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BaukunstBau-Lexikon 1881

Vitriol, m., frz. vitriol, engl. vitriol(Chem.), Verbindung der Schwefelsäure mit einem Metalloxyd. Man benutzt in der Baukunst hauptsächlich dreierlei Vie, sie haben alle einen herben Geschmack, bilden leicht Krystalle, welche aber in der Luft zerfallen, im Feuer zergehen u. im Wasser leicht löslich sind. 1. Eisenvitriol, auch grüner V. genannt, frz. vitriol vert, vitriol de fer, couperose verte, fer sulfaté, engl. green vitrioh sulphate of iron, schwefelsaures Eisenoxydul (s. d.), vergl. auch d. Art. Göckelgut u. Grützjäckel. Die nur selten vorkommenden Krystalle haben eine schiefe, rhombische Säule als Kernform u. zeigen sich meist entrandet. Häufig sind härförmige Gebilde. Ferner findet sich das Mineral tropfsteinartig u. derb, zum Theil mitfaserigem Gefüge. Bruch muschelig, ritzbar durch Flußspat; er kommt in verschiedenen Nuaneen des Grün vor, beschlägt sich aber an der Luft immer gelb. Halbdurchsichtig bis durchscheinend. Fettglanz bis Glasglanz. Eigenschwere 19. Vor dem Löthrohr unvollkommen schmelzbar, sehr leicht auflöslich in Wasser. Er besteht aus Eisenoxydul, Schwefelsäure u. Wasser, entsteht durch Zersetzung von Eisenkiesen u. kommt in alten bergmännischen Gruben vor. Man gewinnt ihn als Nebenprodukt bei Entwickelung von Wasserstoff aus Eisen und verdünnter Schwefelsäure, im großen aus dem Schwefelkies u. Stahlkies durch Verwitterung u. Auslaugen. Ueber seine Verwendung s. unter d. Art. Beizen, Gelb, Atramentum, Berliner Blau, Schwefelsäure. — 2. Blauer V., franz. vitriol bleu, vitriol de cuivre, de Chypre, cuivre sulfaté, engl. blue vitriol, vitriol of copper, sulphate of copper, Kupfervitriol, Cypervitriol (s. d.), schwefelsaures Kupferoxyd. Muscheliger Bruch, tropfsteinartig, nierenförmig, derb; ritzbar durch Kalkspat, dunkel⸗, himmel⸗, auch saphirblau ins Spangrüne. Halbdurchsichtig bis durchscheinend, glasglänzend. Giebt im Kolben Wasser und wird weiß. Vor dem Löthrohr auf Kohle schmelzbar und sich reduzirend. Auflöslich in Wasser. Er besteht aus Kupferoxyd, Schwefelsäure und Wasser, kommt mit schwefelhaltigen Kupfererzen, aus deren Zersetzung das Mineral entsteht, in alten Gruben vor, auch im sogen. Cementwasser, und wird benutzt zur Darstellung vieler Farben, zum Beizen etc. — 3. Doppelvitriol, Adlervitriol, besteht aus Eisen- und Kupfervitriol. Unter dem Namen Salzburger V. ist der blaugrüne, kupferhaltende Eisenvitriol bekannt. — 4. Weißer V. (Zinkoitriol, Galitzenstein), franz. vitriol blanc, vitriol de Goslar, blane m. de Goslar, engl. white Vvitriol, zink-vitriol, sulphate of zink. Deutlich ausgebildete Krystalle, deren Grundgestalt eine gerade rhombische Säule ist; öfter stellen sie sich nadel-oder härförmig dar, auch trifft man ihn tropfsteinartig, nierenförmig oder derb. Gefüge strahlig, sich zum Faserigen neigend. Bruch muschelig. Durch Gipsspat ritzbar, gelblich⸗, graulich⸗, röthlichweiß. Glas⸗, auch seidenglänzend. Halbdurchsichtig bis undurchsichtig. Vor dem Löthrohr sich aufblähend und zu weißer Masse fließend, sehr leicht in Wasser löslich. Er besteht aus Zinkoxyd, Schwefelsäure, Manganoxyd u. Wasser. Findet sich sparsam in alten Gruben vor, entsteht durch Zersetzung anderer Zinkerden, besonders der Blenden, dient als Zusatz zum Oel bei der Firnißbereitung,. zur Darstellung verschiedener Zinkfarben etc. — 5. Kobaltvitriol, Bleivitriol und Vitriolblei, sind 1 höchst selten natürlich anzutreffen, sie werden gewöhnlich künstlich bereitet. Alle V.e, namentlich aber Eisenvitriol, dienen zu Darstellung des Vitriolöls. Dunkle, beinahe oder ganz schwarze Farbe ist ein Beweis von Verunreinigung des V.s. Ditriolkies, m., s. Wasserkies.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 432Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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