Deutsche Kunst. Dem german. Volke war im Verein mit den roman. Nationen eine eigentümliche und großartige Aufgabe beschieden, die Kunstelemente der Antike in ein neues Bett überzuleiten. Als das Christentum und die german. Nationalität die Weltbühne betraten, war schon der Verfall auch der letzten Blüte antiker Kunst, wie sie sich in der Kaiserzeit äußerte, eingetreten. Vom Christentume erfüllt, die bildnerische Darstellung des Gottes anfangs als heidnisch meidend, wandte sich der abendländ. Geist zunächst dahin, sich Gebäude für seinen Gottesdienst zu schaffen. Man bediente sich anfangs, dem ersten Bedürfnisse genügend, einfach der durch die Römer überlieferten Basilikenform. (S. Christliche Kunst.) Die „großartigen Bauunternehmungen Karls d. Gr., Jbesonders in Aachen, lehnten sich noch nachahmend die Motive des Byzantinismus an. Eine wesentliche Fortbildung dieser einfachern Elemente begann erst im 10. Jahrh. in der Entwickelung des sog. romanischen Stils (s. Baustile), dessen Schwerpunkt, was seine Ausbildung betrifft, in Frankreich liegt, in Deutschland aber in die Zeit vom Eintritt des sächs. Herrschergeschlechts bis zum Ausgange der Hohenstaufen fällt. Das 10. Jahrh. charakterisiert sich zunächst als die Zeit [der Übergänge, Versuche und Einleitungen, das 11. sodann als die Zeit der ersten großartigen Entfaltung der Kunst des roman. Stils. Das Bauwerk gestaltet sich zu einem fester in sich zusammenhängenden Ganzen nach den Bedürfnissen des Kultus um. Bedeutend sind die Monumente des Mainz, Speier, in Sachsen der zu St. Michael in Hildesheim, der Dom von Goslar, die Schloßkirche zu Quedlinburg. Im 12. Jahrh. bildet die deutsche Architektur das bauliche Detail und die Dekoration um, was sich im Außern durch das System der Bogenfriese und Lisenen kundgibt. Das durchgeführte Wölbungssystem kommt zunächst vereinzelt, durchgängig in Westfalen zur Anwendung, bis es gegen das Ende der Periode die flache Decke ganz verdrängt und sich zum Kreuzgewölbsystem ausbildet. Der Spitzbogen dringt schon in das Innere ein und findet in fortschreitend erhöhtem Maße Anwendung. Von den vorhandenen Denkmälern ist das bedeutungsvollste Werk für die erste künstlerische Gestaltung des Kreuzgewölbebaues die Abteikirche zu Laach (1110 —56). Der Dom zu Worms wurde schon zu Anfang des 12. Jahrh. gebaut, aber erst in der Schlußepoche des roman. Stils vollendet. In Franken erscheint noch der schlichte Basilikenbau ohne Gewölbe als vorherrschend. Die sächs. Architektur des 12. Jahrh. folgt fast ausschließlich dem reinen Basilikensystem, teils mit Säulen, teils mit Pfeilern. In den österr. Landen sind St. Peter zu Salzburg, die Dome zu Sekkau und Gurk großartige Basilika-Anlagen; in Schlesien der Dom zu Breslau. In den flachen Nordlanden herrscht statt des Hausteins der Backstein, und das früheste der in solcher Art ausgeführten Monumente ist der Dom zu Lübeck.