FeedPhiole oder Phiole
BaukunstBau-Lexikon 1881

Phiole oder Phiole, k., frz. Hole, engl. phial, lat. phiala, Hola, gr. αά, 1. eigentlich Schale, Trinkgeschirr, Flasche, daher auch Leuchterschälchen. — 2. s. v. w. Fiale; s. d. Art. Fiale, Gothisch und Kirche. — 3. s. v. w. Aedicula, über dem Taufbrunnen im Baptisterium (s. d.). Phiesel, m., mittelhochd. für Ofen, s. posle. Philomelan, m. (Miner.), s. d. Art. Manganerz. Philssophenwolle, f.,frz. laine f. philosophique, engl. lana philosophica, nennt man das wollartige Zinkoxyd, welches sich beim Glühen des Zinks an der Luft bildet und als lockere Masse umherfliegt. Philssaphie, K., wird allegorisch dargestellt als hehres Weib mit Sternenkranz und Scepter, umgeben von den Werken des Plato u. Aristoteles; in der Hand ein offenes Buch oder das Brustbild des Sokrates betrachtend. Dhilosophie der Bankunst, sd. Art. Aesthetik, Baustil, Architektur etc. Philumena, s. d. Art. Filomene; Phöbe, s. Latona; Phöhns, s. Apollo; Phobos, s. Mars. phönikische Baukunst,‚ k., franz. architecture, f., phénicienne, engl. phenician architecture. Die Phöniker od. Phönizier, Pun, in der Bibel Sidonier, Kanagniter, Philister gen.,, vom Hindu-Kusch um 2000 v. Chr. durch die Hyksos verdrängt, siedelten sich in Syrien an, dehnten bald ihre Besitzungen bis zum Meer aus, gründeten Tyrus und Sidon an der syrischen Küste, trieben viel Handel, gründeten in Afrika etc. Kolonien. Dieser rege Verkehr brachte ihnen hohe Bildung und Einfluß auf andere Völker, auch diesen Einfluß auf phönikische Zustünde. Ihre Religion war Sonnenverehrung, mit Bilderdienst verknüpft; die Hauptgötter waren Baal (Sonne), Tamnung (die im Lenz sich verjüngende Erde), Astarte (Venus) und Melkarth (Hermes-Thaut); ferner hatten sie noch eigene Schiffsgötter, Patäki, und huldigten der Lehre vom Weltei Omorca, welches Baal in zwei Hälften theilt, um Himmel und Erde zu bilden. Sie gelten für die Erfinder der Buchstabenschrift, des Glases u. des Purpurs. Schon zu Homers Zeiten waren sie berühmt wegen ihrer Gold- Und Silberarbeiten. Dennoch scheint ihre Baukunst auf keiner hohen Stufe gestanden zu haben, was die Konstruktion selbst anbelangt; die Dekoration war äußerst prunkvoll. Schon früher vermochte man aus Reliefs in Karthago zu schließen, daß sie den Giebelbau, den Triglyphenfries sowie die Verzierung der Gebälke durch Eierstäbe, Rosetten und Palmetten, ferner die Volutenkapitäle re. kannten. Alles Zeichen, daß die phönikische Kunst einen Uebergang von der assyrisch-persischen zur griechischen darstellt. Jetzt wissen wir durch die Entdeckungen auf Cypern von ihren IEIDELBERG O Universitäts Bauwerken noch Folgendes: 1. Cempelanlagen. Wir haben über dieselben noch immer nur unsichere Nachrichten, Ansichten auf Münzen etc. Die Ruinen des Tempels zu Paphos auf der Insel Cypern sind noch nicht in solcher Weise gezeichnet, daß sich daraufeine Restauration gründen ließe. Dieser Tempel war im Rechteck von etwa 214 m. Länge bei 164 m. Breite von einer Mauer umzogen, die mehrere Eingänge hatte. Zu beiden Seiten jeder Thüre befinden sich je zwei kleine, die Mauern schräg durchdringende Oeffnungen. Der so umschlossene Raum war in zwei Theile durch eine Mauer geschieden; in der hintern Hälfte ist noch jetzt der heilige Teich erhalten, in dessen Mitte sich eine Säule erhebt. Der erste Hof scheint von einer Säulenhalle umgeben gewesen zu sein. Am Ostende dieses Hofes, in der Mitte des ganzen Temenos liegen die Trümmer des Heiligthums auf der höchsten Stelle des Bauplatzes. Die-Fig. 2852. 3 u. b Gräber bei Amathus, e Stelenkopf, d Lampe aus ser Tempel bildet ein Viereck von 69 w. Länge bei 53 w. Breite u. hat eine Thüre an der Südwestecke; vermuthlich aber lag das Hauptportal an der Westseite. Vor diesem eigentlichen Tempel lag eine halbkreisförmige Umhegung für die heiligen Tauben. Zur Seite des Hauptportals standen, nach Augabe der Münzen, zwei Obelisken mit eingekerbtem Oberende. Diese Pfeiler waren durch eine Kette oder ein anderes Behänge verbunden. Die Tempelfront selbst zeigte einen hohen Mittelbau u. zwei niedrigere Seitenflügel oder angebaute Säulengänge. Der Mittelbau hatte über der Thür drei Fenster, über