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BaukunstBau-Lexikon 1881

Kriechblume, Kriechente, Ente, Rrabbe, Krappe, k. franz. crochet, m., crosse, f., engl. eréeeper, erocket, ital. uncinetto, m. Vom Vorkommen und der Ausbildung der Fig. 2406. Frühgothische Kriechblumen. Fig. 2407. Kn gilt fast dasselbe wie bei den Kreuzblumen. Die frühesten Ken sind in den Provinzialstilen ganz ähnlich wie in Deutschland, und zwar für Helmkanten und für die Kanten freistehender Giebel gleich einem einzelnen Arm der K., Fig. 2394, bei reicherer Gestaltung auch wohl nach Fig. 2406, nach Fig. 2407 aber für anliegende Giebelschenkel gestaltet (beide Beispiele sind aus England). Als die Gothik sich auszubilden begann, wurde der Unterschied zwischen Helmkanten-Kin und Giebelschenkel-Ken noch auffälliger. Die ersteren waren im Anfang noch ziemlich schüchtern profilirt, s. Fig. 2408 (vom Kölner Dom). später nahmen sie keckere Profile an, s. Fig. 2409, der auch Fig. 2410. Giebelkriechblumen der Mittelzeit. Fig. 2411. Kin waren fast durch die ganze Blütezeit der Gothik hindurch, ja bis in die Mitte des 15. Jahrh., meist an freistehenden wie an Reliefgiebeln von Stein, wo sie also nicht auf der Kante, sondern auf dem Wasserschlag des Giebels liegen, nach Fig. 2411 gestaltet. Fig. 2410zeigt das Konstruktionsschema dazu; später erlaubte man sich auch hier freiere Formen, s. z. B. Fig. 2412. Die englischen Kün waren meist massiger und breiter, die französischen kühner ausladend und schmäler, vielmehr niedriger als die deutschen. An Reliefwimbergen, wo also neben dem Giebelschenkel sogleich die lothrechte Wand aufsteigt, finden sich viele Fig. 2413. Wimbergkriechblumen der Spätzeit. Fig. 2414. Varianten der Form, z. B. die in Fig. 2413 und 2414 angegebenen. Auf ganz freistehende Giebel wurden aber thek Heidelberg DOFC die Ken häufig nicht auf die Vorderfläche des Wasserschlags sondern auf dessen Kante gesetzt u. also nach vorn u. hinte. profilirt, so daß ihre Form sich der der Helmkantenkriech blumen mehr näherte. Wo nun solche freistehende Gieb. dennoch nur von vorn zu sehen waren, entstandeine Mittel form zwischen beiden, eine gewissermaßen perspektivisch Gestaltung, die zu etwas freierer Bewegung Anlaß gal schon bei Steinarbeit, s. Fig. 2415, mehr aber noch Metall⸗ oder Holzarbeit, bes. aber bei Holzarbeit, sieh Fig. 2416. Während des Kampfes mit der Renaissanstieg diese Freiheit der Behandlung oft bis zum Willküi lichen, s. Fig. 2417.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 232Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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