Feedneugriechischer Stil
BaukunstBau-Lexikon 1881

neugriechischer Stil, m., 1. ungenaue Benennung des byzantinischen, auch wohl gar des spätromanischen Baustils (. d.); 2. frz. style néogrec, eine etwa um 1860 in Paris aufgebrachte, jetzt (1882) schon fast gänzlich wieder verlassene Bauweise. Sie besteht aus einer höchst unorganischen, willkürlichen Vermischung von ägyptischen, etruskischen und griechischen Formen, denen noch, um das Ragout vollzumachen, Ornamente aus der Renaissance untermengt werden. Um mindestens einige Einheit in diesen heterogenen Mischmasch zu bringen, verdensämtliche Profile, Rankenzüge etc. in einer Manier behandelt, in welcher kecke, oft ganz unmotivirte Wendungen mit graziösen Schwingungen wechseln u. welche durch Vermeidung irgend einer direkten Naturnachbildung eine gewisse stilisirende Konsequenz erhält, auch in geschickten Händen zu einem nicht ganz übeln Eindruck führt, in nicht ganz geschickten Hünden dagegen gar leicht Alles möglichst eckig, LBERG O Universitätsbiblioth. ungraziös und steif verzerrt. Dadurch wirken denn sämtliche Gliederungen und andere Formen kalt, fremdartig und schroff. Dabei schließt sich dieses Formensystem, oder genauer genommen diese systemlose Formenzusammenstellung, dem modernen Wunsch, mit thunlichster Kostenersparnis doch etwas Apartes zu haben, dadurch an, daß man die Ornamente auf Platten, Akroterien etc. nicht in Relief ausarbeitet, sondern blos in Spitznuthen einsetzt. Leider begann auch diese geschmacklose Pariser Neuerung Fig. 2669. Neugriechische Details. Fig. 2670. sehr schnell in Deutschland Boden zu fassen, um ihn aber glücklicherweise bald wiederzu verlieren. Zu Beurtheilung des Gesagten geben wir in Fig. 2668—2670 einige Details von dem Haus Nr. 17 Rue Duperre in Paris, erbaut von Architekt Sibert. Am besten eignet sich die Manier noch zu Dekorirung von Platten oder Dingen, bei denen der Plattencharakter vorherrscht, z.B. Grabmäler, Kamine, Thüren, Möbels etc., sowie für gegossene Metallgeräthe, Leuchter u. dgl. Reugrün, u., eine Art des Schweinfurter Grüns, s. auch d. Art. Hainer Grün.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 434Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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