Gesteine, Felsarten oder Gebirgsarten nennt man die Aggregate von Mineralien, welche zu dem Aufbau der festen Erdkruste in wesentlicher und hervorragender Weise beitragen. Ein G. unterscheidet sich daher von einem Mineral dadurch, daß es aus einer Verbindung vieler individueller Teile eines Minerals oder mehrerer Mineralien besteht. Ein Kalkspatkrystall oder ein Quarzkrystall ist ein Mineral; wenn aber viele Kalkspat⸗ oder Quarzkrystalle oder auch unregelmäßig begrenzte Partikel von Kalkspat oder Quarz zu einer großen Masse verbunden sind, die als solche sich wesentlich an der Zusammensetzung der Erdrinde beteiligt, so ist das ein G. (Kalkstein oder m Minert und zwar ein einfaches, nur aus einem Mineral zusammengesetztes G. Glimmer und Feldspat sind ebenfalls Mineralien. Wenn aber viele Individuen von Feldspat mit solchen von Glimmer und Quarz zu einem körnigen Aggregat verbunden sind, so ist das dann ein G., und zwar ein gemengtes, welches als solches Granit genannt wird. Gemengteile heißen die Mineralarten, aus welchen ein G. zusammengesetzt ist, und zwar sind wesentliche Gemengteile diejenigen, welche den Begriff eines bestimmten G. feststellen, indem sie zu seiner Konstituierung erforderlich sind, wie z. B. fleischroter oder weißer Feldspat und grünlichschwarze Hornblende für den Syenit; als accessorische Gemengteile gelten dagegen solche, welche nur zufällig oder unwesentlich vorkommen, deren Gegenwart oder Abwesenheit auf den eigentlichen Gesteinsbegriff keinen Einfluß hat, z. B. Turmalin im Granit, Epidot im Syenit, Granat im Glimmerschiefer. Da die G. sämtlich aus Anhäufungen von individuellen Teilen bestehen und nie selbst Individuen bilden, so fällt auch für sie die scharfe Unterscheidung von Arten weg, die bei den Mineralien, Pflanzen und Tieren möglich ist. Dennoch hat man natürlich die ungleichen, in der Natur ziemlich konstant auftretenden Mineralverbindungen zu G. auch verschieden benannt und unterscheidet z. B. als besondere G. oder Felsarten Granit, Gneis Glimmerschiefer, Diabas, Diorit, Melaphyr, Porphyr, Basalt, Trachyt, Phonolith, Kalkstein u. s. w. Diejenigen G., welche aus dem auf irgendeine Weise wieder verbundenen gröbern oder feinern Schutt von zertrümmerten, früher schon 4.8. gewesenen Gebirgsarten bestehen, wie z. B. die Konglomerate, Breccien, Sandsteine, nennt man klastische oder regenerierte, im Gegensatz zu den krystallinischen (3. B. Granit), deren einzelne Gemengteilsindividuen in ihrer Verbindung erst an Ort und Stelle entstanden sind und keine Bruchstücke darstellen. Sind die einzelnen Gemengteile durch das bloße Auge deutlich als solche zu erkennen, so Lint das G. phaneromer; gelingt dies nicht, so liegt ein kryptomeres G. vor. Nach der wahrscheinlichen Art ihrer Entstehung unterscheidet man ferner plutonische, vulkanische, metamorphische, neptunische, organogene Gesteine u. s. w., namentlich auch die beiden großen Klassen der eruptiven, oder Durchbruchsgesteine und der sedimentären, der aus dem Wasser abgesetzten. Neben der mineralog. Zusammensetzung ist die Struktur oder das Gefüge der G. von großer Bedeutung und namentlich auch vielfach für die Nomenklatur maßgebend. Man versteht darunter die durch die Größe, Form, Lage und an Mineral-Verbindungsweise der zusammensetzenden Mineralteile hervorgebrachte Beschaffenheit der G. Beispiele von Struktureigentümlichkeiten dieser Art sind die dichte, richtungslose, schieferige, flaserige, sluidale, porphyrische, porphyrartige, oolithische, phärolithische, blasige und schlackige, amygdaloidische Struktur. In Bezug auf die Ablagerungsform der G., in welcher sie miteinander verbunden die Erdrinde zusammensetzen, zerfallen dieselben in aufgelagerte, wenn ein Gebirgsglied unmittelbar über einem andern seine Stelle einnimmt, und in durchgreifende, wenn es zwischen einem oder zwei vorhandenen abgelagert erscheint. Zu den aufgelagerten Formen gehören die sedimentären Schichten, die eruptiven Decken und die Ströme, zu den durchgreifend gelagerten die Gänge, Kuppen und Stöcke. Weitere Unterscheidungen werden nach Maßgabe des geolog. Alters gemacht, und zwar sowohl bei den sedimentären Schichtgesteinen, bei welchen es sich um die unmittelbare Zugehörigkeit zu