FeedSyrische Baudenkmale
ErdkundeBau-Lexikon 1881

Syrische Baudenkmale. Syrien war 732 v. Chr. von den Assyriern unterjocht worden, kam später unter die Herrschaft der Chaldäer, Perser und Makedonier; unter den Seleukiden stand das von Nikator (301 - 288) gegründete Antiochien in hohem Flor; aber 64 n. Chr. wurde Syrien durch Pompejus zur römischen Provinz erklärt. Herodes Agrippa (32 —44 n. Chr.) versuchte das Land (im römischen Sinn) zu kultiviren, wie ein als Inschrift erhaltenes Dekret zu Canatha (Jennawat) bezeugt, in welchem er die Bewohner wegen ihrer mangelhaften Bildung tadelt und zu Werken höherer Kultur auffordert. Antiochien, Edessa, Nisibis blühten nun empor, Palmyra, das alte Tadmor, erhob sich zu neuem Glanz etc. Mehrmals machten die Statthalter von Syrien Versuche, sich selbständig zu machen, so bes. Odenat und Zenobig um 170 n. Chr. Bei der Theilung des römischen Reichs, 395, fiel Syrien an Byzanz; Antiochien wurde 111,438 und 528 durch Erdbeben, 540 von Kosru Nuschirwan theilweis verwüstet, von Justinian wieder hergestellt; aber 616 eroberte Kosru ganz Syrien; 612 nahmen es die Byzantiner wieder ein, 638 der arabische Khalif Omar. Von 1098 an hatten die Christen Antiochien inne; aber schon 1146 nahm Nureddin Edessa, 1183 Saladin den Rest von Syrien ein; 1291 vertrieb der ägyptische Sultan Melik die letzten Kreuzfahrer; 1518 entriß Selim I. Syrien den Aegyptern und verleibte es dem türkischen Reich ein. — Das Land bewahrt nun gemäß diesen Schicksalen Bauwerke aus verschiedenen Perioden. I. Syrisch-heidnische Denkmale. Aus den Zeiten assyrischer, persischer etc. Herrschaft, die sich natürlich auch auf die baulichen Leistungen erstreckte, blieben Ruinen zu Nisibis, Amida (jetzt Diarbekr) mitihren Basaltmauern auf hoher Felswand am Tigris, Edessa (jetzt Orfa, das Ur der Chaldäer), Haran (Carrhae der Römer mit dem Brunnen der Rebekka), Dara, Mordin, zu Serug (assyrische Löwenfiguren); zu Bir am Euphrat, ein Tell, d. h. Burg, deren in den Dörfern zwischen Bir u. Aleppo viele noch stehen. Es sind theils rechteckige, theils ovale künstliche Berge, oft mit Benutzung natürlicher Kreidekuppen angelegt, die im Innern mächtige Gewölbe enthalten, nach außen aber theils schräg gestufte, theils nur geneigte Lehmwände haben, die mit kolossalen Steinen pflasterähnlich belegt sind. — Ferner ein Quaderthurm zu Hermel in Cölesyrien, d. h. im Thal zwischen Libanon und Antilibanon, bestehend aus einem Würfel von 10m. Seiten, auf dem ein zweiter von 9m. Seiten steht, der eine Pyramide trägt u. mit Jagdscenen besetzt ist. Aehnliche Grabthürme finden sich auch in Nordsyrien; babylonische Backsteinhügel u. assyrische Königsfiguren zu Damaskus etc. Aus der Seleukidenzeit blieben Ruinen in Hie rapolis oder Bambyke (heute Membidsch), welche den frühgriechischen Stil in ähnlicher protoionischer Formung zeigen, wie einige der Gräber in Lykien etc., also noch vom persischen beeinflußt; Beröag (vorher Chalib, jetzt wieder Haleb, Aleppo), wo hier und da noch griechische Baureste in neuen Häusern verbaut vorkommen, und wo das Tell griechische Verkleidung hat, zu Antiochia (Antakia) einige Reste der