Kloster, n., franz. couvent, wonastèere, m., englisch onvent, monastery, für Nonnen: nunnery, altengl. mynchery, span. cenobio, lat. coenobium, monasterium, monachium ete., griech. οναι. Die ganze Gesamtanlage eines Klosters (ecenobium) mit Gärten etc. unischließt eine Ringmauer. Das Hauptgebäude ist natürlich die Kirche (s. d. Art. Klosterkirche), an die sich unmittelbar u. zwar fast immer auf der Südseite das eigentliche K., die Klausur, anschließt. Der Kern derselben, der Kreuzgang (f. d.), läuft um einen in der Regel ziemlich quadratischen Hof, Klosterhof, Kreuzgarten, Friedhof, herum, welcher wohl auch als Begräbnisplatz für die Mönche dient und bildet den Korridor für das Erdgeschoß des eigentlichen Klostergebändes, französisch cloftre, engl. cloister, lat. claustrum. Der eine, am besten der östliche Flügel des Kreuzganges kann, wo der Raum fehlt, in Form einer Doppelhalle angelegt und als Kapitelsäl (s. d.) benutzt werden, welcher sonst auch wohl als besonderes Kapitelhaus (s. d. im Art. Kapitelsäl), und zwar meist auf der Ostseite des Kreuzganges zu liegen pflegt. Auf der Ostseite liegt auch meist das Wohnhaus, Brüderhaus, engl. fraterhouse. Dieses enthält einen gemeinschaftlich zu benutzenden heizbaren Wohnsäl, calefactorium; darüber den Schlaffäl, dormitorium; neben dem Wohnsäl das Bad, den Raum zu den Fußwaschungen, Abtritte etc.; auf der Südseite des Kreuzgangs liegt das convictorium; dies enthält zunächst das Refektorium (Speisesäl), darüber die Kleiderkammer (vestiarium). Das Refektorium enthält außer Tischen und Bänken auch ein Waschgefäß, Schränke, Katheder und einen kleinen Altar; hinter und neben ihm befinden sich die Küchen⸗, Brau⸗ u. Backräume, in der Regel um einen besondern Wirthschaftshof gereiht. An die Westseite des Kreuzganges lehnen sich Kellerei, Wirthschaftsräume, Bureaus, die Schatzkammer, franz. trésorerie, das bursarium und Archiv, die Bibliothek, das Sprechzimmer, Audienzzimmer (ocutorium) sowie Vorrathsräume; etwas anders gestaltet sich die Einrichtung bei denjenigen Orden, wo jeder Mönch (resp. Nonne) eine einzelne Zelle, frz. ellule, lat. cella, haben muß; da liegen in der Regel alle gemeinschaftlich benutzten Räume im Erdgeschoß des Dormitorium, die Zellen aber entlang einem Korridor, Dorment, in dem Obergeschoß. Außerdem enthalten die übrigens oft befestigten Klöster außerhalb der innern, aber noch innerhalb der äußern Klausur Wohnungen für die Laienbrüder, einen Feldwirthschaftshof, Krankenhaus, Armenhaus, Pilgerherberge, Gemüsegarten, Arzneikräutergarten etc. Die Vertheilung dieser Räume, die gegenseitige Abschließung, die Abschließung von den Laien, welche bei Klöstern einiger Orden blos bis in das Sprechzimmer eindringen und dort durch ein Gitter (s. d.), engl. grate, lat. graticula, mit den Klosterangehörigen sprechen können, der Umfang und Luxus der Abtswohnungen (s. Abtei 2.); alles dies ist fast bei jedem Orden anders und allgemeine Regeln darüber zu geben ist fast unmöglich. Nur Einiges über regelmäßig wiederkehrende Eigenheiten der Klosteranlagen einiger Orden sei hier noch angeführt. Die Benediktiner hatten vermuthlich schon früh bestimmte Bau⸗ „vorschriften, welche aber sich allmählich verwischt hatten. Bei der in Cluny 912 vorgenommenen Reform wurden „auch diese Bauvorschriften erneuert, resp. ergänzt. Vorher aber (im J. 820) ist der berühmte Bauriß von