Feedassyrische Baukunst
BaukunstBau-Lexikon 1881

assyrische Baukunst, f., frz. architecture assyrienne, engl. assyrian architeécture. Nach der Theogonie der l Chaldäer, aus Offenbarungen des Oannes oder Annedot geschöpft, war Omorka (das Wasser) die Gebieterin der Welt, aber Baal (die Sonne) enthauptete sie und schuf aus ihrem Blut, mit Erde vermischt, die Menschen, d. h. die Sonne trocknete den obern Theil des Wassers auf und belebte den dadurch blosgelegten Theil des Landes. Darauf schuf Baal die Planeten und übrigen Sterne, d.h. nach dem völligen Trocknen der blosgelegten, im Anfang noch sumpfigen Theile der Erde klärte sich die Luft, Planeten u. Sterne wurden den Menschen sichtbar. Viermal kehrte der offenbarende Annedot wieder, so lange die Menschen noch in friedlichem Beisammenwohnen die Offenbarungen Gottes verdienten; da aber die Greuel des Milithadienstes und die Macht des Lasters vom Geist der Finsternis Turrach immer mehr über die Erde verbreitet ward, beschloß Baal, die Menschen durch eine Sintflut zu strafen. Xisutrus, der einzige Gerechte, von Gott gewarnt, schrieb alles bis dahin Geschehene auf, vergrub das Buch zu Sippara (Pandibibla), bestieg mit den Seinigen eine Arche und entstieg derselben nach beendeter Sintflut auf einem Berg (erinnert an Noah). Xisutrus wurde in den Himmel aufgenommen, die Seinigen aber bauten Babylon, wo, der Sage nach, 153 Jahre später unter Nimrod oder Ninus, dem Gründer von Niniveh (um 1350 v. Chr.), der Thurmbau vorgenommen worden sein soll. Von Nimrods Sohn Assur sei das Reich Assyrien genannt worden. Etwas anders stellen sich die Ergebnisse der historischen Forschungen. Danach scheint es, als ob die Chaldäer um 2200 v. Chr. an der Ostgrenze des Landes Sindschar angelangt wären und um 1950, von den Medern zurückgedrängt, die Landstrecke eroberten, wo nachmals Babylon sich erhob; Ninos nahm dann um 1240 Babylon ein, baute dort Tempel und Burgen, besetzte u. vergrößerte 1223 Niniveh, welches schon um 1400 blühte, und erhob es nur Hauptstadt der assyrischen Monarchie; das eigentliche assyrische Reich zählte von 1237.—711 v. Chr. 24 Könige. Um 1118 v. Chr. befreite Rmrodaha Danakhi (der jüngere Nimrud) Babylon vom assyrischen Joch und führte dabei nach Babylon Götterbilder aus Assyrien fort unter Schi-Derselbe Nmrodaha Danakhi soll 1120 v. Chr. den Thurm, d. i. den Tempel der 7 Sphären, begonnen haben; s.d. Art. babylonisch. Dieses erste babylonische Reich bestand aber nicht lange; schon ums Jahr 1000 war Babylon wieder assyrische Provinz. In diese Zeit gehören auch die Felsenskulpturen bei Bawian am Gaumela. Aschurakbal (Sardanapal?) baute um 900 den nordwestlichen Palast in Nimrud. Grundriß s. Fig. 260. Sardanapal verbrannte sich, von den empörten Medern unter Arbakes bedrängt (um 876), in diesem Palast. Sein Sohn Divanubara oder Temen-bar II. veränderte den Centralpalast in Nimrud um 870. Sargon (Salmanassar) baute um 722 den Palast in Khorsabad. Bel-adonim-scha (Sennaherib), der das empörte Babylon wieder unterjochte, die Götter nach Niniveh zurückbrachte und sogar die Babylonier in die Verbannung führte, erbaute 714 den Südwestpalast in Kujundschik, Assar-addon (Esharradon) 690 den Südwestpalast in Nimrud, sein Sohn den Nordpalast in Kujundschik, kurz, die