FeedGetroz oder Giétroz
ErdkundeBrockhaus 1882

Getroz oder Giétroz, eine Alp im Bezirk Entremont des schweiz. Kantons Wallis, liegt 2160 müber dem Meere auf der rechten Seite des obern Bagnethals (s. d.) am Westabhang des Mont-Rouge (3427 m), der mit der Ruinette (3879 m) und dem Montblane de Seilon (3871 m) das Firnbecken des Getrozgletschers umschließt. Die Zunge dieses Gletschers bricht nördlich von der Alp mit einer zerklüfteten Eismauer über einem steilen Felshange ab und sendet beim Vorrücken ihre Eistrümmer in die enge Thalspalte der Dranse hinab, die von denselben hier und da völlig gesperrt wird, sodaß sich der Fluß zum See aufstaut. Wird die Wassermasse zu groß, so durchbricht sie den Eiswall und ergießt sich mit einem mal als verheerendes Hochwasser das langgestreckte Bagnethal hinunter bis gegen Martigny. Die größten dieser Hochwasser waren dasjenige von 1595, das 60—80 Menschen das Leben kostete, und das von 1818, welches 44 Menschen und über 500 Gebäude in den Wellen begrub. Seit dieser letztern Katastrophe hat man versucht, durch Schutzbauten und Ablenkung des Flusses die Wiederholung solcher Stauungen zu verhindern, indes ist die Gefahr immer noch nicht vollständig beseitigt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 934Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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