FeedFrauzöniche Kriegsmarine
BaukunstBrockhaus 1882

Frauzöniche Kriegsmarine, s. u. Frankranzösische Kunst. 1) Architektur. Die ältesten eigentlichen Kunstdenkmale Frankreichs gehören der gallisch-röm. Periode an. Das Land besitzt aus dieser Zeit noch einige liberbleibsel religiöser Baukunst, unter welchen die Maison carrée, ein korinth. Tempel in Nimes, am besten erhalten und besonders berühmt ist. Bei den ersten Kirchenbauten im mchristl. Gallien entlehnte man das Vorbild aus Italien, wo sich auf der Grundlage der altröm. Gerichtshalle die altchristl. Basilika entwickelt hatte, die für alle in Glaubenssachen von Rom abhängigen Länder auch diesseit der Alpen maßgebend wurde. Bei der Ansiedelung der Franken war der Basilikenbau, zumal im Süden von Gallien, schon durch zahlreiche Beispiele vertreten, wovon sich aber nichts erhalten hat. Als aber das für das Weltende angesetzte Jahr 1000 ruhig abgelaufen, faßten die Menschen wieder Vertrauen, und die von der antiken Kunsttradition abgehende christl. Phantasie konnte nun, von andern Elementen angeregt, Formen schaffen, denen nur noch ein leiser röm. Nachklang anzumerken und daher, ebenso wie der damaligen Volkssprache in Frankreich, ein neuer Name beizulegen ist. Man setzte zu der alten Basilika nichts Wesentliches hinzu, entwickelte aber alle ihre Bestandteile. An die Stelle der flachen Decke oder des Gebälks tritt das Gewölbe; der Altarraum erhält als halbrunde Nische eine ausgezeichnete Formbildung; die Verhältnisse der Höhe und Weite ändern sich. Zugleich bekommt alles Stil, und bald steigert sich diefer Stil zur Cleganz. Die Säule verbindet sich als Zierat mit dem schweren Pfeiler, und das Kapitäl, selbst wenn es aus Tier⸗ und Menschenfiguren zusammengesetzt ist, sucht das korinthische und römische nachzubilden. Im Grundriß der Kirche tritt die Form des lat. Kreuzes deutlicher hervor. Zwei gewöhnlich viereckige, sich in mehrern Geschossen absetzende Türme verzieren die Facade, und ein wenigstens im Entwurf vorhandenes Radfenster (die sog. Rose) vollendet den Portalschmuck. Der Chor verlängert sich ein wenig und erhält bisweilen einen Umgang. über der Vierung wölbt sich zuweilen eine Kuppel. Ein ebenso merklicher Fortschritt läßt sich im rein Technischen verspüren. Man ist auf Dauer bedacht. Im Innern erstrebt man hauptsächlich große Pracht; Wände und Fußböden werden mit farbigen Inkrustierungen bekleidet, die Säulen schimmern von bunter Bemalung. So entstand der roman. Baustil, der im 11. und in der ersten Hälfte des 12.Jahrh. Frankreich mit Kirchen voll Harmonie und Majestät bedeckte: St.⸗Etienne in Caen, St.⸗Sernin in Toulouse, St.⸗Trophime in Arles, Notre-Dame in Poitiers u. s. w. Dem wachsenden Andrange der Gläubigen wurde jedoch der Umfang der Basiliken zu enge, und der enthusiastische Aufschwung der Religiosität verlangte eine entsprechende Umgestaltung in der Form des Gotteshauses. Die mit der Laneng des Problems Koten Mau Baumeister fanden bald, daß man die großen Mauermaße der roman. Kirchen um vieles verringern und durch geschicktere Verteilung der Widerstandspunkte eine größere Höhe und Geräumigkeit erreichen könne. Es wurde nun das Kreuzgewölbe an die Stelle des Tonnengewölbes gesetzt und anstatt des Rundbogens lieber der Spitzbogen angewandt, der zuerst nur bei großen, stark drückenden Bogen gebraucht wurde. Allmählich aber bemächtigte sich der Spitzbogen der Thüren, Arkaden, Fenster, Gewölbe und folgten alle Bauteile ohne Ausnahme seiner aufsteigenden Bewegung, was dadurch möglich wurde, daß sich alle Schübe auf den Strebebogen und Strebepfeilern vereinigten, die bei dem neuen Bausystem ein Hauptteil wurden und unerhörte Schlankheit gestatteten. Auf solche Art entsprang die gotischer Kirche, die nur die feiner, schwungreicher und phantasievoller ausgebildete roman. Kirche ist. Der Moment, wo der neue Stil mit seinen unterscheidenden Eigenheiten auftritt, ist um 1150 anzusetzen. Sein Vaterland läßt sich ebenso bestimmt angeben. Unstreitig war es Frankreich, weil hier got. Denkmale