denen ein Mond und ein achtstrahliger Stern dargestellt waren. Im Innern stand der kegelförmige Stein (Bätylus), der die Göttin darstellte. Cesnola hat alle vier Ecksteine des Tempels entdeckt, von denen der nordwestliche ein Loch von 30cm. Durchmesser hat; wenn man auf ihm steht u. spricht, so ertönt noch jetzt ein auf 4 Wörter sich ausdehnendes Echo; wir haben also hier eine „Orakelvorrichtung“. Auch den Mosaikfußboden aus Vespasians Zeit fand Cesnola, und unter ihm Inschriften aus der Ptolomäerzeit sowie phönikische Inschriften; der Tempel der Venus am Meeresstrande ist noch viel mehr verwüstet; nur zwei Monolithen, Fig. 2854. Fig. 2855. Fig. 6. Fig. 2853 u. 2854 Sarkophag gus Amathus, Fig. 2855 aus Curium, kegelförmig mit viereckigen Oeffnungen, stehen noch, etwa 5 m. hoch, sowie ein Altar, und Reste zweier Gebäude innerhalb einer Umfassung, die oval gewesen zu sein scheint. Auch anderwärts wurden ovale u. runde Umfriedigungen entdeckt — aber auch rechtwinklige. Die Mauern waren mit kostbaren Teppichen behängt. Zwar noch nicht erwiesen, aber höchst wahrscheinlich phönikisch sind: die Doppeltempel-Anlage der Giganteia auf der Insel Gozzo und der Hagia-Chem auf der Insel Malta. Erstere ist am vollständigsten erhalten. In dem Grundriß Fig. 2851 ist a der Vorhof, b sind die Eingänge zu den Tem-OTHEK LBERG O Universitatsbibliot Ofennischen u. die Reste eines Tisches, Alles, um Opferkuchen zu braten. Die Thorpfeiler sind 5½ m. hoch, an den etwa 40 em. hohen Stufen der Sanktuarien sieht man Spuren von Thürwänden oder Cancellen. Bei g mag ein Götterbild gestanden haben. Von Gewölben oder Decken sind keine Spuren erhalten. Das Mauerwerk ähnelt dem zu Tyrinth. Zwischen den liegenden sehr großen Steinen stehen von Zeit zu Zeit Plattenstreifen i gleich Pilastern aufrecht. Die Hagia-Chem bei Casale Krenti auf Malta zeigt ganz ähnliche Disposition; auch hier sind konische Steine erhalten; mehrere Nebenrüume umgeben den eigentlichen Tempelraum In beiden Ruinengruppen sind Statuenreste, skulpirte Schlangen, Platten mit Ibisgestalten und spiralförmigen Ornamenten re. gefunden worden. Wenn diese Anlagen zum Theil an urhistorische Art geö Fig. 2857. Grabthurm zu Thugga. mahnen, wenn die Anlage des Tempels zu Paphos Manches enthält, was an ägyptische Kunft erinnert, so scheint die Ausstattung sich mehr der assyrischen und persischen Weise genähert zu haben. Wir erfahren aus alten Schriftstellern, daß Holzsäulen das flache Dach trugen, daß Thüren, Säulendecken etc. mit Goloblech u. dergl. bekleidet waren. An den Trümmern des Baalstempels am Markt zu Karthago hat man Spuren solcher Metallbekleidung gefunden. Aeußerlich zeigen diese Mauern Reste von Reliefsäulen. Ergänzend tritt hier die in Golgios gefundene steinerne Lampe in Form eines Tempelmodells ein, s. Fig. 2852 d, sowie die Piedestale 2852 f u. g, ebenfalls in Golgios gefunden. Weitere Kenntnis der Architekturformen müssen wir jedoch aus den Gräbern schöpfen. — 2. Gräber. Dieselben waren sehr verschieden. Auf den Inseln Sardinien und Korsika finden sich kleine Felsenzellen, oft in einzelnen daliegenden Blöcken, perdas fittas, ausgehöhlt. Die sogenannten Gigantengräber bestehen aus je elf in einen Halbkreis gestellten Steinen, der mittelste ist kegelförmig bearbeitet. An seinem Fuß führt eine kleine bogenförmige Thür zu einer dolmenartigen Grabkammer, santar. Eine dritte Gattung besteht aus Mauern von drei Steinschichten. Alle sind nach Südost orientirt. Die vierte Gruppe, wohl besonders in solchen Gegenden üblich, wo zu Anderem das Material fehlte, bestand aus thunlichst steilen Kegeln von Erde und kleinen Steinen, beinahe zuckerhutförmig aufgethürmt. Als fünfte sind die theils rechtwinkligen, theils ovalen Grabhöhlen od. unterirdischen Grabgemächer zu betrachten, welche auf Eypern vielfach vorkommen. — Die fünfte Gruppe stammt aus einer bereits höheren Kulturstufe, und hier beginnt eigentlich die Grabarchitektur; es sind dies die bei Amathus in besonders großer Zahl erhaltenen Grabhäuser; die älteren davon sind oben wägrecht abgedeckt, s. Fig. 2852 a links, die neueren mit Schrägdach versehen, s. das. rechts. Wo Familien sehr lange