venetianisch-gothische Bauweise, k. veuetianischer Spitz-Zu bogenslil, venetianische Gothik. kon J. Periode. Uebergang, eireg 1120— 1280. Nachdem des noch während der Herrschaft des byzantinischen Stils in bog Venedig der gestelzte Rundbogen eine blos äußerlich an-Kir gesetzte Schneppe erhalten hatte (. Fig. 1054 im Art. gen Fig. 3425. Fig. 3426. Byzantinisch), zeigt sich zu Beginn des 12. Jahrh. diese der Schneppe auch auf die Lichtenöffnung übertragen. Die setzt Kapitäle wurden noch häufiger durchbrochen gearbeitet als an, früher, neben den Scheiteln der Fensterbogen sitzen fast stets obe Scheiben mit Knöpfen zum Anhängen von Markisen. ein, Die Fensterpfeiler sind pilasterartig gebildet, ihre Kapitäle bis ohne Laubwerk. Die Bogenlinie selbst wird immer elasti-Vo scher, Nasen sind noch selten, kommen aber hier und da schi vor. In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts kommen (occ Blumen auf den Bogenscheiteln vor. Die Bogen haben oft in eine leise, hufeisenbogenartige Verengung nach unten. Die Ha BISLIOTHEK ogen bekamen hier und da Nasen, die aber nicht als extra igesetzt erscheinen, sondern auch in der Archivoltenlinie irchgeführt sind. Als Beispiel geben wir unseren Lesern Fig. 3423 und 3424 Details vom Palazzo Andrioli. diesertheilweisen Umwandlung byzantinischer Formen mmt das vereinzelte, ziemlich unorganische Auftreten 5 Spitzbogens in Friesen (zunächst durchkreuzten Rundgen), in einzelnen kleinen Blenden, Archivolten etc. Die rchengrundrisse zeigen zu Ende des Jahrhunderts eine wisse Ablenkung von der byzantinischen Grundform zu oceidentalen Disposition. Um die Mitte des 13. Jahrh. te sich die Unsicherheit u. der Kampf fort, doch fing man „die Scheiben etwas weiter herunter zu rücken, die Bogen en im Viereck mit Rundstäbchen od. Doppelzahns chnitten zufassen (nach orientalischem Vorb ild), diese Einfassung s zum Fußboden herab zu führen (nach oceidentalem yrbild), die Kanten der Pilaster durch anfangs sehr üchtern profilirte gewundene Stäbchen zu verbrechen eidental); die Blumen werden etwas schlanker u. feiner den Formen, die Sohlbänke zeigen noch immer als huptglied viereckige Platten von geringer Ausladung. 13. Jahrh. begann man dahin zu streben, mit weniger äußerem Aufwand an buntem Marmor, alten Fragmenten etc. doch eine schöne Wirkung zu erzielen. Die Polychromie gelangte mehr als früher zur Geltung durch Anblendung bunter Marmorplatten, durch Sehenlassen der Ziegelkonstruktion, durch Bemalung, besonders in Rothu. Gelb. Die Entwickelung der Einzelformen erhellt am besten aus beistehenden Beispielen. Fig. 3428 ist in à ein Balkonträger, in b der Hauptsims von dem zwischen 1300 u. 1320 erbauten Palazzo Molin, Fig. 3427 die Thür von dem etwa Fig. 3429. zufolge,1310 erbauten Palazzo Brandolin, auch Cia ramba oder Bollani genannt. Fig.3430 zeigt bei aeinen Kämpfersims mit Nagelkopfreihen, der auch häufig als Gurtsims und Brüstungsplatte vorkommt, in b den für Venedig charakteristischen, als Einfassung der Fenster, Felder etc. stereotyp wiederkehrenden Doppelzahnschnitt, in das Profil des Gurtsimses, der sich auf Fig. 3422 als Balkonplatte herumzieht. Fig. 3429 endlich ist eine sehr häufige Gestaltung des