St. Gallen entworfen (nach Einigen in Fulda, vermuthlich aber von einem longobardischen Architekten, einem magister pala⸗ „tinus). Bei der AusführunglS22- 829) mußten die den Bau leitenden Mönche Winihard, Iserich u. Ratger in manchen Stücken davon abweichen, weil der Entwerfende das Terrain nicht gekannt. Wir geben in Fig. 2339 eine Kopie des Plans; 1 ist der Hauptzugang, 2 der erste kleine Vore platz, 3 das Paradies (Atrium) mit Säulenhalle 4. Bei 5, 5 sind Eingänge in die Kirche selbst. Diese besteht aus einem Langhaus von 9 Jochen mit 12 Fuß Jochlänge, also „108 Fuß Totallänge, 40 Fuß breitem Mittelschiff und 20 „Fuß breiten Seitenschiffen, aus einem Querschiff von 120 eFuß Breite und 40 Fuß Länge u. einem Chor von 40 Fuß „Breite und etwa 30 Fuß Länge. Durch die am Ost⸗ und „Westende hinzugefügten Apsiden steigt die Lünge der Kirche sbibliothek Heidelberg DFC Grundriß des Klosters von St. Gallen, entworfen im Jahre 820. iothek Heidelberg I auf 200 Fuß. Die Westapsis 6 enthält den Petrusaltar; fi dann folgt ein Chor 7, der Taufstein 8 mit Johannisaltar, K der Altar des Erlösers 9 mit großem Kreuz; 10 ist der n Niederchor mit dem Ambo 11 und den beiden Analogien d 12; 13 der Mittelchor mit den Sängerbänken; 14 der Eingang zur Krypta; 15 die Aufgänge zum Hochchor 16, auf 2 deren halber Höhe die Altäre des Benedietus u. Columban stehen. 17ist der Altar der H. H. Maria u. Gallus; bei 18 steht des Letzteren Sarkophag. Den Chor umzieht ein gewölbter Gang, über den man nicht recht klar ist, da an feinen Enden bei 19 Eingänge zur Krypta bezeichnet sind. Der nördliche Kreuzarm 20bildet eine Kapelle derHeiligen Philippus u. Jacobus u. zugleich den Eingang zu dem Schreibzimmer 21, über welchem die Bibliothek liegt. Der südliche Kreuzarm 22 bildet die Kapelle des heil. Andreas u. den Zugang zur Sakristei (sacratarium), in deren Mitte der Tisch für die heiligen Gefäße, in der Südostecke ein Kamin steht. Darüber liegt die Gerkammer. 24 ist einHaus zum Backen der Hostien u. Pressen des heiligen Oeles. In der Ostapsis 25 steht ein Paulusaltar, 26 ist ein Vorhof, 27, 27 sind die Glockenthürme, jeder mit einer Kapelle auf dem Gipfel, welche bei jenem demErzengel Michael, bei diesem dem Gabriel geweiht ist. 28 ist der is 32 der Kreuz⸗ 10 Hiuche. gang. Der Flügel 53 Deiten 30 dient alsKapitel- Kreuzgang mit Schreibzellen. K Krankenk säl. 33 ist im Par⸗ für Greise. 2 Abtsal etc. Dann 13. terre Kalefakto⸗ — rium, darüber Dormitorium; 34 der Kamin, 35 Schornstein, 36 Waschhaus, 37 Bad, 38 Abort mit 9 Sitzen, 3 Pissoirs u. einer Laterne. 39 war im Parterre Refektorium mit kleinem Gasttisch u. Analogium, darüber Vestiarium. 40 ist die Küche, 41 unten Bierkeller, oben Aufbewahrungsort für Speck u. andere Bedürfnisse, 42 das Laiensprechzimmer, 43 das Gemach des Armenpflegers, 44 Wartezimmer NIVERSHATS- http.//digi. ub. uni-hei ür Diener etc. 45 die Klausur der Oblaten u. Novizen mit Freuzgang. 46 das Refektorium, 47 eine Kammer, 48 Wohzung des Lehrers mit Abtritt, 49 Krankensäl, ebenso; 50 das Dormitorium, 51 Pisalis, d. h. Arbeitszimmer mit Kanin u. Esse. 52 ist die Kirche für Oblaten u. Novizen mit Apsis u. Sängerchor, 53 die Küche, 54 das Bad derselben, B Kreuzgang. CKapitelsal. D und“ Sprechzimmer etc. unter »Küche mit Gehöfte. 6 Refektorium. E Friedhof. I kleiner ihaus. LNoviziat. Fremdenhaus. MAlte Abtei. O Spital St. Bernhard. E Ställe. §S Scheunen etc. USägemühle und erberei. X Sakristei. V Bibliothek. 