FeedBagne oder Bagnes (Val de)
ErdkundeBrockhaus 1882

Bagne oder Bagnes (Val de), Thal im Bezirk Entremont des +π1 Kantons Wallis, bewässert von der Dranse, erstreckt sich vom Col de al ist reich an den großartigsten Alpenscenerien; im obersten Teile ein wildes, baumloses Hochthal, eingeschlossen von hohen Felswänden und vergletscherten Gipfeln, weist es im mittlern Teile, unterhalb der Vrücl von Mauvoisin, neben den Alpweiden auch Nadelwälder auf, die unterhalb Lourtier, des obersten Winterdorfs, allmählich Laub⸗ und Obstbäumen und Getreidefeldern latz machen. Die Dranse entspringt im Hintergrunde des Thals, wo sich vom Grand-Combin, 4317 m, Mont-Gelé, Pigno d'Arolla, 3801 m, u. s. w. zahlreiche mächtige Gletscher, wie die Gletscher des Mont-Durand, von Otemma und von Breney fast bis in die Thalsohle hinabsenken. Sie durchfließt das Thal in nordnordwestl. Richtung, oft tief in Schluchten eingegraben, Stromschnellen und Wasserfälle bildend, in wildem stürmischen Laufe, empfängt die Abflüsse der großen Gletscher von Getroz und Corbassiere, wendet sich bei dem Hauptorte des Thals, Chable, sonst auch Bagne genannt, nach W. und nimmt bei Sembrancher die vom Großen St. Bernhard kommende Dranse d'Entremont auf; nach einer nördl. Wendung mündet sie 2 km unterhalb „Wiunde o in den Rhöne. Durch ihre Hochwasser wurde das Thal oft verwüstet, namentlich 1595, 1795 und 1818, wo der Getrozgletscher die Dranse zu einem See aufgestaut hatte, der, den Eisdamm mit einem male durchbrechend, sich plötzlich entleerte, das ganze Thal bis Martigny verwüstete und 34 Menschen und über 500 Gebäude in den Wellen begrub. Das Bagnethal zählt in Lamtier. Dörfern (Chable, Versegere, Chamms ec, Lourtier u. s. w.), die zusammen die Gemeinde Bagnes bilden, (1880) 4246 kath. E., meist mit Alpwirtschaft und Ackerbau beschäftigt. Von Martigny führt eine 91= Fahrstraße über Sembrancher thalaufwärts is Champsec. Von der Alp Chermontane im Hintergrunde des Thals führt ein hen M. Paß über den Col de Feneétre, 2768 m, zwischen Mont-Avril, 3341 m, und Mont-Gelé, 3517 m, nach Valpelline und Aosta. Bagneres-de-Bigorre oder Bagneresd'Adour, Hauptstadt eines Arrondissements im Depart. Hochpyrenäen am linken Ufer des Adour, am Eingange des romantischen Campanerthals, 567 m hoch am Fuße des Montalivet und an der Südbahn gelegen, mit (1876) 7598 (Gemeinde 9508) E., ist 105 und zierlich gebaut und besitzt außer den großen Badeeinrichtungen ein Civil⸗ und ein Handelsgericht, ein ule für eine Kaufhalle, ein Collége, eine Normalschule für ebst Bibliot ein interessantes Pyrenäenmuseum nebst Bibliothek von 9000 Bänden, Marmorschleifereien, mehrere Fabriken in Wolle (Bareger), Leder, Fayence und Papier, auch mehrere Holzschnitzereien, Marmor- und Schieferbrüche. Schon die Römer kannten B., das noch jetzt viele Überreste aus jener Zeit aufweist, unter dem Namen Vicus Aquensis oder Aduae Bigerrionum. Die Goten zerstörten die Stadt mit ihren Bädern, die sich jedoch bald wieder erhoben und gegenwärtig oft über 20000 Fremde jährlich herbeiziehen. Die Quellen sind erdigsalinisch, lau, warm und heiß (von 18 —51 C.); außerdem finden sich eine vorzügliche Schwefelquelle und Stahlwässer, zusammen mehr als 50 Quellen. Sie werden zum Baden wie zum Trinken benutzt und sind besonders gegen Krankheiten der Haut, der Nieren, des Nervenf stems u. s. w. wirksam. Unter den 17 Bade-Etablissements ist das der Thermen, 70m lang, mit Marmorwannen und Marmorböden das bedeutendste. Das Etablissement Theas hat das mem hubschen Thr Die Bains du Salut liegen in einem hübschen Thale. Das Klima ist sogar im Winter mild, daher auch in dieser hen in der Kuraahn hier verkehren. Unter den Höhen in der Umebung, welche als Ziele für Exkursionen dienen, ind zu nennen der 1258 m hohe Mont-Nez oder Mounnié, der Bedat mit seinen drei Grotten, der 2341 m hohe Mont-Aigu, der 1593 m hohe Pĩne de l'Heris, die Marmorbrüche von Campan, das reizende Lesponnethal und der in 1968 m Höhe gelegene Blaue See. Luchon, auch wohl nur Luchon genannt, die Aquae Onesiae der Römer, aus deren Zeit sich noch viele Reste finden, liegt im Depart. Garonne 628 mehoch in den Pyrenäen, in dem reizenden, von der —7 (mit der sich der One vereinigt) durchflossenen Thale von Luchon, mit dem sich hier das Thal l'Arboust oder das Go vereinigt, und an der Südbahn, 6 km von der span. Grenze, über welche die Bewohner des Ortes, (1876) 3982 (Gemeinde 4012), lebhaften Handel mit Getreide, Medizinalpflanzen und Schiefer treiben. B. besitzt 54 Quellen, kalte, laue und heiße (von 40—60 C.); 49 derselben sind Schwefelquellen, an keiner andern Stelle der Erde übertroffen. Die Quellen liefern in 24 Stunden 1165 088 J, hinreichend zu 1200 Bädern und 450 Douchen pro Tag. Man wendet das Wasser besonders bei Rheumatismen, Gicht, Nervenschmerzen, Hautübeln, Lähmungen u. s. w. an, doch eignet es sich seiner aufregenden Eigenschaften wegen mehr für veraltete, torpide Fälle. Die Zahl der Badegäste beträgt jährlich mehr als 10000. Das Badegebäude hat 97 m Länge und 53 m Tiefe und ein Peristyl von 28 Marmormonolithen; darin befindet sich das 5,75 m lange schöne Relief der Centralpyrenäen u. s. w. Der Ort hat drei Kasinos und ein Pyrenienmnseum. Ausgezeichnet schöne Alleen bilden die nächsten Spaziergänge; in einiger Entfernung befinden sich die Wasserfälle von Wonet und die von Montauban. Im Thale des Arboust liegt Oo und daneben der 69 ha messende See, von steil aufsteigenden Felsen umgeben und von einem 273 m hohen Wasserfall (Seculajo) gespeist. 7 und 13 km entfernt findet man die Kaskaden des Demoiselles, du Parisien, im Lysthale die d'Enfer und du Coeur, nebst dem Höllenschlunde. Zu den schönsten Aussichtspunkten gehören: der hinter dem Badegebäude sich erhebende, 1797 mhohe Superbagneres, der entferntere und höhere Cécirée, der 2195 m hohe Bacandre und der 2147 m hohe Montné, der eins der prachtvollsten Pyrenäenpanoramen bietet. Außer dem Fremdenverkehr, Brauerei und Chokoladefabrikation gewährt der Bevölkerung auch die Ausbeutung der 4 Minen von Manganerz, Kupfer, Wismut und silberhaltigem Bleierz Erwerb.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 2, S. 367Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6