FeedZinn
NaturlehreBau-Lexikon 1881

Zinn, u., frz. étain, m., engl. tin, in Cornwall stean, lat. stannum (Miner.). I. Vorkommen. Das 3Z. kommt vor in den Zinnerzen, entweder auf Gängen und einge sprengt in Gebirgsgestein (Bergzinn), oder nicht mehr an der Stelle, wo sie entstanden, als Geschiebe, Körner und Sand im aufgeschwemmten Lande (Seifenzinn) Die Hauptniederlage der Zinnerze ist im Granit. Die sogen. Biunstockwerke sind gewaltige pyramidale Granitmassen, ringsum durch Gneis eingeschlossen und gegen die Tiefe hin unbegrenzt. Begleiter des Zinnerzes sinddann: Flußspat, Bergkrystall, Apatit, Topas, sowie manche Kupfer⸗„ Eisen⸗ u. Arsenikerze, Molybdänglanz, Wolfram etc. Die wichtigsten Zinnerze sind folgende: — 1. Zinnstein, in derben Massen von unebenem, grobkörnigem Bruch, eingesprengt nicht selten in schönen, wohl ausgebildeten Krystallen, welche zur Stammform eine rechtwinklige, vierseitige Säule haben, an den Enden mit vier Flächen zugespitzt, an den Seitenkanten abgestumpft und in anderen Modifikationen. Wird von Säuren nicht angegriffen. Ritzt Feldspat, ritzbar durch Topas; giebt Funken am Stahl. Farbe braun, ins Schwarze, Graue oder Rothe ziehend. Glänzt zwischen Diamant und Fett. Halbdurchsichtig; spez. Gew. = 6, —7,0. Das Mineral ist wesentlich reines Zinnoxyd. Es wird direkt im Gebkäseofen mit Kohle geschmolzen, um Z. zu gewinnen, welches dann als Malakka-und Bankazinn in den Handel kommt. Der gewöhnliche mit Schwefel, Arsenik re. gemengte Zinnstein aber wird gepocht, gewaschen und geröstet, dann erst reduzirt zu Blockzinn. — 2. Faseriges Zinnerz, Holzzinn, wird in Deutschland nicht gefunden. — 3. Zinnkies, mäßig hart, zwischen Messinggelb und Stahlgrau, wiegt 4,½ —4,s, ist magnetisch; er bildet eine Verbindung von Schwefelzinn mit den Schweflungsstufen des Eisens, Kupfers und Zinks. — 4. Zinnerzsand, frz. minerai d'étain en sable, engl. crop, gilt in England als das beste Zinnerz. II. Charakteristit. Das Z. ist von silberweißer Farbe,‚ hat starken Metallglanz, ist sehr weich, aber wenig zähe gegen Biegung, zeigt beim Brechen einen hakigen Bruch, rostet durch Lufteinfluß nicht und läßt sich zu Blechen von 0,½ m. Stärke ausschlagen. III. Anwendung. Das Z. kommt als Stangenzinn (engl. bar-tin) und als Ballenzinn sowie als Rollenzinn, Pfundzinn, Bankazinn etc. in den Handel. Man verwendet es selten rein, meist mit geringem Zusatz Kupfer od. Blei, srübr. d. Art. gestempeltes Zinn. Es dient bes.: 3) geschmolzen zur Verzinnung (s. d.); b) als stärkeres Blech zum Belegen von Bautheilen, die Säuren ausgesetzt sind, zu Orgelpfeifen etc.; e) als Zinnoxyd mit Schwefel verbunden zu Darstellung des Musivgoldes (s. d.); d) zur Legirung mit anderen Metallen, s. Bronze, Semilor, Semilargent 26. 3 e) zu Drähten, die ungemein biegsam sind; als Zinnasche (s. d.); g)als ganz schwaches Blech, Zinnfolie (J. d.); h) zu Gefäßen, dem Tafelzinn, srz. Etain Vaisselle, pewter gen.; i) zu Darstellung des Schnelllothes (s. d.) und zum Löthen; k) mit Erden und Glasflüssen zu weißem Email (s. d. u. Bronzirung des Z.8 s. d. Art. Bronzefarben.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 515Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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