Japanesen bekamen ihre Kultur aus derselben Quelle wie die Chinesen u. wurden auch später in vielen Dingen, 3. B. in der Religion, von den Chinesen beeinflußt. Die feudalistische Verfassung und die strenge, aber sehr vernünftig geregelte Polizei beeinträchtigten die freie Entwickelung der Architektur zwar in etwas, verhinderten aber anderseits auch manche Ausartung, die in China durch die phantastische Religion, durch die zu minutiöse u. oft kapriziöse Polizeieinwirkung ac. herbeigeführt wurde. So blieb dieselbe in manchen Stücken allerdings noch hinter der chinesischen zurück, aber vor allem auch in der Verderbnis, so daß sie zwar unentwickelter, aber auch reiner in ihren Formen geblieben ist als die chinesische. Trotder neueren Berichte, die wir infolge der amerikanischen, englischen, preußischen e. Expeditionen aus J apan erhalten haben, ist unsere Kenntnis des jen Baustils doch noch ziemlich gering. 1. Temppiel. religion ist die Sintoreligöon, der aber einige Untergtter statuirt. Diée Tempel dieser Religion heißen Mia (Wohnung unsterblicher Seelen) u. liegen meist auf freundlichen Hügeln od. in der Mitte v. Hainen. Ueber steinerne Freitreppen od. durch eine Allee gelangt man zu einem Thor ( Fig. 2234). Dahinter ist nun der eigentliche Tempelhof mit dem Tempel. Zur Seite des letztern befindet sich auf der einen Seite ein Bassin zu der symbolischen Waschung, auf der andern ein großer Kasten zu Aufnahme der Weihgeschenke. Jeder Mia ist umgeben von einer Anzahl Mikosi (Kapellen) von verschiedener Gestalt, aber sämtlich auf Stäben stehend, so daß man sie bei Prozessionen tragen kann. Fig. 2234 zeigt eine solche hinter dem rechten Thorpfeiler, ein größer gezeichnetes Beispiel davon s. in Fig. 2235. Am Thor des eigentlichen Mia hängt eine Art Glocke. Innerlich befindet sich kein Götterbild, wohl aber ein Metallspiegel als Symbol des hellsehenden Auges der Gottheit. Vor dem Mia steht oft ein heiliger Baum, wie z. B. in Fig. 2236, wo die Aeste der uralten heiligen Tanne nur noch durch zahlreiche Stützen gehalten werden können. Die Tempel des Buddhismus, dem wohl die Fig. 22 meisten Japanesen huldigen, sind, meist mit Klöstern vereinigt, auf Hügeln angelegt, zu denen eine Freitreppe od gewundene Allee hinaufführt; Gärten umgeben die Abhänge des Hügels. In diesen Gärten sieht man wenig Blumen, aber viele Ziersträucher, Baumgruppen und Felspartien en miniature, Teiche, Tempelchen, Buddhastatuen etc. Die Klosteranlagen selbst sind sehr manchfach gruppirt, ein Beispiel s. Fig. 2237. Ueber mehrere Terrassen etc. gelangt man zu dem eigentlichen Tempel, welcher bei den Buddhisten ziemlich dieselbe Architektur hat wie bei den Sintos; ein Beispiel s. Fig. 2238. Im Innern dieses Tempels steht eine vergoldete Figur Buddha's, in Japan Budsdo, Dai-Buds genannt, oft kolossal, ferner Statuen von Heroen und Göttern unter einem Baldachin, der, sowie die Wände, reich bemalt ist. Diese Malereien, in Felder eingeschlossen, HEIDELBERG O Universitatsb bestehen aus allegorischen Darstellungen weiblicher Figuren, aus Arabesken, Guitarren etc. Künstliche Blumensträuße, Gefäße etc. stehen umher. Die Umgebung der Tempel ist oft mit einer Unmasse abenteuerlicher Thiere und vergoldeter Bildsäulen verziert (zwei Tempel in der Hauptstadt Miako sollen zusammen 66 666 Statuen haben). Die Bildhauerarbeiten sind etwas besser als die chinesischen; die Dächer sind mit Ziegeln oder mit Kupfer gedeckt und laden weit aus. — 2. Städte⸗ und Ortsanlagen. Die Städte sind zum größten Theil befestigt. Innerhalb des eigentlichen Festungsthors steht oft noch ein Zierthor; s. Fig. 2239. Auch jede einzelne Gasse ist durch ein Thor verschlossen. Dabei aber sind die Städte wegen der vielen Höfe, Gärten re. sehr weitläufig gebaut, daher umfangreich. Der Anblick der Straßen ist infolge der lang in denselben sich hinziehenden Gärten und Hofmauern ziemlich öde. — 3. Paläste u. Wohnhäuser. Die Paläste der Großen haben drei Mauerumhegungen, jede durch Wall und Graben vertheidigt. Die innerste heißt Ton-mas und umzingelt das eigentliche Schloß, welches außer den Wohnräumen einen weißen, viereckigen, oft dreistöckigen Thurm enthält. Die zweite, Nin-mas, dient den höheren Beamten des Fürsten als Wohnung u. enthält außerdem noch Gärten. Die äußerste Einhegung, inno-mas, bewohnen Soldaten, Diener u. Höflinge Die Wohnhäuser der Bürger, sowie auch die Wohnhäuser in der Mitte jener Einhegungen, sind meist niedrig, ja in sehr vielen Städten ist z. B. für die Wohnhäuser eine bestimmte Höhe vorgeschrieben; infolge dessen sind die Häuser nicht hoch, fast alle einstöckig oder wenigstens das zweite Stockwerk sehr niedrig; die Zimmer sind mit geschmackvollen Tapeten ausgeklebt, aber blos durch spanische Wände getrennt, und können vergrößert und verkleinert werden; die Häuser sind meist von Holz, sehr einfach, aber sauber und zierlich; auf Ventilation ist viel Rücksicht genommen und Alles vergoldet, bemalt und lackirt. Von der äußern Form eines Wohnhauses giebt Fig. 2240 einen Begriff. Die Begräbnisplätze sind ebenfalls parkähnlich angelegt. Alle Gräber sind mit Denksteinen geziert, meist stelenförmig oder in Gestalt von Kegeln, auf einer Schildkröte ruhend; rothe und goldene Schrift zeigt den Namen des Begrabenen, Blumen sind an den Grabsteinen aufgestellt. Jede Familie hat ihr Erbbegräbnis, welches etwa 3—3½ m. ins Quadrat groß ist und von einer niederen, mit Schlingpflanzen überzogenen Mauer umschlossen wird. Die Kieswege zwischen den Gräbern sind bibliothek Heidelberg DFC Vieles von der europäischen Bauweise adoptirt und der japanesische Stil geht infolge dessen einer Umwandlung entgegen.