Hauptsimses mit Hundszahnverzierung. III. Periode, 1340—1438. Diese Periode beginnt mit dem Umbau des Dogenpalastes, von dessen Erdgeschoß Fig. 3433 b entnommen ist, und ist charakterisirt durch das zwischen und über den Fensterbogen stehende Mäßwerk, durch die gothisirende Durchführung der Kapitäle etc. a) Die älteste Form dieses Mäßwerkes, von 1340—1370 üblich, findet sich an der ersten Etage des Dogenpalastes, an dem zweiten Geschoß des Palazzo Sagredo, an der oberen Etage des Palazzo dei Mori (Fig. 3431), Palazzo Cavalli alle poste, Palazzo Durazzo etc., und läßt sich definiren als Eselsrücken mit Kreisen zwischen sich. Darauf folgten b) etwa um 1370—1400, Eselsrücken mit Kreisen zwischen sich, darüber noch eine Reihe Halbkreise, mit der Krümmung nach unten. Beispiel: Portego in der ersten Etage der Cä d'oro; e) etwa 1390—1410, sich durchkreuzende Halbkreise, darüber Vollkreise. Beispiele: Palazzo Capvalli bei Tragitto de S. Vitale, Pergolo im Obergeschoß des Palazzo Pisani Moretta, Palazzo Donä Giovanelli bei S. Fosca, 1847 von G. B. Meduna restaurirt; einen Theil des Portego s. in Fig. 3433. Derselben Zeit dürften alle Kombinationen voller Kreise mit reinen Spitz⸗ „bogen, alle Spitzbogenfenster mit rein gothischem Mäß⸗ „werk, Rosetten mit Schneußen etc. angehören, kurz Alles, worin germanischer Einfluß sich kund giebt. In jener Zeit arbeiteten auch nachweisbar deutsche Künstler in Venedig; d) circa 1400—1430, sich durchkreuzende Eselsrücken, die also unten ebenfalls reine Spitzbogen bilden. Beispiele: oberer Portego der Ca d'oro, Oberbau des Palazzo Foscari, s. Fig. 3432 etc. Die Ecksäule, die bisher meist strickähnlich gewunden, erschien in dieser Zeit entweder zopfähnlich vierfach gewunden, oder ganz glatt, oder fagonnirt bis 1438, eine Reihe von Spitzbogen od. Rundbogen, direkt durch die horizontale Einfassung überdeckt. Beisp. Casa Ferro. —Während nun die Form dieser Mäßwerke allerdings die Entwickelung der v.⸗g. B. am besten charakterisirt, darf man aus der Aufführung derselben doch nicht auf eine Trennung in fünf Stilarten schließen. Sie nehmen vielmehr kaum eine ähnliche Stellung ein wie die Säulenordnungen im griechischen Stil. Die Hauptformen des Stils blieben während der ganzen Zeit von 1340—1438 ziemlich dieselben. Die außer den bereits angeführten, noch besherwähnenswerthen charakteristischen Unterscheidungsmerkmale von anderen Ausbildungsweisen der Gothik sind für die venetianische folgende: Die Glieder des, wie wir gesehen haben, meist geschneppten Spitzbogens ruhen auf Säulen od. Pilastern, deren Kapitäle in der Grundform korinthisch, in der Blattform gothisch sind und die fast stets quadratischen Abakus sowie ziemlich reiche Halsglieder und attische Basen haben. Die Spitzbogen sind von einem Viereck umschlossen, die so entstehenden Zwickel sind entweder mit Mäßwerk ausgefüllt od. mit einer Scheibe besetzt, in deren Mitte ein Knopf sitzt, zum Anhängen der Markise dienend. Die Giebel sind ziemlich manchfach gegliedert, bei den meisten aber könnte man die Hauptform einen Eselsrücken nennen, dessen oberer konkaver Theil in die Höhe geschoben und vom unteren durch ein lothrechtes Stück getrennt ist. Die Kreuzblumen