alten Mauer und der beiden Hauptstraßen mit ihren vier Säulenreihen, in deren Durchkreuzung nach-Durchschnitt und Details der Basilika zu Tafkha (4. Jahrh.) mals Könstantin seine Kirche baute, u. von der noch Marmorfußboden übrig ist; in Antiochiens Hafenstadt Seleukia Pieria zeugen zählreiche Säulenreste u. Quaderwände, Trümmer der Thore, auch noch Hafendämme, Brücken, ein Stück Tunnel, Grabkammern etc. von der Baulust des pel fin koratit Noche ter 2 ist hall hat ge zopfige die 1 Unter ö bung d ö der Bu Umiversitätsbibsiothek Heic Fig. 3286. Fenster der Kapelle zu Kokanaya. Selkeukus u. seiner Zeitgenossen; zu Apa⸗ (heute Famya) ist eine Säulenstraße erhalten, allerdings nur zwei Reihen und von verschiedenen Formen, alfo eine Reihe von Vorhallen der einzelnen Häuser, ähnlich in Hama, Emefa etc. Aus römischer Zeit blieben vollständigere Trümmer. Die Tempelburg von Baalbek (Heliopolis) hat hinter einer breiten Säulenhalle von 12 Säulen u. 2 Flügelgebäuden einen sechseckigen Vorhof, dahinter einen größern viereckigen Hof von Priesterpalästen umzogen, von denen noch die dem Hof zugekehrten, nach diesem zu offenen viereckigen Säle und halbrunden Exedren stehen; dahinter stehen 2 Tempel, von denen der spätere, von Antonin um 120n. Chr.erbaute, tiefer stehende noch ganz ist, während von dem älteren, höher und in der Achse des Hofes stehenden nur 6 Säulen aufrecht blieben; s. Fig. 3280 u. 3281. Die Formen sind spätrömisch, das Ganze aber ist eine lateinische Uebersetzung und Ergänzung altsyrischer Fragmente auf altsyrischem Plan. — Die Exedren haben Rundbogennischen, in 2 Reihen über einander, Pilastern. Die viereckigen Säle von Säulchen flankirt. Auch in dem 3289. Thürsturz aus Dana. altsyrisches oder assyrisches Vorbild, aus alter Zeit, sowie die Quadern. einzelne bis zu 18 m. lang u. 4 m. straße, welche über 1100) 2000 Säulen in vier Reih bahn war nicht bedeckt, überdacht; in der Kreuzr genden Hauptstraße, die el stand unter einem von 4 Schutzdach die Erzfigur de Stadt. Die kleineren Neb mit Bögen in die Hauptf 2 Säulenreihen, so daß die der überdachten Trottoirs solen an den Schäften d Statuen wohlverdienter der Hauptstraße steht ein das zur Tempelburg führ Stadt birgt, deren Häuse pelhof Platz haben, einer lengallerien, und zwar Gallerien (einst 376 Säu Theil von Syrien, von und Apamea begrenzt, blie nisch. Hier finden sich vie denkmale, in den Felsen g Zeit vom 6. April 130bis! Dieser Zeit gehört wohl nannte Bafilika zu Chaqqu last (Kaisarieh) daselbst. dem Konzil von Nikäg wazur herrschenden Religior HEIDELBERG m. lang war u. über hen hatte; die Mitteldie seitlichen aber ung mit der querliebenso disponirt war, Säulen getragenen der Schutzgottheit der tstraße u. hatten nur e Häuser die Rückseite 5 bildeten; auf Konder Säulen standen Bürger. Am Ende Thor mit 3 Bögen, rt, die jetzt die kleine er sämtlich im Tem-Plattform mit Säuin 3 Seiten doppelte en). Der nördliche Antiochien, Aleppo ieb am längsten heidiele heidnische Grabgehauen, die aus der 3. März 324 datiren. auch noch die sogeua an, sowie der Pa-Deukmale. 