Verzinnung, k., franz. tamage, engl. tinning, span. estanadura; wird die blanke Oberfläche eines Metalls bei gehörig hoher Temperatur mit einem andern geschmolzenen Metall in Berührung gebracht, so erfolgt eine mehr oder weniger feste Anhängung des flüssigen Metalls an das feste. Es beruht hierauf besonders das Verzinnen, das ausgedehnte Anwendung genießt. Das Metall, welches verzinnt werden soll, muß vollkommen blank, d. h. frei von Oxyd und Schmutz sein, einen angemessenen Hitzegrad besitzen, außerdem aber an sich Neigung haben, sich mit Zinn zu verbinden. Eine gute V. sei weder zu dünn, noch zu dick, sehr glatt, von rein zinnweißer Farbe und spiegelndem Glanz. Man sollte sich zur V. nur des ganz reinen (nicht bleihaltigen) Zinns bedienen. Indes läßt sich leichter mit bleihaltigem Zinn arbeiten, u. sowohl aus diesem Grund als wegen der Wohlfeilheit nimmt man oft auf 5 Theile Zinn 3 Th. Blei, auch wohl gleiche Theile Zinn u. Blei. Ganz vortrefflich ist ein Zusatz von Wismuth zu bleihalstigem Zinn, um dem letzteren mehr Weiße und Glanz zu geben; leider wirdaber dadurch die V. zu leichtflüssig. Viel härter u. dauerhafter hingegen wird das Zinn durch einen Zusag von Eisen. A. Verzinnung auf trockenem Wege. Warme V., frz. stamage au fen, engl. hot tinning, a) des Eisenbleches; . Blech, Blechverzinnen und Eisenblech sowie Abbrechen. Um die Dünneisen von Glühspan zu befreien u. eine rein metallische Oberfläche herzustellen, beizt man sie zuerst in gegohrener Roggenschrotmaische oder besser noch in verdünnter Salzsäure, worauf man sie in einem Flammofen kurze Zeit glüht und nach dem Erkalten auf dem Amboß mit einem hölzernen Hammer schlägt, damit der Glühspan abspringt. Darauf scheuert man sie mit Werrig u. feinem Sand in Wasser ab und bewahrt sie bis zum Verzinnen unter reinem Wasser. Das Verzinnen geschieht in einer eisernen, ineinem Ofen eingemauerten Pfanne von 45ew. Länge, 35em. Breite u. 45 em. Tiefe, die mit geschmolzenemginn angefülltist, auf welcherflüssiger Talg schwimmt; belegt ist die Oberfläche des Verzinnungsofens mit eisernen, nach der Pfanne hin geneigten Platten, damit das abtropfende Zinn dahin zurückfließe; dieselbe kann durch ein senkrecht eingesetztes Einhaltblech in zwei Räume getheilt werden. In die Pfanne stellt man nun auf die hohe Kante 200 Stück Dünneisen (ein Satz); sie werden nach und nach in Bösteln zu 20 und 25 Stück wieder herausgezogen und im Wasser abgekühlt. Man nennt diese Arbeit das Einbrennen. Man schäumt hierauf den Talg ab, bildet in der Pfanne mit dem Einhaltblech einen großen und einen kleinen Raum, stellt in der ersteren einen Satz Bleche und zieht ihn einzeln wieder heraus, was Abbrennen od. Einschlagen heißt. Nun setzt man die Bleche auf Schragen, damit das überflüssige Zinn ablaufe. Hierauf werden in den kleinen Raum der Pfanne die Bleche einzeln eingetaucht oder durchgeführt, gleich wieder herausgezogen und auf die hohe Kante auf einen Schragen gestellt, am besten diagonal, so daß der niedrigste Punkt eine Ecke ist. Bleche mit unverzinnten Stellen werden noch einmal durchgeführt. Hierauf kommen die Bleche in den Schwarzwischkasten, wo sie vom Talg mit Lumpen u. Sägespänen gereinigt werden. Man beseitigt die Tropfkante, d. h. den Saum am Rande der Blechtafel, wo das Zinn abtropfte, entweder indem man die Bleche auf eine warme Platte aufstellt, auf welcher etwas geschmolzenes Zinn sich befindet, wodurch das Abtropfen von der Kante erfolgt, oder indem man die Bleche mit der Abtropfkante in eine eigene Abtropfpfanne, die am Boden etwas Zinn enthält, eintaucht, dann herauszieht und mit Moos abwischt. Dann werden die Bleche in einem Trockenofen getrocknet, mit Kreide und Kleie weiß gewischt, mit Lumpen vom Staube gereinigt u. endlich in Kisten oder Fässer eingepackt; siehe auch d. Art. Abbrechen. p) Kupferne, messingene u. schmiedeeiserne Gefäße. Die Oberflächen der Gegenstände werden geschabt od. mit verdünnter Säure gebeizt, dann mit Sand und Wasser gescheuert. Das Gefäß wird nunmehr auf einem Kohlenfeuer erwärmt. Nun giebt man Kolophonium od. Salmiak nebst geschmolzenem Zinn