Künste erhoben sich zu hoher Blüte. Aus jener Empörung entwickelten sich inzwischen drei neue Reiche: Assyrien, Babylon und Medien. Assyrien war im Anfang das mächtigste, ja noch 708 mißlang ein Fig. 261. Schleuse aus dem Südwestpalast in Nimrud. Versuch zu Befreiung Babylons; aber um 620 v. Chr. hatte der Chaldäer Nabopolassar Babylon befreit, gründete das chaldäisch-babylonische Reich u. erhob seine Religion zur herrschenden; sein Sohn Nebukadnezar baute um 600 v. Chr. Babylon wieder auf, restaurirte 580 den babylonischen Thurm und zerstörte, mit dem Meder Kyaxares verbündet, Niniveh. Assyrien verschwand aus der Geschichte. Medien bestand fort, bis Kyros das persische Reich gründete. Die genannten Kunstwerke nun zeigen zunächst zwei bes. Stile: den assyrischen Stil u. die babylonische Bauweise, welche allerdings eine Fortbildung des assyrischen Baustils gewesen zu sein scheint, wenn man sie nicht etwa gar die Verfallzeit desselben nennen will; s. d. Art. babylonische Baukunst. Ueber die medische und persische Kunst, die sich nur vereint betrachten lassen, s. d. Art. persisch. Bezüglich des Materials hatten die Assyrer mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Feste, wetterbeständige Steine fehlten in einem großen Theil des Landes, von Bäumen gab es nur Cypressen u. Palmen. Lehmsteine, Backsteine, Schilfbündel, mit Asphalt getränkt, wurden als Baumaterial verwendet, Erdpech als Mörtel gebraucht; jedoch verwendete man auch gebrannte und glasirte Ziegel sowie her; OO Diensteingänge; 2) Pavillon mit Ausgang auf eine Terrasse, von wo aus sich der König dem Volk zeigte;! 3) Vorhalle zwischen Hof und Thronsaäl; 4) Wachlokal; 5—14) Wohnzimmer; 15—19) Festsäle etc. Die Dicke der Mauer dieser Gebäude variirt von 1, bis 5 m.; dieselben durchschneiden sich rechtwinklig und bilden Reihen von Sälen, einer durch den andern zugänglich, die hinteren schmäler als die vorderen; dis zu einer Höhe von 4 m. ohne Fenster, wahrscheinlich also, wie auch aus Reliefdarstellungen von Palästen hervorgeht, das Licht durch sehr hoch angebrachte Fenster, anderwärts durch offene Säulengalerien auf der Mauer empfangend. Die in der Regel 2—3, hier u. da beinahe 4 w. hohen, 15 cm. starken Alabasterverkleidungen sind in dem Boden mit Asphalt befestigt und unter einander durch Falze und Klammern verbunden. Ueber diesen Platten sowie in den Zimmern, HEIDELBERG O Universitätsb es assyrischen Königspalastes. Entworfen von O. Mothes. Fußboden bestand aus Alabasterplatten oder Ziegeln, in Asphalt auf Sand verlegt u. mit gewölbten Abzugskanälen unterfahren; s. Fig 261. Die Skulpturen in grobem Alabaster zeigen theils freistehende Figuren, theils Reliefs. Die Figuren sind größtentheils mystisch oder mythologisch: Menschen mit Sperber-oder Adlerköpfen, geflügelte Stiere oder Löwen mit Menschenantlitzen, zuweilen mit Armen, die dann andere Thiere tragen, auch geflügelte Pferde. Namentlich schön ausgebildet sind die geflügelten Stiere und Löwen mit Menschenantlitz, Darstellungen zweier Inkarnationen des Annedot, oft bis zu 6 m. hoch und lang. Erstere stehen an den Ecken der ins Freie führenden Thore, letztere sind an den inneren Hauptthüren aufgestellt. Alle Skulpturen zeugen von großer künstlerischer Befähigung: die Verhältnisse