Gladbach, amtlich München-Gladbach, blühende Fabrikstadt im gleichnamigen Kreise des Regierungsbezirks Düsseldorf in der preuß. Rheinprovinz, an den Linien Aachen-Düsseldorf, G.⸗Stolberg, G.⸗Ruhrort, G.-Dahlheim und Rheydt-Krefeld-Dortmund der Preußischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Landratsamts, eines Amtsgerichts mit einer Kammer für Handelssachen, eines Gewerbegerichts, eines Gymnasiums mit Realabteilungen, einer Nebenstelle der Reichsbank und einer Handelskammer, welche die Kreise Gladbach, Grevenbroich und einen Teil des Kreises Kempen umfaßt. Von kunstgeschichtlichem Werte ist die Abteikirche mit dem schönen, von Albertus Magnus eingeweihten Chore. Die Stadt zählte 1816 erst 7080, 1858 schon 13965, 1880 aber 37 387 und 1883 endlich 41160 meist kath. E. Dieses schnelle Wachs-⸗ tum der Bevölkerungsziffer steht in gleichem Verhältnis 6 dem Aufschwunge der Handels⸗ und Gewerbthätigkeit; die Stadt bildet jetzt mit dem umliegenden Handelskammerbezirke einen der Hauptsitze der rheinländ. Textilindustrie. Dieselbe umfaßt besonders Spinnereien in Baumwolle, Wolle und Flachs, Webereien in halbwollenen, seidenen und leinenen Waren, sowie in Kurzwaren, nebst Bleichereien, Appreturen, Druckereien und den sonstigen Nebengewerben der Textilindustrie. Die Baumwollspinnerei hatte 1883 200000 Spindeln und die Weberei über 5000 mechan. Stühle in Betrieb, außer den in dem Hausgewerbe thätigen Handstühlen. Bedeutend sind auch die Gerbereien, Eisen⸗ und Messinggießereien, Maschinenfabriken, Bierbrauereien, Dampfbuchbindereien, lithographischen Kunstinstitute re. — Die Stadt G. ist ein sehr alter Ort, der mit der zuerst zur Zeit Karls d. Gr., dann zum zweitenmal durch Erzbischof Gero 972 gestifteten berühmten Benediktinerabtei entstanden ist und 1366 bereits Stadtrechte besaß. An dem gewerblichen Aufschwunge haben fast alle übrigen Orte des Kreises Gladbach mehr oder minder Anteil genommen. Der Kreis zählt auf 240 qkm Hr 123485 E. An der Industriethätigkeit des Bezirks nehmen alle Städte des Kreises lebhaften Anteil: Viersen, Rheydt, Odenkirchen und Rheindahlen. Die zahlreiche, in der gewerblichen Thätigkeit beschäftigte Bevölkerung gestattet bei ziemlich parzelliertem Grundeigentum eine intensive und lohnende Acker⸗ und Gartenkultur.