55 der Garten des Krankenhauses mit Kreuzgang, 56 das Refektorium, 57 eine Kammer, 58 das Zimmer des Spitalmeisters (magistri), 59 für schwere Kranke, 60 Wohnzimmer, alle drei heizbar; 61 Schlafsäl mit Abtritt, 62 Küche und Aderlaßraum, 63 Bad, 64 Krankenkapelle, 65 Empfangzimmer der Aerzte, 66 Wohnung des Arztes selbst; 67 Apotheke, 68 Zimmer für schwere Kranke. 69 der die Aula des Abtes, aus 2 Gebäuden bestehend. Das Hauptgebäude hat an beiden Langseiten offene Hallen 72; 73 ist das Wohnzimmer mit Bänken, Kamin und Gefäßschränken, darüber ein Söller (solarium), 74 Schlaffäl mit 8 Betten und Kamin, darüber Kammern. Im Seitengebäude ist 75 ein Bad, 76 Keller, 77 Küche, 78 Dienerzimmer. Im Schulhaus 79 befinden sich 2 innere große Zimmer, 80 mit Oberlichtern (testudo), umgeben von Wohnzimmern der Schüler, kleiner Hausflur etc. 81 ist das Studirzimmer, 82 das Schlafzimmer des Schulmeisters, 83 das Wohnzimmer, 84 das Schlaszimmer für ankommende reisende Brüder. — 85 Haus für Gäste, darin 86 Eingang, 87 Mittelraum mit Herd und Oberlicht, 88 vier heizbare Zimmer, 89 Pferdeställe, 90 Küche, 91, Speisekammer, 92 Brauerei mit Kühlraum; 93 Bäckerei Fig. 2341. Certosa bei Florenz, Originalaufnahme von O. Mothes. Anfahrt. 5 Eingang. OWirthschaftshof. D Wirthschaftsgebäude. mit Knetkammer, 94 ist die Wohnung, 9ö das Schlafzimmer des Pförtners (portarius), 96 Entrée für Gäste u. Schüler. 97 Gebäude, dessen Benennungen auf dem Original verlöscht sind, vermuthlich Krankenhaus für Fremde. 98 Haus für Pilger mit einem gemeinschaftlichen Mittelraum 99 mit Oberlicht, 100 2 Dormitoria, 101 2 Wohnzimmer für Diener, 102 eine Kammer, 103 Keller, 104 Bäckerei, 105 Brauerei mit ihren Nebenräumen 106 Gesindehaus mit Mittelraum, 2Zimmern für die Aufseher u dreiflügeligem Schlafsäl. 107 Schafhaus, ganzähnlich disponirt: 2 Zimmer für die Hirten und dreiflügeligem Raum für die Herden. 108 ähnliches Haus für die Ziegen, 109 ebenso für die Schweine. 110 Kuhstall, mit Aufenthalt für die Hirten (in der Mitte), 2 kleinen Schlafkammern für dieselben und dreiflügeligem Stall. 111 ähnliches Gebäude für die Stuterei; 112 Haus der Ochsen⸗ u. Pferdeknechte, 113 Ochsenstall, darüber Heuboden, 114 Schlafkammer der Knechte; 115 Pferdestall, darüber Speicher, 116 Schlafkammer der Knechte. — 117 Werkhaus des Kämmerers, darin 118 Böttcherei, 119 Drechselei, 120 Tenne und Bansen für das zum Brauen bestimmte Getreide etc., 121 Darre, 122 Stampfmörser, 123 Handmühlen, immer mit Schlafkammer für die Arbeiter, 124 Brauerei, 125 Bäckerei. 126 Handwerkerhaus, darin: 127 Haus und 128 Bureau des Kämmerers, beide mit Oberlicht, 129 Werkstätte f. Schuhmacher, 130 für Sattler, 131 Schwertfeger, 132 Schildmacher, 133 Schnitzer und Metalltreiber, 134 Gerber, 135 Goldschmiede, 136 Schmiede, 137Walker. 138 Scheune mit Kreuztenne, FU 139 Hühnerhof, 140 Gänsehof, 141 Wohnung der Wärter mit gemeinschaft lichem Wohnraum und getrennten Schlafkammern für beide. 142 Gemüsegarten mit in die Beete eingeschriebenen Benennungen der auf jedem zu ziehenden Kräuter und Wurzeln. — 143 Wohnung des Gärtners, darin 144 gemeinschaftlicher Wohnraum, 145Wohnzimmer des Gärtners selbst, 146 Kammern der Gehülfen, 147für Gar-Jig. 2342. Kloster Riddagshausen. theils Obstbäume. Da dieser Plan laut Aufschrift voneinem Oberen an den Abt gesendet ward, ohne jedoch zu dem Terrain zu passen, ist er nicht als Bauplan, sondern als Bauvorschrift zu betrachten. 