FeedGirardon (Frangois)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Girardon (Frangois), franz. Bildhauer, geb. . Troyes 1630, war ein Schüler von Frangois uguier, den er aber bald weit übertraf, dann war er auch in Rom. Seine Blütezeit fiel in die Glanzepoche Ludwigs XIV., für welchen er viele Arbeiten lieferte. Im J. 1659 wurde er Professor an der königl. Akademie, später auch deren Kanzler. Nach Lebruns Tode 1690 wurde ihm die Leitung der für den König beschäftigten Bildhauer übertragen. Über seinen talentvollern und an Tiefe ihm überlegenen Rival Pierre herrs trug er den Sieg davon, sodaß sein Stil vorherrschend blieb. Zwar ist G. nicht frei von Manier, doch beschränkt sich diese auf eine etwas prätentiöse Auffassung, während die Ausführung maßvoller und reiner ist als die der meisten Zeitgenossen. Weit entfernt von der manierierten Haltung und Gewandung der Werke Berninis, tritt bei ihm überall ein genaueres Studium der Antike zu Tage, das ihn zur wenigstens relativen Einfachheit nötigte. Neben vielen Büsten arbeitete er die berühmte, in der Revolution zertrümmerte Reiterstatue Ludwigs XIV. für den Vendömeplatz; sein Hauptwerk aber, das schöne Grabmal Richelieus in der Sorbonnekirche, ist noch vorhanden. Teils von ihm selbst, noch unter Lebrun, teils unter seiner Aufsicht wurden die meisten Skulpturen in Versailles gefertigt; die namhaftesten darunter sind die Entführung der berulichten und das Bad des Apollo, eine der herrlichsten Gruppenkompositionen der neuern Kunst. Er starb 1. Sept. 1715 als Direktor und Kanzler der Akademie in Paris. Vgl. Corrard de Breban, Notice sur la vie et les uvres de G.d (Par. 1850).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 55Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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