FeedPolycandelum
BaukunstBau-Lexikon 1881

Polycandelum, n. Lat., vielarmiger Leuchter, Teneberleuchter. Volychrom, n. (Miner.), s. v. w. phosphorsaures Blei. polychrom, adj. frz. u. engl. polychrome, vielfarbig. PVolychromie, (. franz. polychromie, f., engl. poly-Chromy (Bielfarbigkeit). In den letzten Dezennien des achtzehnten und den ersten unseres Jahrhunderts, als übertriebene Lobpreifungen der Antike und unverdiente Schmähungen des Mittelalters an der Tagesordnung waren, suchte man die dem letzteren vorgeworfene Geschmacklosigkeit namentlich mit dadurch zu beweisen, daß die gothischen Baue alle buntscheckig bepinselt gewesen seien, während die antiken Gebäude in keuscher Weißheit geschimmert hätten. Nun fanden sich freilich bei genauerer Untersuchung an antiken Gebäuden, auch an griechischen, innerlich undäußerlich Spuren von Bemalung, aber lange wurden diese Entdeckungen, und als dies nicht mehr recht anging, wenigstens die darauf basirten Schlüsse in Abrede gestellt, u. noch jetzt ist die Untersuchung auf diesem Gebiet der Kunstarchäologie keineswegs zum Abschluß gebracht; dennoch sei wenigstens Einiges von den Resultaten hier angeführt, um das in den Stilartikeln Gesagte zu ergänzen. a) Die Aegypler statteten Inneres u Aeußeres ihrer Bauten, Architektur und Plastik polychrom aus; daraus, daß an Tempeln und Gräbern meist eine zwar bunte, aber doch ernste, ja schwere Färbung erhalten ist, hat man wohl nicht mit vollem Recht auf Gleiches betreffs der Häuser geschlossen; diese mögen wohl heiterer bemalt gewesen sein. b) Die Völker der chaldäischen Gruppe, also Assyrier, Babylonier, Meder, Perserre., liebten lichte, heitere, prunkende Farben; deshalb waren zwar die dunklen Farben nicht auisgeschlossen, aber, in kleineren Flächen angewendet, dienten sie mehr zur Hebung der anderen. Bei allen diesen Völkern waren glasirte Ziegel besonders beliebt und, was man bei den Aegyptern sehr selten findet, Metalle zu Bereicherung der Farbenskala reichlich verwendet. e) Die P. amerikanischer Kulturvölker (Olmeken, Tolteken, Azteken) bietet eine interessante Parallele mit à und b; soweit die schwachen Spuren Aufschluß zu geben vermögen, zeigt die Färbung bei den Olmeken eine ähnliche Tendenz nach dem Gesättigten, Tiefen, Ernsten, wie bei den Aegyptern, während die Tolteken etwas heiterer, die Azteken aber ähnlich wie die Assyrier tönten, auch wie diese sehr gern Metall zwischen den lebhaften Farben auf heller Grundfläche anwendeten. d) Die Pelasger und die Völker Kleinasteus, sowie die Phöniker u. Etrusker scheinen fast noch mehr als die Aegypter dunkle, tiese Farben geliebt oder doch gern den lebhaften Farben einen besonderen prunkenden Nachdruck durch dunklen Hintergrund gegeben zu haben, doch kommt bei Phönikern u. Etruskern auch dunkle, gleichsam silhouettenartige Malerei auf weißem Grund vor. e) Ueber die Völker Ostaftens, Ostindier, Chinesen, Japanesen, Malayen 2., ist in den betr. Art. das uns Bekannte gegeben. Im allgemeinen scheinen unter diesen die Ostindier die ernsteste, die Chinesen die heiterste Färbung geliebtzu haben. k) Die Griechen bemalten fast blos innere Wände in ganzen Heidelberg Flächen mit Darstellungen theils architektonischen, theils figürlichen Inhalts: äußere Wandflächen finden wir an Tempeln und Häusern bei Griechen und Römern blos glatt gestrichen, höchstens in Quader eingetheilt, und zwar gewöhnlich in dunklen, oft sogar in todten Farben. Das Simswerk hingegen, sowie Säulen u. Pilaster, hielt man in der Hauptsache hell, und nur einzelne Glieder wurden durch lebhafte helle oder dunkle Farben besonders zur Geltung gebracht. (Näheres darüber s. in d. Art. Dorisch, Jonisch, Korinthisch.) Die Tempel waren äußerlich reicher als innen bemalt, beiderseits herrschte aber architektonische Malerei über figürliche