325 mit rd das Christenthum n in Syrien; jedoch 8 2. Grab des Ezechiel in Kefeli bei Bagdad. einen Domnos, 13. August 510 einen Aira⸗ . Das letzte Datum ist vom Jahr 565. sarieh zu Chaqqua zeigt, gezwungen durch Esaartts it der Gegend u. die Härte des einzigen Bau-Fig 3293.2 Jerusalem, vermuthlich Anastasis des Kon-Sachhara, sogen. Moschee des Omar. materials, eines harten Granits, ein strenges einfaches Bausystem, indem Steinbalken od. Steinplatten auf weit ausladende Kragsteine gelegt sind, um die langen schmalen Räume Ezu überdecken. Die Basilika ist dreischiffig angelegt, indemsechs enggestellte Pfeilerpäre, in den sassanidischen und römischen Bauten (Baalbeku. Palmyra). Nischen, bisweilen in zwei Geschossen über einander, von gekuppelten Säulen flankirt, die einen Bogen u. Giebel tragen, römische Gebälke mit theilweis veränderten Details etc. geben eine ziemlich wirksame Gliederung. Aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrh. stammen 2 Kirchen zu Qennawät (Canatha) im Haurangebirge, dem südlichen Theil Centralsyriens, welche bereits Säulenreihen haben, allerdings mit Pfeilern wechselnd; eine davon hat eine innerlich halbrunde Apsis zwischen zwei Nebenkapellen, die äußerlich soeachirt sind, wie an 915 armenischen u. georgischen irchen. — Aus dem Anfang aaaen des 5. Jahrhunderts datirt die fünfschiffige Säulenbasilika zu Sueideh mit gegliederter Vorhalle und dreischiffigem Antititulus vor den 3 Apsiden, deren beide seitlichen in der Mauerdicke ausgespart sind. Die 510 vollendete Kirche zu Eßra folgt, wie einige andere, dem Vorbild der Konstantinischen Kirche zu Antiochia, d. h. sie ist ein Centralbau; in einen quadratischen Raum ist ein Achteck von Pfeilern eingesetzt, an dessen Schrägseiten Nischen angelegt sind, in ähnlich unklarer Auffassung der Centralanlage wie in S. Sergius und Baechus zu Konstantinopel. Die Apsis ist außen in 3 Seiten eines Achtecks geschlossen. Auf dem achteckigen Mittel raum steht ein Kegelgewölbe, während die Neben räume in hergebrachter Weise mit Platten bedeckt sind. — In Antiochien wurde die ähnlich dispo nirte Kirche von Konstantin jedenfalls auf der Justinian in des Herodes Halle eingebauten Basilika, Moschee el Aksah, zu Jerusalem. ähnlichen Grundriß wie die zu Eßra, aber hier ist das Quadrat noch durch ein Säulenschiff umzogen. — Die Kirchen zu Deir-Seta und zu Baquouza haben geraded Schlußwand, die zu Dana von 540 hat eine verlängerte eingebaute Apsis mit zwei viereckigen Nebenräumen, in den Arkaden gestelzte Rundbögen, an der Apsis einen Hufeisenbogen. Die 505 gegründete Kathedrale zu Bosrah st ist zwar central angelegt, doch läßt es der Zustand der de Ruinen unsicher, ob sie eine Kuppel gehabt haben. — Zu be Mudja-laia ist das Schiff am Westende ebenfalls polygon A OELBERG O Universitätsbibliot iten durch Abd el Melek (um 690) und die Fatimiten (um 980). dratischem Unterbau von mehreren Geschossen vor, der hier und da mit Säulenstellungen verziert ist. — Die Kirchen der nördlichen Gruppe sind meist dreischiffige Säulenbasiliken ohne Querhaus u. ohne Emporen. Die auf den Säulen ruhenden Rundbögen tragen die Lichtgadenmauern, und diese eine hölzerne Decke od. einen freiliegenden Dach-Jerusalem (1140 