Holzanstrich, m., s. d. Art. Anstrich, Bauholz, Holzarchitektur,f., Holz. bau, m., frz. architecture en bois, engl. wooden archi- bett becture. 1. Holzbaustile, die durch den Steinbau ver⸗ Ba drängt sind. Die Ausführung ganzer Gebäude blos in wot HEIDELBERG O Oniversitätsbibliot 3 ist jedenfalls mindestens eben so alt wie die Ausrung in Stein, wenn nicht noch älter; ermitteln läßt zkirche zu Borgund in Norwegen. das natürlich nicht. Künstlerische Ausgestaltung hölner Bautheile möchte, schon auf Grund der leichteren arbeitbarkeit des Holzes, früher eingetreten sein, wie treffs steinerner Bautheile. So viel steht fest, daß die Austile mancher Völker, welche in den uns bekannt gerdenen Perioden fast ausschließlich in Stein bauten, dennoch viele Formen aufweisen, die nur dadurch entstanden sein können, daß man die Gestaltung einer früher bestandenen, schon ausgebildet gewesenen Holzarchitektur in Stein nachahmte (s. z. B. d. Art. Buddhistisch, Aegyptisch u. Aztekisch). Andere Völker behielten entweder ganz oder Fig. 2134. Kirche zu Hitterdal. theilweise die Konstruktion in Holz bei, oder, wenn sie diese in Stein ausführten, konstruirten sie doch ihre Bauten, als wenn sie aus Holz beständen; in vielfacher Beziehung kann man hier Phöniker, Etrusker, Tolteken und Griechen als Beispiel anführen. Bei allen diesen Völkern aber ist der Holzbau in so vollständiger Weise durch den Steinbau verdrängt, daß die Formensysteme der einst von den Vorfahren jener Völker gepflegten Holzbaustile sich gar nicht THEK Holzbauten die spätgriechischen und römischen von den buddhisti-Kibum in Birmah noch eine annähernde Idee geben möchten. 2. Holzbaustile, die nicht verdrängt sind, aber sich überlebten und dadurch in sich verdarben. Drei Länder sind es namentlich, in welchen der Holzbaustil ohne irgendeine stark beeinflussende Konkurrenz des Steinbaues sich entwickeln, erblühen und in sich fallen konnte: jetzt vorwiegend sind aber so verda auf die frühere vergl. jedoch d. Art. Kostroma. neben Steinbauten hervorgingen. Seit eigentlich nicht die Rede sein, sondern der Stil folgt dem Ausbildungsgang u. den Verzweigungen kirchlichen Lebens u. kirchlicher Trennungen. Aber nicht überall gestatteten die lokalen Verhältnisse die Ausführung der Bauten in Stein, hier u. da mochten auch Reminiszenzen aus heidnischer Zeit für die Ausführung in Holz sprechen. So kommt es denn, daß wir an sehr verschiedenen Orten Gruppen von Holzkirchen und Holzhäusern sinden, deren Formen zwar im allgemeinen dem zur Zeit ihrer Erbauung herrschenden Stil entnommen sind, dennoch aber der Natur des Materials gemäß sich eigenartig ausgebildet haben. a) Holzbau in der altchristlichen Kunst. Beispiele sind uns nicht erhalten. — Schon um 481 wird eine Holzkirche in Künzen an der Mündung der HEIDELBERG des Businko in die Donau erwähnt. Die irischen u. schottischen Mönche, in Deutschland missionirend, bauten meist Holzkirchen, und zwar meist aus au frecht stehenden gespaltenen (geriss enen) Stämmen, Wu⸗ diese Konstruktionsbauten, deren Formen romanischen Urs prungs sind, finden sich noch vielfach. 105 England ist allerdings nur noch eine, zu Greenstead (Essex) erhalten. Sie besteht aus aufrechten Eichenpfosten und zeigt die Form des angelsächsischen Stils im eigentlichen Deutschland keine mehr, wohl aber in den später bekehrten flavischen u. skandinavischen Ländern. Zuerst sind hier jedenfalls die norwegi-W Holzkirchen zu erwähnen, deren Daan en in Borgund, Tind, Urnes u. Hitterdal stehen. Von den ersten ätsbibliothek Heidelberg geben wir eine Ansicht in Fig. 2132, von der zu Hitterdal in Fig. 2133 die Ansicht, in Fig. 2134 den Grundriß, und fügen zur Erläuterung nur noch hinzu, daß die Detailformen, namentlich an den inneren Säulen etc., ganz romanisch sind u. daß die Decke des stark erhöhten Mittelschiffs meist in der Form eines halbkreisförmigen Tonnengewölbes erscheint, in Bretverschalung ausgeführt, so daß also eigentlich innerlich nicht von logisch ausgebildeter H. die Rede sein kann, während sie äußerlich vollständig durchgebildet erscheint; bei den meisten dieser Kirchen, welche aus dem 11. u. 12. Jahrhundert stammen mögen, sind die Wände in Katzwerk, Schränkwerk, frz. en bois blindé, engl. Iog-bond, wie bei den Blockhäusern (s. d.) konstruirt; bei minder zahlreichen in Reiswerk oder, in weitexer Ausbildung desselben, aus aufrecht stehenden Bohlen. Noch fügen wir hier in Fig. 2135 die Abbildung einer solchen Kirche bei, welche ursprünglich bei Wang in Norwegen stand, Baufälligkeit halber abgebrochen, dann aber von König Friedrich Wilhelm IV. im Jahre 1841 am Abhang der Riesenkoppe bei Brückenberg wieder aufgebaut wurde; der Thurm ist neue Zuthat. Die