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TechnikBau-Lexikon 1881

Keil, m., frz. Coin, m., Epite, f., engl. quoin wedge, lat. cuneus, enodax, 1. (Mech.) einfaches mechanisches Instrument von der Gestalt eines dreiseitigen Prisma, wie solches Fig. 2309 darstellt. Man nennt in ihm die rechteckige Fläche A3B0D den Rücken, die gegenüber-N Schneide verbindenden rechteckigen Rig 286. rechtwinkliges, derjenige des letzteren ein gleichschenkeliges Dreieck. Der einfache K. wird bes. benutzt zum Heben von Lasten auf eine geringe Höhe. Die Wirkungsweise desselben kommt vollständig überein mit der einer schiefen Ebene, wenn eine Last auf der Länge derselben, d. h. der in der Hypotenuse des rechtwinkligen Dreiecks liegenden Seite, aufwärts bewegt werden soll, während die Kraft senkrecht auf den Rücken, also parallel der andern Keilseite, wirkt. Daher verhält sich auch die HEIDELBERE O Universitäts aufzuwendende Kraft zu der zu hebenden Last wie die Rückenbreite des Kis zu seiner Länge; oder die Kraft ist gleich der Last, multiplizirt in die Tangente des Schneidewinkels. Der doppelte K. findet seine Anwendung zur Trennung zweier Flächen, welche auf die Seiten desselben einen Druck ausüben, während auf den Rücken die Kraft wirkt, also z. B. beim Spalten des Holzes; ferner bedient man sich seiner in den sogen. Keilpresen zum Zusammenpressen. Die Theorie des doppelten Kis ist nur sehr unvollkommen, weil man in den meisten Fällen seiner Anwendung die Richtung des zu überwindenden Widerstandes nicht zu ermitteln im Stande ist. Die einfachste mögliche Annahme ist, daß derselbe senkrecht auf die Seiten wirkt. Alsdann ergiebt sich die aufzuwendende Kraft Paus dem Widerstand und dem Schneidewinkel mittels der Formel P= sin %/2, woraus folgt, das die aufzuwendende Kraft um so kleiner sein wird, je schmäler der Rücken und je größer die Länge ist. Aber wie überall in der Mechanik, so ist es auch hier: je geringer die aufzuwendende Kraft ist, desto weniger werden auch die zu trennenden Flächen aus einander getrieben. Uebrigens werden sich stets die theoretischen Formeln bei ihrer praktischen Anwendung bedeutend modifiziren müssen, weil die Reibung, welche beim Eindringen des Kis entsteht, einen sehr wesentlichen Widerstand ausmacht, der durch die Formel geführt wird, wobei der Reibungskosffizient ist. Diese Reibung kann also die betr. Arbeitsehr unterstützen. Eine andere Form, als in den Fällen, wo er zum Spalten, Heben oder Pressen benutzt wird, bekommt der K. als Befestigungskeil, franz. picot, clavette, clef, f., engl. Keyy, peg, splint, cutter, spare. Hier ist sein Querschnitt gewöhnlich kein Dreieck mehr, sondern ein Trapez, oft sogar ein Rechteck, in welchem Falle er freilich fälschlich K heißt. So wird man, um einen zur Verbindung zweier Platten benutzten Bolzen zu befestigen, in diesen dort, wo er aus der zweiten Platte heraustritt, einen Schlitz einschneiden und durch denselben einen K. stecken. Der Winkel, welchen die Seiten des trapezförmigen Querschnittes mit einander bilden, darf nur eine sehr geringe Größe, höchstens die von ½ Grad, erreichen. Zu größerer Sicherheit wendet man oft zwei symmetrische K.e von gleicher Neigung an, K. und Gegenkeil oder Lösekeil, frz. lavette et contre-olavette, engl. gib and cotter, und versieht den einen davon an beiden Seiten mit einem Haken. — 2. Die Wirkung des Kes wird im Baufach sehr viel in Anspruch genommen: zum Auseinandertreiben des Gesteins, s. d. Art. abkeilen, als großer Sprengkeil (s. unten), oder als Keilchen, frz. engrois; ferner zum Dichten von Fugen, als Dichtekeil, Fimmel frz. Clek, aiguille, engl. cottar, cottrol, gad zu Erzeugung größerer Spannung etc., zum Aufheben Steigenlassen auf unbedeutende Höhe etc.; je schürfer und spitzwinkliger die Kre sind, um so weniger bedürfen sie Kraft zum Eintreiben. Bei Holzverbindungen braucht man in der Regel harthölzerne, selten eiserne K.e. Letztere aber finden Anwendung, um sie in die Ritzen des Gesteins oder die Fasen des Holzes zu treiben und dadurch Theile desselben loszubrechen, als Sprengkeil, franz. ebuerd, engl. cleaver Auch die Wirksamkeit fast aller schneidenden Justrumente beruht auf ihrer Keilform. Scheo.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 165Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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