ff.). tuhl. Die zu Qualb-Luzeh (6. Jahrh.) hat Pfeiler, an zenen oben kleine Wandsäulen als Träger für die Binderalken angesetzt sind; die zu Rueiha Pfeiler mit viereckigen Ansätzen als Stützen für die Quergurte, die auf giebelähnlicher Uebermauerung das Dachwerk tragen. Die Apsisansicht von Qualb-Luzeh, Fig. 3285, und die Westansicht der schönen Kirche zu Turmanin, Fig. 3286, geben den besten Begriff von der hohen Ausbildung dieser Bauweise. Zu Turmanin ist die Apsis übrigens äußerlich polygon. Noch geben wir in Fig. 3287 ein pär Kapitäle aus Kolaat-Semahn, in Fig. 3289 einen Thürsturz aus Dana und in Fig. 3288 Fenster einer Kapelle zu Kokanaya. Wenn einige dieser Details an Ravenna, andere an Georgien und Armenien gemahnen, wie auch die vielfach vorkommenden Tauumfassungen der Fenster, so findet sich 3z. B. in Behiah sogar der Kreuzungsbogenfries vorgebildet. — Klösterliche Anlagen von ziemlich großer Ausdehnung finden sich vielfach, z. B. in El Barah und Kherbet Häß. Die Grabmale sind hier in ihren Formen sehr manchfach. Am Euphrat kommen auch Grabmale vor, welche an die Form der alten Tells anschließen; eins der bedeutendsten ist das Grab des Ezechiel in Kefeli bei Bagdad, Fig. 3292. Häufiger ist es, daß ein Sarkophag unter einem tempelähnlichen Tabernakel steht, dessen Giebeldach von Säulen getragen wird, oder in einem kleineren Antentempel; an dere Grabbauten sind quadratisch und mit einer Kuppel bedeckt. Die Felsengräber schließen sich den lykischen an, bilden aber das Motiv der dortigen Felsenfagaden allmählich aus, und zwar in sehr manchfacher Form von der Pilasterfagade bis zu der giebelbekrönten Vorhalle auf freistehenden Säulen; andere öffnen sich in weitem Bogen. Von der reichen Gruppirung und Ausstattung der meist ganz massiven Wohnhäuser giebt Fig. 3290 eine Idee. In etwa 20 Städten um den Landstrich Ledsche herum, z. B. in Eßra, Schoba, Gadara etc., sind große ausgedehnte Gruppen von Wohnhäusern in ähnlichem Grade gut konservirt. Den Zusammenhang dieser Bauweise Centralsyriens mit der römischen Kunst vermittelt deutlich die Gruppe in Palästina. Der Brunnen zu Na-½ areth ist aus dieser Zeit, zeigt aber ine künstlerischen Formen. In „Konstantins Zeit; die Säulen vermuthlich von der Restautrirung 628 nach Kosru's Zerstörung. Von der Grabrotunde ist wenig mehr geblieben als die Grundgestalt. Glücklicher war ein anderer Centralbau, in dem wir jedenfalls die Anastasis des Konstantin besitzen, während Einige in dem Felsen, um den er erbaut ist, die Stätte des Engels sehen, der zu Davids Zeit die Pest über die Stadt verhängte, Andere hier die Grabkirche suchen. Es ist der achteckige Bau Es-Sachhara, der gewöhnlich als Moschee Omars gilt lüber diese s. unten), und dessen Außengestalt von Abd el Melek herrührt. Fig. 3293 giebt Grundriß, Südostecke der justinianischen Basilika, s. Fig. 3295. Die schwarzen Stellen in diesem Grundriß sind die Theile, welche theils von dem Bau des Herodes, theils von dem des Justinian herrühren, von welch Letzterem auch die Säulen, Fig. 3296, noch beibehalten wurden, als Abd el Melck 686—691 die Basilika bedeutend vergrößerte u. in der Architektur erheblich