bestanden, wurde oft eine Erweiterung nöthig, und es wurde dann eine neue Grabkammer vor die alte vorgebaut; so ergeben sich auch Gruppen von 3 u. 4 Kammern, s. z. B. Fig. 2852 4 im Hintergrund, Grundriß das. b. — Kleinere, blos einer Person geltende Grabdenkmäler hatten entweder die Form von Stelen (siehe Fig. 2852 d, eine solche aus Golgios), welche wohl auch auf die Säulenform zurückschließen läßt und offenbar dem heiligen Baum entnommen war, der auf Vasen in der Form 2852 e, doch auch anderwärts in der Gestalt Fig. 2854 erscheint, überhäupt aber mit den Fortschritten der amentik Veränderungen erfuhr. Fig. 2855 oben ist ein sehr altes Ornament, noch an Aegypten erinnernd, unten ein späteres, schon an Griechenland gemahnend, dargestellt. — An jene ältere Art der zuckerhutförmigen Kegel, die offenbar den Bätylus darstellt, erinnert ein kleines Grab mit griechischer Inschrift aus Citium (Larnaka), s. Fig. 2856, welches uns zugleich die Gestalt des Altars übermittelt. Als spätere, künstlerisch ausgestaltete Vereinigung des Kegelgrabes mit der Grabhausform erscheinen die Thurmgräber; auf Cypern sind solche noch nicht entdeckt worden; es gehören aber hierher, wenigstens als Hülfsmaterial, die offenbar vonPhönikien ausbeeinflußten israelitischen Thurmgräber, Fig. 2218 u. 19, sowie der noch um 1850 aufrecht stehende, erst von den FranzosendurchHerausreißen der Inschriftstafel rechts vom Eingang zum Einsturz gebrachte Grabthurm Fig. 2857. — Höchst werthvoll ist der Fund vieler Sarkophage, welche zum Theil sehr schlicht sind, zum Theil aber auch reich verziert, wie der Fig. 2853 u. 54 dargestellte aus Amathus. — 3. Nurhags. Diese ebenfalls auf der Insel Sardinien stehenden kegelförmigen, im Grundriß runden oder elliptischen Gebäude (s. Fig. 2858 u. 2859) werden nicht mit voller Sicherheit den Phönikern zugeschrieben. Die Thüren sind stets nach Südost gekehrt und so niedrig, daß man nur hineinkriechen kann. Aus dem auf diese Weise zugänglichen Untergemach gelangt man auf spiralförmigen Gängen oder Treppen in die oberen Gemächer. Man unterscheidet: a) einzelne Nurhags, nurhags simples; b) nurhags agrégés, wenn mehrere eine zusammenhängende Gruppe bilden; o) nur. IEIDELBERG O Universitatst hags reunis, die als Thürme einer großen Einhegung erscheinen, die einen Hügel bekrönt;, d) nurhags ceints, einen solchen stellt unsere Figur dar. Sardinien besitzt über 3000 solcher Nurhags, die schon Aristoteles u. Diodorus von Sizilien erwähnen, ohne ihre Bestimmung zu erklären, die auch jetzt noch nicht bekannt ist. Sind sie von Phönikern oder Tyrrhenern erbaut? Waren es Feuertempel? Gräber? Auffallend ist ihre Aehnlichkeit mit dem Grab des Porsenna und dem des Arun, s. d. Art. Etruskisch. Ganz ähnlich sind die Talayots auf den Balearen, deren mancher von mehreren Steinkreisen mit Cromlechs und Rucksteinen etc. begleitet ist. — 4. Wohnhäuser waren den Nachrichten zufolge mehrstöckig und mit vielem Luxus ausgestattet. Die Säulen etc. waren von Holz, mit Gold bekleidet; Kaufläden nahmen die Fronten ein. Reste sind zwar gefunden, geben aber keinerlei Auskunft über Formen. — 5.Befestigungen. Oft dreifache Mauern von bedeutender Höhe; waren mit Kasematten versehen. Reste sind von der Burg (Byrsa) zu Karthago erhalten, sowie in Kuklia (Paphos) und in Curium etc. auf Cypern. — 6. Hafenbauten waren mit Docks und Arsenalen versehen, die sich in zwei Stockwerken erhoben. — 7. Säulen u. andere Details zeigten bald ägyptische, bald assyrische, persische, protodorische u. protoionische Formen. — Zu systematischer Anschauung u. Darstellung der phönikischen Formenentwickelung genügen die bis jetzt gemachten Entdeckungen bei dem fast vollständigen Fehlen einer chronologischen Bestimmung noch nicht. Die Gefäße zeigen Verwandtschaft theils mit ägyptischen, theils mit hetrurischen Formen. Phönir, m., I. der Vogel, der sich selbst verbrennt und pverjüngt aus den Flammen emporsteigt. Symbol des Fortlebens nach dem Tod in verklärtem Zustand etc. — 2. s. d. Art. Palme.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 541Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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