russischen Holzkirchen bilden eine noch zahlreichere Gruppe als die norwegischen. Wir geben hier in Fig. 2136 eine Dorfkirche bei Zarskoje-Selo in äußerer Ansicht; die Kirche ist größtentheils in Blockbau errichtet, nur derobere Theil des Anbaues rechts ist Ständerwerk mit Schrotbau. Ueber die Deckenbildung giebt Aufschluß Fig. 2137, die innere Ansichteiner Dorfkirche bei Kostroma in Ostrußland, in Fig. 2138 die zu Albasin im Amurgebiet, endlich in Fig. 2139 noch die Ansicht einer Reiswerkskirche in Ostsibirien. In Rußland u. Polen werden noch heutzutage Holzkirchen in ähnlicher Weise gebaut. Die dänischen Holzkirchen betreffend, wissen wir, daß König Harun-Blauzahn (936 —986) drei hölzerne Kirchen in Jütland bauen ließ u. in der ebenfalls von ihm erbauten, bis jetzt erhaltenen hölzernen Dreifaltigkeitskirche in Roeskilde begraben liegt. Eine der bedeutendsten Gruppen von Holzbauten führt vom ungarischen Bisthum Szathmär durch Galizien, Mähren, Böhmen, Schlesien, die Lausitz, an der Oder hinab bis Pommern (Barenbusch bei Neustettin) u. Preußen (Bialutten, Lensk, Malga, Skottau, Leip, Peterswalde) und schließt also gewissermaßen an die norwegische Gruppe an. Die lausitzisch-schlesischen Holzkirchen bei Königsbrück im Elsterwald, in Syrin (1304 gebaut), Lubom (1305 gebaut, 1516 umgebaut, der gothischen Periode angehörig) u. Bosatz bei Ratibor, sowie in anderen Orten des österreichischen Schlesiens zeigen auffallende Aehnlichkeit mit den norwegischen Kirchen. Ferner sind noch zu nennen das Kapuzinerkloster in Breslau 1609 u. Bielschowitz 1796, beide mittelalterliche Formen reproduzirend. Vesonders reich an Holzbauten, aber noch nicht durchforscht, ist der Elsterwald bei Königsbrück. In Böhmen sind in Reichenau, in Pardubitz u. Praslawitz bei Turnau Glockenthürme, sonst noch manche Kirchen u. Kapellen, namentlich aber viele Wohnhäuser, größtentheils in Blockkonstruktion mit steilen Zeltdächern erhalten, die meist der byzantinischen Centralbauform folgen. Nicht der Fall ist dies bei der Reiskirche St. Maria unter den Linden in Braunau, Fig. 2140 u. 2141. Bemerkenswerth ist der hier wieauch in Norwegen vorhandene Umgang, Laufgang, Lop. In Mähren bestehen auch viele Holzkirchen, und zwar 3. B. in Wietrkovice, Tychau, Nesselsdorf etc., aus romanischer u. gothischer Zeit. Die Wände der Thürme sind meist geböscht, die Glockenstube bildet einen Kubus, der so breit ist wie das untere Thurmende, also übersteht u. mit aufrechten Bretern verschlagen ist, die unten ausgeschnitten sind. Die Thurmhelme sind meist später verändert; einige aber sind erhalten und von ganz besonderem Reiz durch ihre stilreinen, den Eigenschaften des Holzes mit ungemeinem Glück und zugleich viel Originalität angepaßten Formen. Schiff u. Chor sind stets durch ein Satteldach mit Walm bedeckt u. letzteres mit einem Chorglockenthürmchen versehen. Die Wände sind entweder in Blockkonstruktion ausgeführt oder mit Schindeln beschlagen. Die Giebel bestehen aus aufrechten Bohlen. Die galizischen u. ungarischen Holzkirchen, unter denen wir die in Zniesinnin, Sziney-Tayaliya, Nynbätor de, nennen, folgen einem ganz andern Typus; Prätuor (Frauenschiff), Senatorium (Männerschiff) und Presbyterium reihen sich an einander, sind unten von gemeinschaftlichem Umgang umzogen, trennen sich aber oben, indem jedes mit besonderem, ziemlich flachem Walmdach bedeckt ist, auf dem häufig eine Kuppel sitzt, besonders in Polen und in der Bukowina; in Nynbätor etc. umgiebt auch den Glockenthurm ein solcher Umlauf. Bei anderen der ungarischen Kirchen fehlt der Umgang und ist der Langbau mehr betont, z. B. bei der nicht mit isolirtem, sondern mit aufgesetztem Thurm versehenen Kirche von Vörösmart, Fig. 2141. Dennoch spielen auch hier Knotenschlingungen, Drachenwindungen etc. eine bedeutende Rolle in dem rein passiven Ornament. — Was den Profanbau anbelangt, so zeigen das sächsische Erzgebirge und Vogtland, die sächsische Lausitz, die Mark Brandenburg, Mecklenburg, iglit / mothes 18835d3/0064 ek Heidelberg DFC Thüringen, der Schwarzwald etc. noch viele Blockhäuser. Zu Ende des Mittelalters war die H. besonders im Harz Und in Thüringen künstlerisch reich ausgebildet, aber nicht immer als volle H., sondern meist im Fachwerkbau. Schöne Beispiele sind noch in Wernigerode, s. Fig. 2142, ferner in Halberstadt, Hildesheim, Quedlinburg, in der Umgegend von Meiningen u. Suhl, doch auch in Westfalen, ferner in Franken, besonders in Nürnberg, Frankfurt etc., erhalten; s. Fig. 2143. Auch England hat aus der Zeit der Frührenaissance (Elizabethstyle) einige Beispiele bewahrt. Darüber sehe man das Nöthige bei den einzelnen Stilartikeln; ferner vergl. den Art. Schweizerbauart.