umgestaltete, auch in dem dreischiffigen Querhaus eine Kuppel einfügte, dafür aber die Apsiden beseitigte. Betreffs dieser Disposition sowie der architektonischen Form vergl. d. Art. Arabisch, Maurisch, Moschee u. Sarazenisch. Abd el Melek richtete auch den in Fig. 3293 dargestellten Rundbau des Konstantin, welcher ebenfalls unter Justinian eine Restaurirung erfahren hatte, zu der Moschee Es-Sachhara (Felsendom)ein, indem er über dem inneren Achteckeinen kurzen Tambour mit hölzerner Kuppel aufführen ließ, s. Fig. 3297. Die Grabkirche, welche, wie erwähnt, 628 wieder hergestellt worden war, scheint von den Sarazenen nicht verändert worden zu sein, wurde aber 1011 von Hakem zerstört. Die Moschee zu Damaskus, von Khalif Walid 705—717 an der Stelleeiner Kirche Johannis des Täufers, mit Benutzung einiger Theile, darunter z. B. des Westportals vom Atrium, erbaut, ist eine dreischiffige Basilika, welche ihrer Länge nach von Ost nach West etwas über 150 m. lang sich erstreckt u. in der Mitte ein Querschiff hat, mit einer Kuppel über der Vierung und dem Mihrab im südlichen Kreuzarm, während der nördliche sich gegen den 150 m. langen u. 75 m. breiten Hof öffnet. Die Schiffe haben auch hier Holzdecken, die Arkaden sämtlich stumpfe Spitzbögen, aber von regelrechterer Form wie die Moschee el Aksah. — Möglich ist, daß hier, ähnlich wie in Antiochien und in Kalaat-Semahn, die Johanniskirche zu Konstantins Zeit mit Benutzung der Kreuzung zweier Säulenstraßen gebaut worden war und dadurch die Kreuzform erhielt. Die weiteren Bauten, welche die Mohammedaner von etwa 700 bis um 969 in Syrien errichteten, z. B. die Bauten des Harun al Raschid in Damaskus u. Bagdad, scheinen etwas reinere Formen wie die sarazenischen Bauten Aegyptens, ähnliche wie die Persiens, zu tragen, doch fehlt es bisher noch an genügenden Abbildungen, um die Unterschiede festzustellen, welche die syrischen Bauten einerseits von den Bauten Persiens, anderseits von denen Aegyptens trennen. Seit 969, wo die Fatimiten Jerusalem einnahmen, herrschte hier die ägyptisch-sarazenische Bauweise. Aus dieser Zeit dürfte die Dekoration der Außenseiten des Felsendoms in Jerusalem stammen; s. Fig. 3297. IV. Christlich-mittelalterliche Sauten. Schon kurz nach 900 hatten die Amalfitaner Verkehr mit Syrien, u. die Grafen von Amalfi hießen sogar Vikare von Antiochien, unterhielten dort wie in Jerusalem Hospize, besaßen in Jerusalem eine Kirche Sa. Maria de latina etc. 1048 baute Patriarch Nikophoros mit Erlaubnis des Khalifen Dahor die Grabeskirche, welche 1011 zerstört worden war, neu auf. An der Eroberung von Antiochien und Jerusalem hatten die Normannen Tankred u. Bohemund hervorragenden Antheil. 