1009 von Cluny abermals Bauvorschriften für den 912 reformirten Orden. Danach sollte die Kirche 140 Fuß lang, 43 Fuß hoch sein, das Langhaus 65 Fuß lang und durch 160 Fenster erleuchtet werden, 2 Thüren u. ein Atrium haben, die Sakristei sollte 58 Fuß lang sein und einen besonderen Thurm haben; das Dormitorium 160 Fig. 2343. St. Maria aĩ Frari Fuß lang, 24 — u. 16—24 Grabmäler, 10—15 Kapellen. Fuß hoch, mit 67 Fenstern von 2 Fuß Breite und entsprechender Höhe. Der gemeinschaftliche Säl sei 43 Fuß lang, 34 Fuß breit, habe nach Osten 4 Fenster, 3 nach Norden, 12 nach Westen, sämtlich gekuppelt. Das Sprechzimmer sei nicht über 30 Fuß lang, das Kalefaktorium 25 Fuß lang und eben so hoch. Das Refektorium 90 Fuß lang. bliothek Heidelberg 25 Fuß breit, 23 Fuß hoch, habe auf jeder Seite 8 Fenster von 5 Fuß Höhe und 3 Fuß Breite. Die Küche sei 30 Fuß lang, 25 breit, die Speisekammer 70 Fuß lang, 60 Fuß breit, die Almosenspende 60 Fuß lang, 10 Fuß breit. Ferner schreibt Hugo 6 . mit Portikus und einen Säl zum Fußwaschen vor. Anstoßend an die Kirche liege ein Gebaude zu Aufnahme der Gäste, über 135 Fuß lang, auf der einen Seite sollen 40 Betten für Männer, auf der andern für anständige Frauen stehen, dazwischen der Speisesäl. Ein Gebäude von 48 Fuß Länge und 30 Fuß Breite stoße an die Sakristei und nehme die Handwerker auf; an der andern Seite der Sakristei liege der Begräbnisplatz. Auf der Südseite sollen die Ställe liegen, neben dem Refektorium Bäder. Das in der Nähe liegende Noviziatenthalte 4 Räume: zum Nachdenken, zum Zeichnen, zum Schlafen und zur Unterhaltung ein Gebäude von 125 Fuß Länge und 25 Fuß Breite diene den Goldschmieden, Miniatoren, Marmorarbeitern u anderen Künstlern. — Die Klausuren der Augustinerchorherren und Domkapitulare waren ähnlich disponirt. An Stelle des Abthauses tritt hier die bischöfliche Pfalz (palatium). Im 12. u. 13. Jahrh.gaben die Kapitulare an den meisten Domen das gemeinschaftliche Leben auf; in Klausuren wohnten dann nur noch die Vikare, die Kapitulare aber in Kurien auf der Domfreiheit. — Die Klöster der Augustinerchorherren von Prémontré, der Prämonstratenser z. B., hatten häufig an Stelle des Kapitelsäls eine Erweiterung des Kreuzganges, an welchen auch eine Tonsur angebaut war. Für die Cisterzienserklöster giebt Fig. 2340 ein sehr deutliches Beispiel. Die Dominikanerklöster standen meist mit größeren Lehranstalten od. Krankenhäusern in Verbindung. Auch die Bibliothek erforderte viel Raum, und so haben sie häufig 2—3 Höfe mit Kreuzgängen und bei großer Einfachheit der Einzelheiten oft sehr komplizirte Anlagen der Räumlichkeiten. Die Franziskanerklöster sind zwar ebenfalls stets höchst einfach gehalten, haben aber immer ein Hospiz und eine direkt von außen zugängliche Halle zu Speisung der Armen. Die Karthausen hatten mindestens 2 Kreuzgänge, von denen der kleinere zwischen Kirche, Priorat und Hapitelsäl, der größere meist östlich von der Kirche lag: um ihn lagerten sich die Klausuren mit ihren Höschen und Gärtchen, s. Fig. 2341. Die Wohnstätten der geistlichen Ritterorden waren mehr Schlösser als Klöster (H. d. Art. Burg und Fig. 1027). Ueber die Klöster der Nichtchristen s. d. Art.Buddhistisch, Dschainistisch, Japanisch, Indisch u. Mohammedanisch.