Giebel (frz. fronton) heißt zunächst die senkrechte Begrenzung eines Dachraums bei Pult⸗ und Satteldächern, dann aber auch, als Abkürzung für Giebelmauer und Giebelwand, die das Gebäude an der schmalen Seite abschließende Wand samt dem darüber befindlichen Dachgiebel. Je nachdem das Dach sattel⸗ oder pultförmig, hoch oder niedrig ist, den G. überragt oder von demselben überragt wird lüberdeckter und freier G.), bekommt der G. eine verschiedene Form, ist jedoch meistens ein Dreieck und kommt in allen nur möglichen Arten desselben vor. Nur ausnahmsweise, wenn der Durchschnitt des Dachs bogenförmig ist, kommt wol auch ein G. vor, dessen obere Abgrenzung Bogenform hat. Der speziell Fronton genannte Stirn-G. wird gewöhnlich auf allen drei Seiten von Gesimsen umrahmt. In der klassischen Architektur des Altertums war er, dem flachen Marmordach des Tempels entsprechend, stets ein oben stumpfwinkeliges, gleichschenkeliges Dreieck, dessen Grundlinie zur Höhe in einem bestimmten Verhältnis steht. Das Giebelfeld (Tympauon), d. h. der Raum zwischen den begrenzenden Gesims en, wurde bei größern Tempeln oft mit Statuengruppen, deren einige, 3. B. vom Tempel zu Agina, vom Parthenon zu Athen, vom Zeustempel zu Olympia u. . w., in Resten noch erhalten sind, bei kleinern Gebäuden mit Reliefs geschmückt. Die Darstellungen waren stets mit direktem Bezug auf den Tempel gewählt. Eine besondere Zierde der antiken Tempelgiebel sind die an den untern Enden und der Spitze befindlichen Akroterien, Aufsätze in Form von Palmetten oder Figuren, welche ein ästhetisches Gegengewicht gegen die schiebende Wirkung der schrägen Seiten bilden. Im spätern röm. Altertum und im Zeitalter der Renaissance hatte der G. seine konstruktive und symbolische Bedeutung verloren und wurde oft eine sinnlose architektonische Dekoration, erhielt in der Barockzeit Voluten und andere geschwungene Linien und wurde oft sogar in der Mitte durchbrochen, die Lücke aber durch Büsten, Vasen auf Postamenten u. s. w. ausgefüllt. Im Mittelalter wurde Dach und G., letzterer gewöhnlich nach der Straße gerichtet, sehr hoch und meist als gleichseitiges Dreieck oder noch spitzer gebildet. Der G. ist dann nicht mehr von Gesimsen umschlossen, sondern in freier Weise als ganz selbständiges Werk architektonisch ausgebildet. Im Zeitalter der Gotik wurde er mit Abtreppungen, Zinnen, Maßwerk, Türmchen u. s. w., im Zeitalter der Renaissance mit mehrern Pfeilerstellungen und Gebälken übereinander, Fenstern, Nischen, Reliefs, an den Rändern mit Voluten, Obelisken, Statuen, Büsten u. s. w. geschmückt. Er erhebt sich dann bisweilen weit über die Dachlinien hinaus. In diesem Falle hieß er in alter Zeit Schild. Im 15. und 16. die ch bildet er oft den wesentlichsten Schmuck der die schmale Seite des Hauses nach der Straße kehrenden Fagade (Ziergiebel). Vorzüglich schöne Beispiele von got. und Renaissancegiebeln finden sich in Brandenburg, Danzig, Nürnberg u. a. O.