Imbibition (lat., Einsaugung, Durchfeuchtungo), das Vermögen der tierischen und pflanzlichen Gewebe, Flüssigkeiten zwischen den kleinsten Teilchen, den sog. Micellen (s. d.), in sich aufzunehmen und dadurch eine Form⸗ und Volumveränderung (Aufquellung) zu erfahren. Die lebenden Zellen nehmen durch J. nur dann Stoffe in sich auf, wenn ihre Lebensenergie geschwächt ist. Diese Schwächung der Lebensenergie kann entweder durch die zur J. dargebotenen, von außen andringenden Stoffes elbst erzeugt werden (Aufnahme von alkalischen und sauern Flüssigkeiten, von Lösungen von Kalisalzen, von destilliertem Wasser u. dgl.) oder durch innere physiol. Zustände, wie übermäßig gesteigerte Thätigkeit oder beginnendes Absterben der Zellen, bedingt sein. Häufig geht mit der J. eine beträchtliche Kraftentwickelung einher; so beträgt nach Jamin die Imbibitionskraft der Stärke und des Holzes 5—6 Atmosphären Druck, und bei trockenen organischen Substanzen kann die Wärmeerzeugung infolge der J. 2—3 C. betragen. Bei der Pflanze beruhen eine Menge der wichtigsten Erscheinungen auf dem Vorgange der J., so die endosmotische Aufnahme von Flüssigkeiten durch die Zelle, das Aufsteigen des Saftes im Holz, das Quellen und Schwinden des Holzes, die Bewegungen hygroskopischer Pflanzenteile u. a. m. Auch im Tierköper spielt die Imbibitionsfähigkeit der Zellen bei zahlreichen Ernährungsprozessen eine bedeutsame Rolle. Die Imbibitionsflüssigkeit bewirkt je nach ihrem Volumen eine Vergrößerung des wasseraufnehmenden Körpers. Die Veränderung der Gestalt desselben kann bei diesem Vorgang, welchen man allgemein auch als Quellung bezeichnet, sehr verschiedenartig sein. Ein kugeliger Körper kann nach stattgefundener Quellung ebenfalls noch Kugelform zeigen; er kann aber auch je nach der Verteilung der