wenigstens 100 Jahre früher als in allen andern Ländern vorkommen; nicht im Süden noch im Centrum von Frankreich, auch nicht in der Normandie, in Lothringen, in Flandern, sondern in der sog. Ile-de-France und der umliegenden Region, im Vexin, im Valois, im Beauvoisis, in einem Teile der Cham agne, im Flußgebiet der Oise, kurz im eigentlichen Frankreich, d. h. in der Gegend, wo sich 150 Jahre vorher die capetingische Dynastie begründet hatte. Auch sind alle berühmten franz. Baumeister der got. Schule, Robert von Luzarches, Pierre von Montereau, Eudes von Montreuil, Raoul von Coucy, Thomas von Cormont, Jean von Chelles, Pierre von Corbie, aus der Ile-de-France, der Picardie oder den Nachbarländern gebürtig. Daher wird dieser Baustil im 13. Jahrh. in Deutschland der efranzösischer genannt. Die kleinen, beim ersten Aufkommen der Gotik in wenigen Jahren errichteten und gleichmäßig vollendeten Kirchen 1 St.⸗Leu d'Esserans, Longpont und Agnetz, bei Clermont (in den Depart. Oise und Seine-Oise) sind Meisterwerke in Bezug auf das Gleichmaß der Verhältnisse, und in dieser Beziehung viel lehrreicher als die großen Kathedralen von Paris, Chartres, Rheims und Amiens, die freilich der Glanzperiode des got. Stils angehören, aber erst im Verlauf mehrerer Jahrhunderte ausgebaut wurden, von welchen jedes seinen Bauanteil mit seinem Stempel bezeichnete. Die Kühnheit in den grandiosen Massen und riesigen Dimensionen, der Reichtum des Einzelnen verdienen an diesen got. Prachtbauten unbedingt gerühmt zu werden; aber es fehlt ihnen die reine Harmonie und die Okonomie des Stils; sie streifen ans Überladene und Übertriebene. Die Gotik des 14. Jahrh. trieb dieses Streben nach möglichster Höhe und Schlankheit vollends auf die Spitze und begann mit der Schwere und dem Raum eine Art Wettstreit, in dem sie zuweilen siegte, wie zu Beauvais, oft aber auch ihre Rücksichtslosigkeit gegen die gerechten Ansprüche des Verstandes in der Baukunst büßte. Der außerordentliche Reichtum der dekorativen Details führt zu viel eckige oder hervorspringende Formen herbei, Statuen unter Baldachinen, durchbrochene Ziergiebel und Laufgänge, eine ganze Filigranarbeit von Stein. Die Einheit des Baues wird durchweg aufgeopfert; man will keine ebenen Flächen mehr; der bei fast allen Kathedralen aus diesem Jahrhundert herrührende Ansatz der Seitenkapellen ist ein Beweis, daß man mehr auf Unterabteilungen und Details als auf Gesamthaltung und Totalcharakter achtet. Das allgemeine Außere strebt nach pyramidaler Gestaltung; alles bekrönt sich mit spitzen Dreiecken und Spitzsäulen. Die bei frühern got. Gebäuden noch leidlich umfangreichen Horizontallinien verschwinden völlig. Die einzige Sorge ist, immer höher hinaufzusteigen und das Gotteshaus mit blendendem Schmuck zu bekleiden. Viele Teile der Kathedralen von Metz, Tours und Meaur, die Kirche St.⸗Ouen in Rouen, Notre-Dame de l'Epine bei Chalons an der Marne können als Hauptproben der got. Baukunst des 14. Jahrh. in Frankreich angesehen werden. Im 15. Jahrh. verstecken und verlieren sich die Bauformen in der Vielfältigkeit, Ausdehnung, Dimension und Überfülle der Verzierung mit Laub⸗ und Pflanzenwerk, das von allen Vorsprüngen, auf allen Kanten und aus allen Vertiefungen hervorsprießt. Als die Nachbildung der vegetabilischen Natur erschöpft war, wählte man für das Maßwerk der Fenster allerlei schlängelnde und züngelnde geometr. Figuren, von deren flammenartigem Geflacker die spätgot. Bauart in Frankreich der ageflammte Stilo (style flamboyant) genannt wird. Ganze Kirchen der geflammten Gotik kommen selten vor; aber es gibt wenig ansehnliche Kirchenbauten, bei welchen nicht irgend ein Teil in diesem Stil ausgeführt worden. Hervorzuheben sind unter den Werken dieser Zeit das Portal von Notre-Dame in Rouen, das Seitenportal der Kathedrale von Beauvais, die Kirche Notre-Dame de Brou zu Bourgsen-Bresse.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 168Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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