der Glieder sind ganz richtig, ja fast edel, die Muskeln anatomisch richtig und scharf ausgeprägt. Eine gewisse, freilich noch gebundene Grazie der Bewegung und ungemeine Akkuratesse der Ausführung stellen die assyrische Kunst über die indische, selbst über die ägyptische, ziemlich nahe an die griechische Kunst. Brust und Gesicht der Menschenthiere, an den Thürecken dem Thürlichten zugekehrt, sind ganz frei statuarisch gearbeitet, während an den Seiten der Mauern Leiber u. Hinterfüße in Relief fortgesetzt sind. Die besonders häufig angewendeten Farben waren: Mattgrün, Ochergelb, Braun und Gold. Die Inschriften sind in Keilschrift ausgeführt. Die innere Ansicht eines Säls geben wir in Fig. 262, ein Fußbodenmuster in Fig 263. 2. Städte waren ziemlich regelmäßig angelegt, mit Wallgräben u. Mauern umzogen, hinter denen eine zweite, höhere Mauer hervorragte. Beide Mauern waren in regelmäßigen Zwischenräumen von vorstehenden viereckigen Thürmen unterbrochen, welche höher als die Mauern, gleich diesen mit einem bedeckten Gang und darüber mit Zinnen besetzt waren. 3. Thorgebäude. Dasselbe erhebt sich ebenfalls thurmartig über die Stadtmauern und war von einem mauergeschützten Hof zum Ausweichen und Umlenken re. umgeben; der eigentliche Thorthurm enthielt je zwei querliegende Räume, durch deren Langmauern die eigentlichen Thoröffnungen, also stets drei hinter einander, führen. Bei den Stadtthoren sind in der Regel zwei solcher Durchgänge neben einander. Der für die Wagen ist von glatten Pfeilern, der für die Fußgänger von geflügelten Stieren flankirt, beide im Rundbogen überwölbt; die Bogensteine bestehen meist aus blau emaillirten Ziegeln mit gelben Ornamenten. 4. Tempel. Dieselben standen gewöhnlich auf besonderen Plattformen von cirea 2 m. Höhe; s. Fig. 264 u. 265. Sie waren klein, ähnlich den Thorgebäuden, nur hinten geschlossen. An der Vorderseite standen auch wohl 2 Säulen dem Armenstock unserer Kirchen, vielleicht«auch zu ähnlichen Zwecken. Die Altäre bestanden theils aus steinernen Dreifüßen, sehr ähnlich den griechischen, theils aus tischähnlichen Gestellen auf Säulenfüßen, mit zinnenbekröntem Rand. 5. Begräbnisse. Die Königsgräber waren theils Felsenhöhlen mit Nebenkammern, Zellen und sehr engen Zugängen, deren Umgebung an der Felsenwand mit Palastfagaden in Relief und mit Inschriften besetzt ist, theils waren es Thurmpyramiden, die in hohen, stufenförmigen Absätzen bis zu 60 m. aufstiegen und gewölbte Grabkammern enthielten. Die Begräbnisplätze des Volkes bildeten ausgedehnte Hochplateaus, von Mauern umgeben und mit Erde ausgefüllt, in welchen die Särge über einander geschichtet stehen; die Särge selbst bestehen aus gebranntem, grün glasirtem Thon. Ein Beispiel s. Fig 266. 6. Ehrendenkmäler. Als solche dürften zu betrachten sein die kurzen Obelisken mit stufenförmigen Absätzen an ihrer Spitze, beinahe als Modelle der Thurmpyramiden erscheinend, u. die freistehenden Statuen auf Postamenten. Nähere Kenntnis des jedenfalls vollständig durchgebildeten Stils der Assyrer muß durch weitere Ausgrabungen und Entdeckungen erst erlangt werden.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 170Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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