Feedmohammedanische Baukunst
BaukunstBau-Lexikon 1881

mohammedanische Baukunst, f., franz. architecture musulmane, engl. mahometan architecture. Mit Riesenkraft unterwarfen sich die Mohammedaner in einer Geschwindigkeit, die ihresgleichen in der Geschichte nicht hat, Kleinasien, Syrien und Aegypten, bald darauf Nordafrika und Spanien, Sizilien und Ostindien. Bei der Schnelligkeit, mit der sie sofort nach Gründung der Religion zu Eroberungen übergingen, war es dem bislang nomadisirenden Volknatürlich rein unmöglich gewesen, sich selbst eine Baukunst zu schaffen. Ihre ersten Bauten schlossen sich daher der vorgefundenen Bauweise an, ja vielfach benutzten sie einheimische oder auch irgend woher berufene christliche Künstler (vgl. d. Art. Minaret). Dennoch waren kaum 150 Jahre seit der Hedschra (Flucht Mohammeds im J. 622) verstrichen, und schon hatten sich überall in dem weiten Reich gewisse charakteristische Merkmale eines mohammedanischen Baustils gleichmäßig herausgebildet. Diese erste Ausbildungsphase nennt man arabischen Stil (s. d.). In Syrien überwiegen die byzantinischen Elemente. Näheres darüber s. in d. Art. syrischmohammedanische Bauten. In Ostindien konnte der Einfluß der indischen Baukunst (s. d.) nicht ganz beseitigt werden. Ueber die Resultate s. d. Art. Ostindisch-mohammedanisch. In Persien blieben die Sassanidenbauten nicht ohne Einfluß; s. d. Art. Persisch-mohammedanisch. In Aegypten und Sizilien kamen so manche romanische Formen, sowie antike Reminiscenzen, zur Geltung, aber dennoch, vielleicht auch gerade wegen des zwischen den verschiedenen Vorbildern herrschenden Gleichgewichts, bildete sich hier die mohammedanische Kunst eigentlich am selbstständigsten zu einem organischen System aus; s. d. Art. Sarazenisch. In Spanien erblühte aus dem arabischen Stil unter dem Einfluß frischer afrikanischer Stämme der maurische (f. d.). Die späteste Richtung der mohammedanischen Kunst ist die türkische Bauweise; s. d. Art. Türkisch. Bei all diesen Abweichungen sind aber doch den sämtlichen mohammedanischen Stilen genug Punkte gemeinsam, um ihre Zusammengehörigkeit zu bekunden, z. B. außer den im Art. Islamitisch angeführten noch folgende: Begleitung der Moschee mit Thürmen, die frühzeitiger allgemein ward als in der christlichen Architektur; s. d. Art. Migalet und Minaret; Ausbildung des Kuppelbaues auf Pendentifs: Einschließung des Dekorationsbogens in ein Viereck; sehr weite Ausladung hölzerner Gesimse und geringe Ausladung steinerner Gesimse; ungemeine Keckheit der Konstruktion, basirt auf gründliche mathematische Kenntnisse, bes. in den Vorkragungen von Balkons und Erkern, in der Wölbkonstruktion bei sehr schmalen Widerlagern re.; reicher Farbenglanz, ornamentale Verwendung von Inschriften etc.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 403Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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