dieser oder jener Formation handelt, als bei den eruptiven Massengesteinen, für welche der relativechronolog. eitpunkt ihres Durchbruchs konstatiert werden muß. Im allgemeinen pflegt man nach altem Brauch die G. einzuteilen in: I. Krystallinische (nicht klastische), 1), einfache (wie Steinsalz, Kalkstein, Gips, Quarzit, die Kohlen u. s. w); 2) gemengte, und zwar: a) körnige und porphyrische (wie Granit, Syenit, Diorit, Gabbro, Trachyt, Basalt); b) schieferige (wie Gneis, Glimmerschiefer, Phyllit). II. Klastische (wie Konglomerate und Breccien, * Sandsteine, Thone u. s. w.). Derjenige öschnitt der Geologie, welcher sich mit der Beschaffenheit der G. beschäftigt, heißt Petrographie oder Lithologie oder Gesteinskunde. Die eigentlich petrographischen Untersuchungen erstrecken sich in erster Linie auf die Ermittelung der mineralischen Zusammensetzung und Struktur, sowie der chem. Konstitution. Die neuere Zeit hat diese Untersuchungsmethoden wesentlich gefördert, erweitert und vervollständigt, auch korrekter zu machen gewußt. Die mineralog. Untersuchung ist einerseits eine makroskopische, andererseits eine mikroskopische. Die phaneromeren G., auf welche die erstere sich allein beziehen kann, besitzen zwar ihre krystallinischen Elemente fast niemals um und um ausgebildet, meistens haben diese gegenseitig die Entwickelung ihrer Krystallformen gehemmt, sind von unregelmäßigen Zusammensetzungsflächen begrenzt und eng durcheinandergewachsen, sodaß eigentliche krystallographische Verhältnisse nur höchst selten zu ihrer Erkennung den Weg weisen können; die Spaltungsverhältnisse, Zwillingsverwachsungen, namentlich aber die physik. Beschaffenheit, Härte, spezifisches Gewicht, Farbe, Pellucidität, Glanz, ferner das Lötrohrverhalten, sowie die chem. Eigenschaften sind es, welche sich hier zur Ermittelung der mineralischen Natur der Gemengteile darbieten, die man in vielen Fällen zur speziellen makromineralogischen Prüfung aus dem G. zu isolieren vermag. Um die bei einem G. von phanomerem Habitus gleichwohl oft vorhandenen mikroskopisch kleinen Gemengteile als solche mineralogisch nachzuweisen und zu erkennen, ist natürlich die mikroskopische Untersuchung notwendig. Diese letztere, welche seit dem Ende der sechziger Jahre einen großen Aufschwung gewonnen hat, unternimmt es aber insbesondere, die mineralog. Zusammensetzung und Struktur der kryptomeren, dem bloßen Auge dicht und homogen erscheinenden G. zu untersuchen. Sie bedient sich dazu der sog. Dünnschliffe, Gesteinsplättchen, welche zu so geringer Dicke verarbeitet worden sind, daß deren Studium im durchfallenden Licht bei zweckmäßiger Vergrößerung vorgenommen werden kann. Das Mikroskop zeigt die Umrisse der Mineraldurchschnitte, welche in ihrer Verbindung Schlüsse auf die Krystallform gestatten, ferner die in gleicher Richtung zu verwertende Spaltbarkeit, sodann eine etwaige weitere charakteristische Beschaffenheit der Mineralien, ihre Struktur, die Gegenwart gewisser bezeichnender fester oder flüssiger mikroskopischer Einlagerungen. Nimmt man die mikroskopische Untersuchung im polarisierten Licht vor, so gelangen die optischen Eigentümlichkeiten der einzelnen Gemengteile zur Wahrnehmung, es kann deren einfache oder doppelte Brechung, die Lage der optischen Elasticitätsachsen zu den Durchschnittsumrissen, die Zwillingsbildung, der Pleochroismus u. s. w. ermittelt, und auf diesem Wege eine Menge der wichtigsten Anhaltspunkte für die Erkennung der zusammensetzenden Mineralien, auch der Mikrostruktur gewonnen werden. Auch die chem. Untersuchung der G. ist eine makrochemische und eine mikrochemische. Die erstere ist die gewöhnliche quantitative chem. Analyse des G., welche unternommen wird, sowohl um überhaupt die chem. Bauschzusammensetzung desselben kennen zu lernen, als auch um auf Grund dieser allerhand Schlüsse bezüglich der mineralischen Natur der Gemengteile zu ziehen, sodann bisweilen auch, um im Vergleich mit andern für ein Gesteinsvorkommnis die etwaige chem. Veränderung, welche es im Laufe der Zeit erlitten hat, die vorgekommene Zufuhr und Abfuhr von Stoffen zu konstatieren. Der Unterschied zwischen den makrochemischen und mikrochemischen Vornahmen beruht bloß darin, daß es bei den