noch höhern Maße durchwässert, oder mit Wasserdampf imprägniert war, als dies bei den modernen Laven der Fall ist. Derartige Eruptivgesteine, bei deren Entstehung neben dem Schmelzfluß das Wasser im überhißten Zustande eine Rolle gespielt hat, werden als hydatopyrogene bezeichnet. Ist auch so die Genesis zahlreicher älterer Gesteine in befriedigender Weise klargestellt, so mangelt es bezüglich anderer immerhin noch an entscheidenden Beweisen, wie man sich ihre Bildung vorzustellen habe; mit Naumann pflegt man diese letztern kryptogene zu nennen. Ein anderer sehr tief eingreifender Unterschied, welcher sich bei der Frage nach der Entstehungsweise der Gesteine geltend macht, ist derjenige, welcher sie in die ursprünglichen und umgewandelten Gesteine trennt. Die erstern finden sich noch in demjenigen petrographischen Zustande, in welchen sie bei ihrer anfänglichen Ablagerung ausgebildet waren, die letztern hahen im Laufe der Zeit, sei es durch eine bloße innerliche Umkrystallisierung, sei es durch eine gleichzeitig erfolgte chem. Umwandlung ihre Masen dar ab Natur verändert, und stellen jetzt Massen dar, abweichend von denjenigen, aus welchen sie hervorgegangen sind. Man nennt diese die metamorph 5 chen Gesteine, pflegt indessen von dem Metamorphismus nicht schon da zu sprechen, wo ein Gestein von normal verlaufenden Zersetzungs⸗ und Verwitterungsvorgängen betroffen wurde, sondern nur dann, wenn wirkliche Umtrystallisierungen erfolgt sind, wenn bei der Umwandlung dasselbe einen vollständig andern und zwar petrographisch wohlcharakterisierten Typus erlangt hat, gewöhnlicher Kalkstein z. B. zu körnigem Marmor, gewöhnlicher Thonschiefer zu krystallinischem Phyllit oder Glimmerschiefer geworden ist. In den meisten krystallinischen Schiefern der archäischen Formation scheinen Produkte des Metamorphismus vorzuliegen. Bei einem Gestein, für welches Gründe bestehen, es für ein metamorphisches zu halten, sind namentlich zwei Fragen zu beantworten, erstens, welche Beschaffenheit demselben vor seiner Metamorphose eigen war, zweitens, auf welche Weise diese Umwandlung vor sich gegängen ist. Doch bewegen sich für viele Gesteine diese Fragen deshalb noch auf unsicherm Gebiet, weil man überhaupt nicht mit Bestimmtheit weiß, ob dieselben in ihrer jetzigen Beschaffenheit das Produkt des Metamorphismus oder ursprüngliche Bildungen sind. Die natürlichen Gesteinsbildungsprozesse künstlich nachzuahmen, hat von jeher als eine wichtige und dankenswerte Aufgabe gegolten. Da der Vorgang der mechan. und chem. Sedimentierung ein relativ sehr einfacher und verständlicher ist, so sind die dadurch entstandenen Ablagerungen nicht in dem Maße Gegenstand einer experimentellen Nachbildung gewesen, wie die metamorphischen und eruptiven Gesteine. Schon 1805 ließ James Hall in einem verschlossenen Gefäß unter hohem Atmosphärendruck Kreide und Kalkstein schmelzen und dann zu zuckerkörnigem Marmor erstarren. Von den spätern Versuchen auf dem Gebiete des Metamorphismus sind namentlich die von Daubrée hervorzuheben, dem es gelang, unter dem Einfluß überhitzten Wassers Produkte zu erzeugen, welche für die Auffassung der Bildung der krystallinischen Schiefer von großem Belang sind (Etudes et expériences synthétiques sur le métamorphisme et sur la formation des roches cristallineso, Par. 1860). Die künstliche Nachbildung krystallinischer Eruptivgesteine, mit welcher sich schon 1792 Spallanzani beschäftigte, d Cr lange an der Schwierigkeit zu scheitern, die Erstarrung der Schmelzmassen in dem Glaszustande zu vermeiden. In den letzten Jahren haben aber e Vouane fast als unfruchtbar geltenden Gebiete Fouqué und Michel-Levy äußerst wichtige Resultate erzielt: sie schmolzen künstliche Gemenge der chem. Bestandteile verschiedener Mineralien in einem Platintiegel im Schlösingschen Ofen zusammen, brachten, sobald die Masse im homogenen Schmelzfluß war, den Tiegel über eine Glasbläserlampe und setzten ihn 48 Stunden lang einer dem Schmelzfluß möglichst nahekommenden Temperatur aus, worauf dann ohne weitere Vorsichtsmaßregeln Erkaltung eintrat. Es glückte ihnen so, eine Menge der gerade für die eruptiven Felsarten wichtigsten Mineralien zu erzeugen, denschiedene Feldspate, Augit, Leucit, Nephelin, Granat mit allen Details der mikroskopischen Struktur und der etwaigen charakteristischen Zwillingsbildungen. Ja, es gelang ihnen darauf auch, unter Bedingungen, deren Vorhandensein in der Natur keineswegs bestritten werden kann, sogar ganze typische Gesteinsmassen als Erstarrungsprodukte künstlicher Schmelzmagmen zu erhalten, Augitandesit, Leucittephrit, leibhaftigen Basalt, dieselben mikroskopischen Gemengteile und dasselbe Gefüge aufweisend, wie jene Felsarten, die aus der natürlichen Erdtiefe herstammen (4Synthese des minéraux et des rocheso, Par. 1882). Ein quarzhaltiges Eruptivgestein, wie z. B. Granit, künstlich darzustellen ist indessen bis jetzt noch nicht möglich gewesen.