vor. Die Wohnhäuser entfalteten jedoch ihren reichsten Farbenschmuck innerlich, wobei das Figürliche schon eine größere Rolle spielte. Was die angewandten Farbentöne betrifft, so bezeugen die gefundenen Reste, bes. auf Sizilien, daß die den Griechen zu Gebote stehende Farbenskala keineswegs eine so beschränkte war, als Viele glauben; namentlich ist die oft wiederholte Behauptung, daß sie das Blau nicht gekannt hätten, durch die Funde widerlegt. g) Die Römer nahmen mit den griechischen Kunstformen natürlich auch die P. mit auf und vereinigten auch in dieser Beziehung das von ihnen bei Etruskern, Aegyptern und Griechen Gesehene; aber wie sie in den architektonischen Formen mehr nach Pracht als nach strenger Nachbildung der keuschen griechischen Schönheit strebten, so übertrieben sie auch diese farbige Ausstattung, s. Pompejanisch. h) An Gebäuden der altchristlichen Bauweise findet man wohl hier und da noch innerlich den ganzen Reichthum der figürlichen und ornamentalen Ausstattung beibehalten, wobei Goldgrund für figürliche Darstellungen nicht sofort, sondern erst gegen Ende des 4. Jahrh. auftritt, äußerlich hingegen nur seltene, unsichere Spuren von Bemalung, dagegen schon Streben nach Erreichung der P. durch mehrfarbiges Material, sowie Mosaik. i) Die bhzantinische P. erhebt sich zu überreicher Ausstattung der Wand⸗ u. Gewölbflächen sowie der etwaigen Balkendecken mit figürlichen Darstellungen, hier und da wohl auch abwechselndmit Ornamentstreifen od. beg renzt durch architektonisch gegliederte Feldereintheilung. Wo nicht die Darstellung der Figuren die Anwendung zarterer Farben mit sich brachte, finden wir einerseits dunkle, oft schwarze oder ziemlich eintönig gefärbte Ornamente oder Schriftzeichen auf Goldgrund, anderseits sehr grelle und leuchtende Farben, deren unangenehme Wirkung durch minutibs kleine Theilung abzuschwächen versucht wurde. Eine unschöne Neuerung ist die Nachahmung von Material in der Färbung, z. B. hellblauer od. rosenrother Marmor in häßlichster Zeichnung und matter, dabei aber doch greller, ja unmöglicher Färbung überzieht die Flächen der Pfeiler u. Spandrillen, während an demselben Werke die Bemalung der Glieder und Kapitäle von fein ausgebildetem Farbensinn zeugt. Das Ganze zeugt hier und da weniger von feinem Farbensinn als von Prachtliebe. Die oft auch recht zierlichen, in den Farben lebhaften und doch nicht grellen Mosaikfußböden und Mosaikgewölbe sind fast die einzigen Theile dieser Bauten, in denen die P. ihrem eigentlichen Wesen nach angewendet ist. Anderwärts wieder, bes. in Trapezunt, Thessalonich etc., liefern die Ornamente sowohl als die figürlichen Darstellungen, allerdings vorzüglich an Bauten des 8. u. 9. Jahrh., den Beweis für einen sehr ausgebildeten Farbensinn durch äusterst feine Abtönung u. sehr mäßige Verwendung von Kontrasten. Aeußerlich wird schon gern zweifarbiges Material dekorativ verwendet. kE) Die Ostgothen benutzten zwar viel byzantinische Künstler, wirkten aber auch auf dieselben ein. Die Färbung der figürlichen Darftellungen ist ernster, minder prunkend als an den direkt byzantinischen Arbeiten, die der Ornamente zarter abgewogen, minder zwiespaltig, dabei aber markiger, kräftiger. Der Goldgrund hinter figürlichen Darstellungen wird ganz allgemein, Vergoldung der Balkendecken sehr beliebt. An der Außenseite der Ge-HEIDELBERG bäude wird mehr und mehr Farbenwirkung durch Wechsel mehrfarbigen Materials erstrebt; in den Bögen kommen bereits oft Wechselschichten, im Mauerwerk hier und da Wechselschichten, Zickzacks etc. aus 2 oder 3 verschiedenen Farben vor. ) Die Longobarden pflegten bes die Material⸗

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 560Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 7

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Baukunst 6