hinein, reibt letzteres mit einem an einen Stock gebundenen Werrigbüschel aus einander und gießt das überflüssige Zinn aus. 0) Kleine eiserne und messingene Gegeustände. Nach gehörigem Beizen und Scheuern werden die Gegenstände mit Holzsägespänen getrocknet. Dann schmilzt man in einer Eisenpfanne so viel Zinn, daß es 2½—4 em. hoch steht, und giebt darauf 10—13 em. hoch Talg; die Wären läßt man langsam durch den Talg in das Zinn fallen, rührt um u. nimmt sie wieder heraus. d) Verziunen des Binkbleches und bleibleches. Man legt die gehörig durch Beizen in Salzsäure u. Scheuern gereinigten Zinkbleche in geschmolzenen Talg und dann in das 8 em. hoch mit Talg bedeckte geschmolzene Zinn, steckt es dann wieder eine Minute lang in geschmolzenen Talg und reibt es mit Werrig und Kleie ab; oder man taucht das Blech in Talg, legt es dann auf einen erhitzten eisernen Tisch, der ringsum miteiner Rinne pversehen ist, schöpft etwas Talg aus dem Kessel auf das Blech, streut gepulvertes Kolophonium darauf, gießt nun Talg und Zinn darüber und breitet letzteres mit Werrig auls, worauf man mit Kleie abreibt. Man verzinnt auf diese Art auch bleierne Röhren, wobei folgendes Verfahren angewendet werden kann: Man erhitzt sie, bestreut sie mit Kolophonium, auch innerlich (durch Einblasen) und zieht sie durch geschmolzenes Zinn, welches sich in einem mit Talg bedeckten länglichen Kessel befindet. e) Verzinnen des Gußeisens; s. d. Art. Gußeisen. B. Verzinnung auf nassem Wege, frz. Etamage kroid, engl. Wet tinning, a) durch Kochen von sogen, Zinnasche uUnd Aetzkalilauge bereitet man sich eine Lösung von Zinnoxydkali und wirft dann geraspelte Zinnspäne in dieselbe-Bringt man nun in diese Lösung blankgebeizte Kupfer- oder Messingplatten, so werden letztere, bei fortgesetztem Kochen und vollständiger Berührung mit den Zinnspänen, in wenig Minuten sich mit einer festhaftenden, spiegelblanken Zinnschicht überziehen. b) Verzinnen kleiner eiserner Gegenstände: 1. man taucht dieselben in ein Gemenge von 1 kg. Ammoniakalaun, 66 g. Zinnchlorür, 20 kg. Wasser, bis zum Kochen erhitzt; wenn es mit der Zeit zu schwach wird, setzt man etwas Zinnsalz zu. — 2. Für Gußeisen; man beizt die Gegenstände erst in Salpetersäure oder Salzsäure und taucht sie dann in ein Bad aus 38 g. Weinstein, 22 g. Zinnchlorür (Zinnsalz) und 10 kg. Wasser, dem man Zinnspäne zusetzt. — 3. Das sogen. Weißsieden; nach gehörigem Beizen etc. bringt man die Gegenstände nebst so viel Wasser, daß sie davon vollständig bedeckt werden, in einen messingenen oder verzinnten kupfernen Kessel, setzt auf 80 Th. Wasser 1 Th. raffinirten Weinstein u. 3 Th. feingekörntes Zinn (sogen. Zinnsud oder Weißsud) zu und läßt das Ganze so lange kochen, bis die Wäre weiß genug ist; darauf spült man die weißgesottene Wäre in Wasser ab und trocknet sie durch Sägespäne. — 4. Man löst in 50Kg. Wasser durch Wärme 240 g. gepulverten Weinstein auf. Diese Auflösung wird mit 33 g. Schlämmkreide neutralisirt. Dann bereitet man eine Auflösung von 100 g. Zinnsalz in „Kg. Wasser. Diese Mischung wird der vorhergehenden beigegeben und das Ganze vorher einige Minuten gekocht. Das Eisen muß durch verdünnte Schwefelsäure abgebeizt werden. Man bringt die ganze Lösung in ein Gefäß von Holz oder Porzellan, erhitzt sie durch Einleiten von Wasserdampf auf ungefähr 57R.„steckt den zu verzinnenden eisernen Gegenstand nebst ungefähr 1 Kg. Zinkstückchen hinein und läßt es eine Zeit lang darin. e) Verzinnen kleiner eiserner und messingener Gegenstände. Man erhitzt die abgebeizten u. getrockneten Gegenstände in einer eisernen Trommel, welche über Kohlenfeuer umgedreht wird, bis zum Schmelzpunkte des Zinnes, giebt dann Zinn u. Salmiak hinzu u. dreht die wieder verschlossene Trommel um ihre Achse, bis die V. geschehen ist. d) Ganz kleine Gegenständebringt man nebst gekörntem oder sonst verkleinertem Zinn u. etwas Salmiak in einen weiten, steingutenen Krug mit engem Hals, erhitzt dieses Gefäß auf der Seite liegend über Kohlenfeuer, dreht und schüttelt es dabei fleißig, schüttet den Inhalt in Wasser und trocknet die Gegenstände mit Sägespänen ab.