FeedFlorentinische Bauweise
BaukunstBau-Lexikon 1881

Florentinische Bauweise, f. mit Unrecht von Einigen unter die Reihe der Baustile erhobener Zweig der italienischen Frührenaissanee (s. d. und Baustil E. 1. a), zeigt den Kampf zwischen mittelalterlichen und antikisirenden Formen in prägnantester Weise, hat sich bes. in Palästen und Kirchen dargestellt. Die glatten Mauerflächen sind entweder aus Backsteinrohbau oder von Quadern, oft in mächtiger Bossage ausgeführt. Der Unterbau ist meist ungemein massig. Die Fenster, in Rundbogen geschlossen u. nach romanischer Weise durch ein Säulchen mit Mäßwerk getheilt, sind dabei mit in der Disposition der Glieder romanischer, in den Profilen der Einzelglieder aber antikisirender Chrambranle umgeben, ebenso sind häufig diekleineren Rundbogen auf den Mittelsäulchen gegliedert. Die Gurtsimse und bes. die größtentheils kühnen, oft sehr schönen Hauptsimse tragen ebenfalls antike Formen, dagegen die Entlastungsbogen der Fenster und Thüren in den Intra⸗ „dos zwar Rundbogen, in den Extrados aber meist Spitzbogen zeigen; die kleinen Glieder, Kapitälchen, Mäßwerk, „Flächenverzierungen durch Mosaik etc., enthalten ebenfalls „viel Mittelalterliches, während das Laubwerk wieder an die Antike erinnert und oft ungemein fein und graziös ist. Unter den Gliedern findet man Karnieß und Blätterstab selten, Eierstab, Perlstab, Zahnschnitte, Rundstab re.häufig. Der Charakter der Gebäude ist in der Regel massig, mächtig, faft majestätisch und großartig in den Hauptverhältnissen. In den Details hingegen, nicht ganz im Einklang mit diesem Hauptcharakter, ist eine ungemeine Zierlichkeit entfaltet. Auch die inneren Dispositionen, Grundrisse etc. halten die Mitte zwischen Mittelalter und Renaissance; rbes. schön sind die meist von Hallen in mehreren Geschossen umzogenen Höfe.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 350Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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