Sprengmittel, u., engl. blasting-charge, explosive Körper, deren hauptsächlicher Zweck Zertrümmerung von Gesteinen beim Berg-und Tunnelbau, für militärische Zwecke etc. ist. Man hat davon gegenwärtig folgende im Gebrauch: 1. Schießpulverartige Gemenge aus Salpeter, Schwefel u. Kohle (Schwarzpulver, Sprengpulver). — 2. Nitrocellulose, Schießbaumwolle. — 3. Nitroglyeerin, Sprengöl. — 4. Dynamit, Gemisch aus Nitroglycerin u. Kieselerde. — 5. Duolin, Gemisch aus Nitroglycerin, Sägespänen u. Kalisalpeter. — 6. Lithrofrakteur, Gemisch aus Nitroglycerin, Kieselerde und Schwarzpulver. — 7. Heraklin, Gemisch aus Pikrinsäure, Sägespänen, Salpeter u. Schwefel. — 8. Sprengkohle (s. d.). — Das Schießpulver oder Schwarzpulver, welches durch die großen Kriege im 15. Jahrh. zuerst zu ausgebreiteter Verwendung kam, soll zuerst von Martin Wehgold 1613 im sächsischen Bergbau zum Sprengen benutzt worden sein. Bis vor etwa 30 Jahren war es das einzige S. Erst nachdem der Wettkampf zwischen der Geschütz⸗ u. Schiffspanzerfabrikation begann, fand man das altherkömmliche Schießpulver nichtmehr genügend, indem man suchen mußte, den Druck der Explosivstoffe auf die Geschützwände zu vermindern, die Geschoßgeschwindigkeit aber zu erhöhen. In Amerika beschäftigte man sich in den Jahren 1858, 1859 u. 1860 zuerst mit Herstellung eines wirksameren Schießpulvers u. fand, daß man ohne wesentliche Veränderung in der Zusammensetzung durch dieForm, Dimension u. Härte der Pulverkörner zum Ziel gelangen könnte. Man stellte sogenanntes prismatisches Pulver her und löste damit die Aufgabe, die Explosivstoffe als Triebmittel zu genügender Wirksamkeit zu bringen. Anders gestaltete sich die Sache bei der Anwendung der Explosivstoffe als S. Hier konnte das Schwarzpulver durch andere, viel mächtiger wirkende Stoffe ersetzt werden. Die Versuche,‚ das Schwarzpulver selbst durch geeignete Substitutionen seiner Ingredienzen wirkfamer zu machen, führten zu keinem Ziel, dagegen gelang es der Chemie, eine Anzahl neuer Explosivstoffe herzustellen, welche schon an sich, ohne Verbindung mit anderen Stoffen, fähig sind, momentan enorme Gasmengen zu entwickeln und starke Stoßkraft zu äußern. Hierzu gehört die von Schönbein 1846 erfundene Schießbaumwolle oder Nitrocellulose, welche in komprimirtem Zustand besonders in England vielfach als S. benutzt worden ist, indem dieselbe nicht nur eine große Sprengkraft besitzt, sondern auch weniger leicht entzündlich ist als Schießpulver. Viel wirksamer ist das von Lobrero im Laboratorium von Pelouze in Paris ebenfalls um 1846 erfundene Nitroglycerin, Sprengöl, welches aber erst 20 Jahre später durch Alfred Nobel in praktischer Weise als S.hergestellt wurde, indem er das in flüssigem Zustand äußerst leicht explodirende und darum gefährliche Nitroglycerin mit Kieselerde (Infusorienerde oder Kieselguhr) vermischte u. als Dynamit in den Handel brachte. Rohmaterialien zur Fabrikation des Dynamit sind Schweselsäure, Salpeter, Glycerin-u. Kieselerde. Es werden z. B. 1300 kg. Salpetersäure mit 2600 Kg. Schwefelsäure gemischt und dann mit 630 kg. Glycerin versetzt, woraus 950—1200 Kg. Nitroglycerin resultiren. Diese Substanz ist rein, durchsichtig wie Wasser u. stark lichtbrechend. Sie wird, wenn sie nicht vorher in Dynamit verwandelt worden ist, in Weißblechkannen zu 25—30 kg. Inhalt zum Bersandt gebracht, welche man in Eis stellt, um das Nitroglyeerin gefrieren zu lassen. —Von allen Nitroglycerinpräparaten ist das Dynamit seiner größeren Wirkungsfähigkeit wegen bei nassen Arbeiten, bes. beim Schachtabteufen, fast unentbehrlich geworden. Durch seine Anwendung schleunigt und der Verbrauch an Menschenkraft dafür um etwa 25% reduzirt. Man rechnet, daß im ganzen durch die Verwendung von Dynamit statt Sprengpulver 33—45/ Kosten gespart werden. Vergleichende Versuche über die Sprengkraft der verschiedenen Nitroglycerinpräparate u. des Sprengpulvers sind auf den Eisensteingruben bei Hamm a. d. Sieg im rheinischen Oberbergamtsbezirke angestellt worden. Danach ergaben sich folgende Wirkungsgrade: Gewöhnliches Salpeter-Sprengpulver 1, extrabeste Sorte mit höherem Salpetergehalt und Faulbaumkohle 3, Lithrofrakteur 5, Dynamit 6—7. Der gesamte Konsum an Dynamit betrug 1875 gegen 80 000 Zollcentner u. ist in raschem Steigen. Durch den Ersatz des Schwarzpulvers durch Dynamit wird gegenwärtig schon eine Ersparnis von 15—20 Millionen Reichsmark erzielt, um welche Erze und Kohle billiger produzirt, Tunnels, Einschnitte etc. billiger hergestellt werden. — Was die Gefährlichkeit des Dynamit betrifft, so ist die durch dasselbe hervorgerufene Vermehrung der Unglücksfälle gegenüber denen durch Schwarzpulber veranlaßten keine so bedeutende, als mon glaubt, vielmehr ist zu behaupten daß infolge der durch seine Verwendung ermöglichten Reduktion an Arbeitskräften im Bergbau Menschenleben bedeutend geschont werden. In Preußen kamen 1875 durch allgemeine Unfälle im Bergbau 450 Personen ums Leben während bei der Schießarbeit allein nur 34 Tödtungen vorkamen Bezüglich des Transportes lassen sich genügende Vorkehrungen treffen, um die Gefahr fast ganz zu beseitigen.