FeedRauchrohr
TechnikBau-Lexikon 1881

Rauchrohr, n., Rauchröhre, Ranchschlotte, k., Rauchschlot, M., Rauchkanal, m fr rz. tuyau m. de fumés, engl. smokepipe, funnel „Abzugs röhre zwischen Ofen und Schornstein. Sie sind' in der Regel von Schwarzblech, wenn man sie aber weit, namentlich in kalte Räume leitet, werden sie besser von gebranntem Thon konstruirt. Ranchsauger, Rauch⸗ u. Luftsauger, Veflektor, m., franz. mitre aspirante, déflecteur, aspirateur de funée, engl. Chimney-pot, aspirating chimney-head. Alle diese Bezeichnungen sind richtig für das hier Gemeinte, mit Ausnahme der oft gebrauchten Bezeichnung Rauch⸗ und Luft-Sanger. Deflektor, Windablenker, ist die richtigste Bezeichnungfür Deutschland. Derhier gemeinte Schornsteinaufsatz hat nicht den Zweck, zu erzielen, daß der Ofen um so stärker „ziehe“, je stärker der Wind geht, und daß er nur schwach „ziehe“, wenn kein Wind geht. Man bezweckt vielmehr durch Aufsetzen solcher Apparate, den Schornstein vor einfallendem Regen, der ihn abkühlt, zu schützen und niederschlagende Winde abzulenken, damit der Rauchabfluß ungehindert vor sich gehen könne. Auch bei Luftschloten, bei Rückflußkanälen, durch welche die verunreinigte Luft aus ventilirten Räumen zurück in die Außenluft, in das Luftmeer treibt, will man nicht um so stärkeren Luftwechsel, je stärker der Wind geht. Es muß der gute Gang des Schlote 8 in seiner Konstruktion, in der richtigen Anlage der Lüftung, des Ofens etc. schon selbst liegen, und es hat der Deflektor, auch sehr ungenau Kaminhut genannt, nicht den Zweck, die Funktion des Kamines zu verbessern, außer dort, wo die Mündung ungünstig zwischen Dächern, höheren Häusern 2c. liegt. Erfüllt er dort seinen Zweck, so hat er eben auch niederschlagende Winde abgelenkt. Er erreicht dies aber in solchem Fall nur dann, wenn dieser niederschlagende Wind nicht gehindert ist, durch zu nahe stehende große Flächen, Häuserwinkel etc., an dem Hut vorbei zu fließen. Dies gilt auch bei Horizontalwinden und in allen Fällen tsbibsiothek Heidelberg da, wo der Wind nicht anders weiter kann, als wenn die von ihm bewegte Luft ganz oder doch nahezu den Weg wiedernehmen muß, den sie gekommen ist, denn dann tritt dort eine Stauung ein, eine Luftverdichtung, und dann hilft kein Windhut, das Rückschlagen von Rauch oder Luft in das Kamin zu verhüten, bes. wenn diese Gase unten aus einem Raum mit dünnerer Luft kommen, zumal wenn diefe Räume auf der dem Wind abgewendeten Seite liegen (auf der Leeseite) oder mit einem Korridor oder Treppenhaus in Verbindung stehen, die auf der Leeseite des Hauses münden. Dann,drückt“ der „Sauger“. Unter den Schornsteinaufsätzen, welche den Namen Rauchsauger oder noch richtiger Deflektor verdienen, sind die hervorragendsten die Nöggerathschen, die Wolpertschen und die Käufferschen. Die beiden ersten sind nur für runde Kamine zu haben, die Käufferschen für jede Art Schlot, irgend welcher Form, für Bekrönung von einer Vereinigung vieler Schlote zusammen, s. Fig. 2924 rechts, mit Reinigungsdeckel über jedem Rauchschlot, od. für Aspirationsschlote, wo innerhalb hochgeht und dadurch die Luft im Schlot verdünnt, s. Fig. 2954 links. Die Apparate, mit Ausnahme der ganzgroßen, werden einfach in den Deckstein eingeschoben. Ihr Rohrende ist so lang, daß es noch unter dem Deckstein in das Mauerwerk hinabragt; dies u. die Möglichkeit, über jeden Rauchschlot einen Reinigungsdeckel anzubringen, macht diese Apparate ganz besonders werthvoll. Die Deckel werden nicht abgehoben, weil sie dann zu oft nicht wieder aufgelegt würden, sondern sie sind in Kupferscharnier beweglich und stellen sich beim Aufklappen so, daß sie bei der nächsten Winddrehung von selbst zufallen, wenn der Kaminfeger sie umzulegen vergessen haben sollte; diese schätzenswerthe Vorrichtung zeigt, daß der Erfinder auch auf Nebenumstände kluge Rücksicht nahm. Nicht zu verwechseln ist der R. mit dem ebenfalls von P. Käuffer in Leipzig erfundenen Luftpresser, s. d. Art. Ventilation.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 21Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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