1140 begann ein Umbau der 1048 ff. wohl von sarazenischen Bauleuten im üblichen Stil erbauten Grabeskirche, der 1149 geweiht werden konnte, aber bis nach 1169 fortgesetzt ward. Diesem Bau gehört das Portal der Südseite, der Glockenthurm etc. an, s. Fig. 3298 u. 3299. Die Formen sind völlig normannisch, ganz wie auf Sizilien; auch die Anlehnung an antike Formen, die Benutzung und Verarbeitung altchristlicher Theile (u. A. ist ein Stück altchristliches Gebälk, wohl ein Rest des ersten Konstantinischen Baues, als Gurtsims benutzt) entspricht völlig der normannischen Art. Leider ist die eigentliche Grabkirche 1807 abgebrannt und von Komeano Kalfa aus Konstantinopel zwar auf dem alten Grundriß, aber mit Pfeilern statt der 12 Säulen u. in modernen Formen restaurirt worden. Ein Hospiz der Johanniter ist samt Kreuzgang als Gerberei erhalten. Die Kirche St. Anna mit ihrem rautenverzierten Spitzbogenportal, ist ebenfalls normannisch. Die Kirche Sa. Maria la grande mit den Darstellungen der Monatsbeschäftigungen an dem rundbogigen Portal ist longobardisch und dürfte wohl jene von Amalfi aus gegründete sein. Die Peterskirche mit ihren Eckfalzsäulchen an den Pfeilern deutet auf deutschen Einfluß. Alle drei sind Basiliken mit Querschiff u. polygoner Apsis, Kreuzungskuppel und rippenlosen Kreuzgewölben. St. Jacobus minor ist einschiffig u. hatein Tonnengewölbe mit Kappen. Die Himmelfahrtskirche auf dem Oelberg wurde, da sie in Ruinen lag, wieder hergestellt u. erst nach 1180zur Moschee eingerichtet. Der Umgang zeigt Formen wie die früheren Normannenbauten, an denen noch Longobarden arbeiteten u. die daher Vielen als romanisch gelten. Die Kathedrale, jetzt Moschee zu Beiruth und die Kirche von Djebeil (Gebel, Byblos), der Stadt der steinhauenden Giblitier, welche die Quadern zu Salomo's Bauten lieferten, haben spitzbogige Tonnengewölbe; andere, wie die Johauniskirche zu Sebaste (Samaria), haben schon Dienste, Knospenkapitäle u. Rippengewölbe oder doch, wie die zu Lidda, schmale Gewölbjoche u. kreuzförmige Pfeiler mit schlanken Halbsäulen. In St. Jean d'Acre, welches bis 1291 von den Kreuzfahrern behauptet ward, zeigt sich die völlig entwickelte Gothik. Das Kastell Schefik (Belforte) bei Tyrus ruht wie das von Djeibeil und mehrere andere, auf phönikischen Grundmauern. Die vielen Burgruinen und andere Trümmer, von Hospizen, Kirchen, Brücken dc., sind theilweis noch zu durchforschen. V. Die zweite Periode der Sarazenenherrschaft, 1183 bis 1518, hat zahlreiche Bauten hinterlassen, welche zum größten Theil wohl dem Stil der sub III. gen. Bauten folgen mögen; leider sind hier formale wie historische Forschungen noch resultatlos. Vermuthlich gehört dieser Periode der kleine offene Kuppelbau in Fig. 3297 an, ferner die Kuppel der Himmelfahrtsmoschee auf dem Oelberg, die Umwandlung der Kirchen zu Beiruth, Antiochien re. zu Moschéen. — Im Osttheil des Landes drang der persomohammedanische Stil siegreich ein, doch blieben die Kuppeln in ganz Syrien niedriger als in Persien u. in Aegypten; s. z. B. auf Fig. 3290 den niedrigen Anbau; die Minarets aber wurden sehr schlank aufgeführt. VI. Türkenbanten. Von 1518 an herrschte auch in Syrien die türkische Bauweise, od. vielmehr eine Bauweise, welche sich gleich der türkischen als Verfallstil aus Formen der perso-mohammedanischen, ägypto-sarazenischen etc. zusammensetzt und ziemlich willkürlich diese Formen umstaltet. Auch hier fehlen noch genauere Aufnahmen.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 297Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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