polychromie sehr. Die Wechselschichten werden, wo irgend thunlich, angewendet, oft in sehr grellem Abstand (3. B. schwarz und weiß). Zickzack, Rauten, Streifen etc. waren sehr beliebt. Die vergoldeten Balkendecken pflegten die Longobarden sehr. Malereien und Mosaiks scheinen von byzantinischen Künstlern ausgeführt worden zu sein. Die ersten Arbeiten erscheinen noch etwas wild, die späteren sehr verfeinert. m) Die Franken verfolgten die von den Longobarden betretene Bahn zwar im allgemeinen, doch scheinen sie besonders ernstere Farben geliebt zu haben; das Lichte, Leuchtende, Heitere, was namentlich die im Süden Italiens von den Longobarden ausgeführten Bauten haben, sucht man an karolingischen und merovingischen Bauten vergebens. n) Der romanische Stil zeigt auch in Bezug auf P. eine Klürung. Im Vergleich zum byzantinischen sind grelle Kontraste, unzarte, hauptsächlich auf Prunk berechnete Farbenzusammenstellungen sowie die kleinen Theilungen nicht so häufig, dafür auch die Farben weniger lebendig, ja hier und da todt. Weiß und schwarz sieht man oft ziemlich unmotivirt zwischen den bunten Farben. o) Die normannischen und sarazenischen Bauten Siziliens zeigen das Farbensystem der Mosaikfußböden auch auf die Wände übertragen, aber blos innerlich, währendäußerlich in, an das longobardische anlehnender, aber mehr logischer, der Konstruktion entsprechender, konsequenter Weise die Farbe des Baumaterials selbst als dekoratives Element (in verschiedenfarbigen Steinschichtenre.) zur Geltung kommt. Die Decken dieser Stile sind etwas düsterer als die der vorhergehenden; Schwarz und Braun werden zur Lokalfarbe erhoben, doch spielt auch hier der Goldgrund eine hervorragende Rolle. p) Die maurische u. türkische P. ist weiter ausgebildet u. bes. erstere ungemein fein; s. d. betr. Stilartikel. g) Die Gotteshäuser gothischen Stils wurden hauptsächlich innerlich, die Wohnhäuser äußerlich mit Malerei bedacht. Dabei spielt in den Gotteshäusern fast in allen christlichen Ländern die figürliche Malerei die Hauptrolle. Die Gewölbflächen waren selten, doch immer oft genug, mit solchen Darstellungen bedeckt, in der Regel auf hellem, oft aber auch auf tiefblauem Grund von reichfarbigen Ornamentfriesen umzogen, oder es wuchsen aus den Winkeln der Rippen ornamentale Ranken mit Blumen etc. hervor. Die Glasfenster prangten ebenfalls im Schmuck reicher figürlicher Malerei, während [die Pfostengliederungen, Pfeiler u. Diensteeigentlich mehr angestrichen u. bemustert als bemalt waren, und zwar in der Regel in tiefen, ruhigen Tönen, wobei ein tiefes Braunroth eine Hauptrolle spielte. Hohlkehlen waren entweder braunroth oder dunkelblau oder grün, Fafen roth, lichtblau, golden etc., und die Rundstäbe golden, silbern oder gelb, wohl auch orange. An Balkendecken waren die verzierten Theile nach ähnlichem System, die glatten Theile gar nicht oder braun angestrichen, dafern sie nicht mit Ornamenten od Figuren unter Belassung des Holzgrundes bemalt waren. Weiße Flächen kommen gar nicht, weiße Simstheile nur höchst selten und in kleiner Ausdehnung pvor. Aeußerlich waren die Kirchen nur höchst selten vollständig bemalt; nur an Portalen u. dgl. finden sich Spuren bavon. Die Wohnhäuser hingegen trugen namentlich in Deutschland und im Norden Italiens an ihren Fagaden reschen figürlichen Schmuck in lebhaften Farben, oft ohne alle Rücksicht auf die architektonische Gestaltung und Eintheilung. Hier spielt ebenfalls ein tiefes, ruhiges, aber igesüttigtes Roth als Grundfarbe eine Hauptrolle. Auch die Gothik liebte sehr vielfarbiges Material. In Venedig ist die Bemalung mehr architektonisch aufgefaßt als Ein⸗ =theilung in Felder, die mit Ornamentstreifen eingefaßt Atsbibliothek Heidelberg LDFS sind; auch hier ist jenes Roth die Hauptfarbe. Näheres dar. s. in O. Mothes' „Geschichte der Baukunst und Bildhauerei Venedigs“, S.293 ff., Bd. I. r) In der Renaissance zeit behielt man die figürliche Ausschmückung bei, jedoch in Begrenzung und Eintheilung der Architektur untergeordnet, obgleich oft innerlich und äußerlich über große Flächen vertheilt. s) In der Barock und Rococcozeit erging man sich auch auf diesem Gebiet in höchst willkürlichen, schnörkelhaften, oft aber auch wild genialen Ornamenten, oft über ganze Flächen wundersam vertheilt. t) In der Zeit der modernen kalten Nachahmung der klassischen Antike hatte man, wie bereits im Eingang dieses Artikels erwähnt, die P. ganz verbannt, und noch um 1870 war man in ihrer Anwendung äußerlich noch nicht viel weiter gelangt, als zu einigen schüchternen, hier u. da noch dazu verunglückten Versuchen, welche aber jetzt schon dazu zu führen scheinen, daß wir die nackten, eintönigen, kraftlosen Anstriche wieder gegen heiteren, gefälligen Farbenschmuck vertauschen. Freilich werden dabei auch manche Mißgriffe begangen, was einerseits durch die lange Entwöhnung u. anderseits durch das Bestreben, ja die Mode, Altes so nachzuahmen, wie es jetzt sich uns darstellt, erklärlich