Messina, eine sehr alte Seestadt auf Sicilien, Hauptort der gleichnamigen ital. Provinz(4579m mit 467 233 C.), Sitz eines Erzbischofs, des Präfekten, eines Appellhofs und eines Tribunals erster Instanz, hat, von einem Gürtel zerrissener Felsengipfel umgeben, eine reizende Lage an der Straße von Messina oder Faro di Messina Fretum Siculum bei den Alten), einen durch eine sichelförmig vorspringende Landzunge gebildeten vortrefflichen Hafen, der 1000 Schiffe aufnehmen kann, mit zwei Leuchttürmen (s. unter Faro grande) und wurde früher durch eine starke (jetzt aber zum Teil verfallene und nur noch als Arsenal benutzte) Citadelle und jetzt zu Ruinen verwandelte Forts verteidigt. Seit 1884 wird M. in ein großes verschanztes Lager, mit Forts auf den Bergen und am Faro, umgewandelt. Längs des Meerufers führt die S km lange Marina oder Corso Vittorio Emanuele. M., Station der Linie M.⸗Syrakus der Sicilianischen Bahnen, hat mehrere schöne Plätze, mit Lava gepflasterte Straßen, einen altertümlichen Dom, viele andere Kirchen und Paläste, worunter der neuekönigliche, ehemals dem Malteserorden gehörige, jetzt Wohnung des Präfekten ist. Hier andekm eine 1838 gestiftete Universität, eine Bibliothek aus dem eingezogenen Kloster Salvatore dei Greci, ein technisches Institut, ein Lyceum, ein Gymnasium, eine Handels⸗ und Gewerbekammer, ein großes Hacpuan u. s. w. Von dem Kloster San-Gregorio hat man die schönste Aussicht auf die Meerenge und die Küste von Calabrien. Die Zahl der Einwohner beträgt (1881) 76 982, im ganzen Gemeindebezirk 126497. Industrie besitzt M. nur wenig; nennenswert ist nur die Seidenspinnerei, Gerberei, Essenzenfabrikation, sowie ein bedeutendes Trockendock mit Reparaturwerkstätten aller Art. Die Ausfuhr besteht hauptsächlich in Oliven, Südfrüchten, Schwefel, Seide, Wein, Mandeln u. s. w. Im J. 1883 liefen in M. 6274 Schiffe mit 1641 328 t ein. M. hieß im frühesten Altertum Zankle (d. i. Sicheh, war ursprünglich eine siculische Stadt, wurde aber griechisch, als Anaxilos von Rhegium, ein geborener Messenier, sie eroberte und mit den nach dem zweiten Messenischen Kriege 668 v. Chr. auswandernden Messeniern bevölkerte, wodurch sie unter dem Namen Messana in die Reihe der dor. Städte eintrat. Sie wurde nun eine bedeutende Handelsstadt mit ansehnlichem Gebiet, aber 396 von den Karthagern erobert und zerstört. Dionys von Syrakus baute sie sogleich wieder auf. Er und sein Sohn blieben Beherrscher derselben; später ward es Agathokles, seit 282 dessen Söldner, die Mamertiner, dann die Römer seit dem ersten Punischen Kriege, der hier 264 ausbrach. Im Mittelalter kam die Stadt 831 in die Gewalt der Sarazenen, der Normannen, dann der Hohenstaufen, 1266 in die Karls von Anjou, 1282 Peters von Aragonien durch die Sicilische Vesper. Im 15. Jahrh. war sie als Sitz der Wissenschaften berühmt, daher sich hier auch der gelehrte Konstantin Laskaris niederließ, der ihr seine wichtige Büchersammlung vermachte. In der Kunstgeschichte ist sie besonders durch Antonello von M. berühmt, dessen Vorfahren und Verwandte, namentlich Salvio di Antonio, bedeutende Maler waren. Im 16. Jahrh. stiftete daselbst Polidoro da Caravaggio, ein Schüler Rafaels, eine blühende Malerschule; von ihm und von Alibrandi finden sich noch in mehrern Kirchen wertvolle Gemälde. Innere Faktionen verleiteten die Stadt, sich 1675 Ludwig XIV. von Frankreich zu unterwerfen. Bei der Bekämpfung der Franzosen fiel der niederländ. Seeheld de Ruyter 1676 in der Schlacht bei M. Karl II. von Spanien bestrafte die Stadt für ihren Abfall, indem er ihr alle Privilegien nahm (1679). Seitdem geriet M. immer mehr in Verfall. Teils verödete es 1743 eine furchtbare Pest, teils das große Erdbeben von 1783, welches die halbe Stadt einstürzte; 1823 wurde es durch eine überschwemmung bedeutend verwüstet. Im J. 1848 litt die Stadt durch die Revolutionskämpfe. Am 28. Juli 1860 wurde M. von den Freischaren Garibaldis besetzt und mit der auf die Citadelle beschränkten neapolit. Besatzung ein Waffenstillstand geschlossen. Erst 13. März 1861 erfolgte die übergabe der Citadelle an den ital. General Cialdini. (S. Sicilien.)