letztern, selbstverständlich in ihrer Ausdehnung beschränktern, das bewaffnete Auge ist, welches die zu prüfenden Objekte und die daran erfolgenden Veränderungen erkennt. Die Probierröhrchen, Bechergläser, Kolben, Abdampfschalen werden hier durch den gläsernen Objektträger, ein kleines Uhrglas oder einen kleinen Glastrog ersetzt, und die Reagentien mit einer feinen Pincette aufgetragen. Löslichkeitsverhältnisse, Entwickelung von Gasen, Bildung von Kieselsäuregallert lassen sich so an den Teilen des Dünnschliffs oder des Gesteinspulvers beobachten, auch kann die Entstehung von mikrofkopischen krystallisierten Produkten der Reaktion wahrgenommen und zur Erkennung der Natur des Minerals, an welchem dieselbe erfolgt, verwertet werden, wie z. B. die Bildung von Kochsalzwürfelchen bei Behandlung eines zersetzbaren natronhaltigen Silicats mit Chlorwasserstoffsäure, die Bildung charakteristischer Kryställchen von Kieselfluorcalcium, Kieselfluormagnesium, wenn Kalk oder magnesiahaltige Mineralien durch Kieselfluorwasserstoffsäure angegriffen werden (Borickysche Methode). Von erheblichem Nutzen sind noch die Trennungsmethoden, durch welche es gelingt, eine „oder mehrere Mineralarten eines gemengten G. von den andern zu separieren, sei es, um die mineralog. Natur desto leichter und sicherer direkt feststellen zu können, sei es, um diese isolierten Gemengteile für sich einer chem. Analyse zu unterwerfen. Diese Trennung selbst wird hauptsächlich entweder aufschemischem oder auf mechanischem )Wege vorgenommen. Im erstern Falle unterwirft man das feingepulverte G. der Einwirkung geeigneter Säuren, welche gewisse Gemengteile auflösen oder zersetzen, andere unangegriffen zurücklassen; so wird man bei einem aus Augit, Nephelin, Olivin, Magnetit zusammengesetzten G. nach Behandlung mit heißer Salzsäure und Wegätzung der gebildeten Zersetzungsprodukte bloß den Augit, rein für sich separiert, übrigbehalten. Oder man schreitet nacheinander zur Anwendung immer stärkerer Säuren, wovon die eine diesen, die andere jenen Gemengteil wegschafft, und hat dann in der Fluorwasserstoffsäure ein Mittel, durch welches die meisten gesteinsbildenden Mineralien, aiht der Ananz mer, Hornblende, Augite u. s. w., selbst der Quarz aus dem Gesteinspulver zum Verschwinden gebracht, und gewisse, gerade durch ihre Natur oder Verbreitung sehr bemerkenswerte Gemengteile, wie Turmalin, Rutil, Zirkon, Anatas, Staurolith, übriggelassen werden. Diese Rückstände werden dann natürlich der mikroskopischen Untersuchung unterworfen. Bei der mechan. Trennung bedient man sich einer chemisch wirkungslosen Flüssigkeit von außergewöhnlich hohem spezifischen Gewicht, um die Gemengteile nach ihrer verschiedenen Schwere gesondert sich darin absetzen zu lassen, der sog. Thouletschen Solution (einer wässerigen Lösung von Quecksilberiodid in Jodkalium, mit einem spezifischen Gewicht um 3), oder der sog. Kleinschen Lösung (das Bariumsalz oder Cadmiumsalz der Borowolframsäure mit einem spezifischen Gewicht über 3); durch Zusatz von Wasser kann eine solche Lösung leichter gemacht und so auch das spezifische Gewicht der in der konzentrierten nicht untersinkenden Gemengteile für sich bestimmt werden. Außerdem wird auch durch die Einwirkung eines kräftigen Elektromagneten eine Trennung der eisenhaltigen von den eisenfreien Gemengteilen (3. B. des Augits und Magnetits von den Feldspaten) in dem Gesteinspulver erzielt. Alle diese Separationsprodukte, welche bei sorgfältigem Verfahren in großer Reinheit gewonnen werden, sind dann Gegenstand weiterer chem. Trennungen oder quantitativer chem. Analysen oder mikroskopischer Untersuchungen. Litteratur. B. von Cotta, Die Gesteinslehrey (2. Aufl., Freiberg 1862); Zirkel, «Lehrbuch der Petrographier (2 Bde., Bonn 1866); von Lasaulx, Elemente der Petrographies (Bonn 1875); O. Lang, «Grundriß der Gesteinskunder (Lpz. 1877); Blaas, «Katechismus der Petrographien (pz. 1882): Zirkel, «Die mikroskopische Beschaffenheit der Mineralien und G.» (Lpz. 1873); Rosenbusch, KᷣMikrofkopische Physiographie der petrographisch wichtigsten Mineralieno (Stuttg. 1873); derselbe, Mikroskopische Physiographie der massigen G. (Stuttg. 1877); Rutley, The study of rockso (Lond. 1879).