FeedHorn
AllerleiBau-Lexikon 1881

Horn, u., 1. (Masch.) Haspelhorn, s. unter Haspel. — 2. (Schlosser.) s. d. Art. Amboß. — 3. Hörner als Kennzeichen resp. Attribut erhalten Aeolus, Jupiter Ammun, Daniel, Moses etc.; s. d. betr. Artikel. — 4. (Mater.) frz. corne, engl. horn. Ihrer chemischen Natur nach gehören zu den sogenannten Horngebilden u. A. die Häre, Federn, Hufe, Klauen, Nägel, Hörner, das Schildpatt und das Fischbein. Im gewöhnlichen Leben versteht man unter H. diejenigen Gebilde, welche an dem Stirnbein gewisser Thiere meist pärweise hervorwachsen, oft sehr beträchtliche Länge u. Dicke besitzen und in der Technik zu Mancherlei Verwendung finden. Ihre Struktur zeigt entfernte Aehnlichkeit mit der des Holzes, indem sich auf dem Durchschnitt eines H.es Ringe zeigen, und zwar desto mehr, je älter das Gebildeist. Die hornmaffe, Hornsubstanz, fz. matiere CornEe) engl. born-matter, unterscheidet sich von der Knochenmasse bes. dadurch, daß sie nicht wie diese beim Kochen mit Wasser in Leim übergeht, sondern nur erweicht und nach dem Erkalten wieder ihre ursprüngliche Festigkeit annimmt. Diese Eigenschaft läßt zu, daß man das Hein erweichtem Zustand in beliebige Formen pressen und sogar mehrere Stücke durch Zusammenschweißen mit einander verbinden kann. Am meisten Verwendung findet das Ochsen⸗ und Büffelhorn, jedoch werden zu feineren Arbeiten auch Bockshorn, Gemsenhorn und Steinbockshorn sehr geschätzt. Bei der Verarbeitung des H.s kommt es bes. darauf an, den hohlen Körper in solche Form zu bringen, daß er zu Herstellung flacher Gegenstände geeignet ist; zu diesem Zweck läßt man ihn mehrere Tage in Wasser weichen, wirft ihn dann in siedendes Wasser u. läßt ihn darin einige Stunden liegen; dann hält man ihn mittels einer Zange unter fortwährendem Drehen über eine Flamme, schneidet ihn, nach gehöriger Erweichung, mit einem Messer der Länge nach auf u. biegt ihn platt aus einander. Hierauf werden die Ränder der Hornplatte in Wasser getaucht und diese sogleich zwischen Eisenplatten dem Druck einer Presse ausgesetzt. Nun bestreicht man die Platte mit Talg und setzt sie zwischen erwärmten, reinen eisernen Platten, die ebenfalls mit Talg bestrichen sind, abermals starkem Druck aus.Nach völligem Erkalten erscheinen die Platten durchsichtig. Um mehrere Hornplatten an ihren Rändern zusammenzuschweißen, werden sie am Rand sorgfältig abgeschrägt, dann zu Entfernung des Fettes eine Zeit lang in erwärmten Alkohol getaucht und hierauf die zu löthenden Flächen, ohne sie mit den Fingern zu berühren, auf einander gepaßt. Bei größeren Platten legt man oben und unten eine Kupferplatte auf, preßt diese zusammen und stellt das Ganze in heißes Wasser, bis die Löthung vollendet ist. — Ueber das Fürden des H.s s. d. Art. Beize E., 1. Bd. — Um H. zu iglit / mothes 18835d3/0074 ek Heidelberg bronziren oder demselben überhaupt ein metallartiges Aussehen zu geben, bestreicht man die fertigen Gegenstände, je nachdem man eine gelbe, grüne, schwarze oder braune Bronzefarbe erzielen will, mit Chlorzink, chromsaurem Zinkoxyd, Chlorkupferlösung oder chromsaurem Kupferoxyd, trocknet das H. unter der Siedetemperatur des Wassers, im Sommer gewöhnlich an der Sonne, und reibt die Horngegenstände zuletzt mit Musivgold (Zweifach-Schwefelzinn) ab, wodurch sie dann das gewünschte bronzefarbene Aussehen erhalten; s. auch d. Art. Bronzefarben. — 5. Hörner heißen am ionischen und korinthischen Kapitäl die Ecken des Abakus. — 6. Die Ohren des Rammblocks. — 7. Die Handhaben eines tragbaren Altars. — 8. Die Handhaben einer Gestellsäge.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 64Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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